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Do, 24. Februar 2005, 12:22

Wo kommen die Entwickler her?

Mit steigender Popularität von freier Software und Linux in der letzten Zeit könnte man sich die Frage stellen, woher eigentlich die beitragenden Entwickler kommen.
Von ThomasS

Nick McGrath, Microsoft UK, hat beobachtet, dass trotz starker Unterstützung von freier und Open-Source-Software (FOSS) durch Firmen wie IBM dort nur eine Handvoll FOSS-Entwickler arbeiten. Eine Feststellung, die Adam Jollans, IBMs weltweiter Linux Software Marketing Strategie-Manager, so nicht gelten lassen will. Es gelte, so Jollans, etwas feiner zu differenzieren. So arbeiten für das »Linux Technologie-Zentrum« von IBM derzeit 800 Entwickler, die direkt zu FOSS-Projekten beitragen. Im Laufe der letzten Jahre habe sich weltweit die Anzahl der IBM-Beschäftigten auf 8000 bzw. 9000 gesteigert, die in der einen oder anderen Weise an IBMs Linux-Strategie arbeiten.

IBM will, so Jollans weiter, ein Partner von FOSS sein, ohne ein neues eigenes Betriebssystem auf die Beine stellen zu wollen. Daher habe man es vorgezogen, SUSE Linux und Red Hat mit eigenem technologischem Knowhow in verschiedenen Bereichen zu unterstützen und weiterzuentwickeln.

Bill Weinberg vom OSDL sieht den fortwährenden Strom neuer FOSS-Entwickler durch eine eigene Rechnung bestätigt. Eine deutliche Sprache sprächen 95982 Projekte und über eine Million registrierte User auf Sourceforge. Zudem, so schätzt er, würden ca. 2000 Linux-Entwickler von OSDL-Mitgliedsfirmen beschäftigt werden. Zwar sei die Angabe einer Gesamtzahl sehr schwierig, aber selbst bei pessimistischeren Schätzungen könne man wohl von Millionen von FOSS-Entwicklern weltweit ausgehen.

Von den vielen auf Sourceforge gehosteten OSS-Projekten gebe es zur Zeit lediglich von 86 Projekten Anfragen nach Unterstützung. Das scheint darauf hinzuweisen, dass die aktuelle Entwicklerdecke nicht zu dünn ist. Dennoch räumt Weinberg ein, dass es manchmal sehr schwierig sei, geeignete Entwickler zur Unterstützung von Projekten zu finden, einerlei um welche Plattform es sich auch handle. Perspektivisch rechnet Weinberg jedoch auf Grund der gewachsenen Popularität von FOSS in den letzten Jahren mit einem starken Anwachsen des FOSS-Talentpools. Allein die Tatsache des freien Zugangs zum existierenden Quellcode als Einladung zum Studieren oder der Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten locke viele akademisch gebildete Entwickler gleich nach der Ausbildung an. So hat er beobachtet, dass die kommende Generation von FOSS-Entwicklern einen noch stärkeren Linux-Hintergrund hat, da bereits heute viele Informatikstudenten während der Ausbildung an Linux mitarbeiten würden.

Eine weitere Quelle neuer Linux-Entwickler sieht Weinberg in ehemaligen UNIX-Entwicklern, die relativ einfach ihre bisherigen Erfahrungen und Fähigkeiten auf Linux übertragen könnten und damit ihren Produkten eine weitere Verbreitung ermöglichen würden.

Die Zahl der FOSS-Entwickler sei auch deshalb schwer zu schätzen, da das Entwickeln einer Applikation für Linux keineswegs mit deren Veröffentlichung unter einer OSS-Lizenz gleichzusetzen sei. Unter Verweis auf IBM und Novell arbeiten viele FOSS-Entwickler auch an proprietären Produkten beider Firmen für die Linux-Plattform. Insgesamt schätzt Weinberg, dass ca. 70-75% aller FOSS-Entwickler für ein mittelständisches oder größeres Unternehmen arbeiten. Andere Entwickler bekommen ihr Projekt teilweise von Unternehmen gesponsert, die im Linux-Bereich aktiv sind.

Eine Gefahr, dass immer mehr Unternehmen aus kommerziellen Eigeninteresse in die Weiterentwicklung von Linux eingreifen, was die Integrität der FOSS-Bewegung beeinträchtigen könne, verneint Weinberg. Vielmehr weist er darauf, dass das wissenschaftlich anmutende Entwicklungsmodell von Linux nur die Qualität des Quellcodes als wichtigstes Kriterium für die Annahme eines Beitrages gelten läßt. Diese Herangehensweise garantiere, dass innerhalb der Hierarchie von OSS kommerzielle Eigeninteressen keine große Bedeutung erlangen.

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