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Mi, 26. Januar 2005, 10:16

Gesellschaft::Politik/Recht

»GPL, verschwinde!«

Nur kurz nach der Ankündigung von Microsoft, auf einen Widerspruch gegen das Urteil der EU zu verzichten, erhebt die FSF Europe, vertreten durch die Anwaltskanzlei Tamos Piana & Partners in Mailand, neue Vorwürfe gegen Microsoft.
Von ThomasS

Zwar habe Microsoft signalisiert, die mit dem Urteil auferlegten Auflagen zu erfüllen, dennoch versuche der Softwarekonzern weiterhin, Linux, Samba und andere wichtige GPL-Projekte als Lizenznehmer aus dem Microsoft Communications Protocol Programm (MCPP) auszuschließen. Carlo Piana, Anwalt der FSF Europe ist der Überzeugung, dass Microsofts Lizenzbestimmungen für die Windows Server-Protokolle so zugeschnitten sind, dass sie jedes OSS-Projekt, das unter GPL steht, ausschließen. Zwar seien die sich aus dem Urteil der EU ergebenden Auflagen als Punktsieg für OSS zu betrachten, dennoch sei die Aussicht ihrer Durchsetzung fraglich. Ungeachtet der Ankündigung von Microsoft bedürfe es nur geringer Anstrengungen, die Auflagen der EU auszuhebeln.

Branchenkenner bezweifeln, dass eine der Auflagen, die Entkoppelung von Betriebssystem und Mediaplayer, überhaupt einen Effekt auf den Markt haben wird, da es keine effektive Nachfrage nach einem Windows ohne Mediaplayer sowohl unter Endverbrauchern als auch PC-Herstellern gibt.

Während dieser Teil der Auflagen für OSS-Projekte keine entscheidende Rolle spielt, verhält es sich mit der Lizenzierung von Server/Client-Protokollen anders. Hier ist Microsoft durch das Urteil der EU eine Lizenzierung der Protokolle für Wettbewerber zu »vernünftigen und nicht-diskriminierenden« Bedingungen zur Auflage gemacht worden. Schon mit den Auflagen des Antitrust-Urteils aus dem Jahre 2002 in den USA hat MS begonnen, Protokolle für Windows-Clients im Microsoft Communications Protocol Programm (MCPP) für den Rest der Welt freizugeben.

Zwar macht MS mit dem MCPP seine Protokolle für alle Mitwettbewerber zugänglich, dennoch steckt der Teufel für OSS im Detail, denn die durch das MCPP geregelten Lizenzbestimmungen verbieten jede Weitergabe oder das Öffnen von Produkten, die auf den Protokoll-Implementierungen von Microsoft beruhen. Jeder lizenzierende Entwickler verpflichtet sich, seine Produkte nicht unter eine Lizenz zu stellen, die die Offenlegung oder die Verbreitung des Quellcodes verlangt. Genau dieser Passus, so Piana, ließe sich auch so lesen: »GPL, verschwinde!« Die FSF Europe wird daher ihre Bedenken gegen diese Lizenzierungspolitik der EU-Kommission vortragen.

Microsoft beharrt allerdings weiterhin auf dieser Regelung zur Wahrung seiner Geschäftsgeheimnisse. Zu den schützenswerten Geschäftsgeheimnissen zählt die MCPP die eigentlichen Implementationen der Protokolle und den dazugehörigen Quellcode. Der Konzern ließ dazu verlauten, dass diese Bedingungen unterschiedslos für alle Wettbewerber gelten, einschließlich der Entwickler freier Software, und somit im Einklang mit den EU-Auflagen stehen.

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