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Mo, 7. März 2005, 11:36

Gesellschaft::Politik/Recht

Mehr Guerilla-Marketing für freie Software

Tom Chance, Freiwilliger im Unterprojekt Marketing und Öffentlichkeitsarbeit innerhalb des KDE-Projekts, hat in der zweiten Ausgabe des Free Software Magazins mehr Guerilla-Marketing für freie Software gefordert.
Von ThomasS

Grundsätzlich, so Chance, wird in freien Software-Projekten irrtümlicherweise davon ausgegangen, dass kommerzielle Distributoren die Promotion für freie Software übernehmen würden und den freien Projekten das »Fleisch« der Arbeit, die Programmierung von Software, das Schreiben von Dokumentation und die erforderliche Artwork überlassen. Chance hat einige Bedenken gegen eine solche Sichtweise, die er vor allem in einer zu geringen Bereitschaft von Unternehmen, Ressourcen und Expertise für freie Software-Projekte bereitzustellen, begründet sieht. Er glaubt auch nicht, dass kommerzielle Distributoren überhaupt Interesse an der direkten Förderung von freier Software haben. Vielmehr richtet sich das Interesse der Distributoren auf Unterscheidung vom GNU/Linux-System, das in Konkurrenz zum eigenen Produkt steht. Im Zentrum der eigenen Promotion kommerzieller Distributoren steht der »Mehrwert«, mit dem sie das GNU/Linux-System aufwerten und verkaufen wollen.

In seinem Artikel richtet sich der Autor an alle freien Projekte, denen es bislang nicht gelungen ist, ein professionelles Selbst-Marketing in die Hand zu nehmen. Dass professionelles Marketing in keinem Widerspruch zu auf freiwilliger Basis beruhenden Projektarbeit steht, sieht er in den Erfolgen von Mozilla Firefox und erfolgversprechenden Ansätzen innerhalb von Projekten wie Openoffice.org, KDE oder GNOME bestätigt.

Generell, so Chance weiter, vernachlässigen freie Projekte aufgrund fehlender Unterstützer, Ressourcen und Fachwissen das Thema Marketing gänzlich. Aber selbst, wenn freie Projekte ihre Produkte nicht direkt verkaufen, könnten sie mittels Selbstmarketing z.B. die Vorzüge freier Software oder Open-Source-Technologien zum eigenen Nutzen hervorheben.

Das Projekt Firefox ist ein Paradebeispiel dafür, dass es auch anders laufen kann. Die, für ein freies Projekt, einmaligen Zahlen von hinzugekommenen Freiwilligen und in Millionenhöhe weisende Downloadzahlen sprechen für den Autor eine deutliche Sprache. In der erfolgreichen Kampagne zur Förderung von Firefox wurden nach Beobachtung von Chance drei Prinzipien erfolgreich angewandt: Zielsetzung, Anreize und Werkzeuge.

So setzte sich das Projekt ein Ziel, eine Download-Zahl von einer Million innerhalb von zehn Tagen zu erreichen. Die ursprüngliche Zielsetzung wurde später erweitert durch einen weltweit beachteten Spendenaufruf und die Anzeigenaktion in der New York Times. Für neue Firefox-Unterstützer wurden Anreize geschaffen, die die Möglichkeit zur Eigenwerbung und eigens dafür geschaffene Markenbuttons und andere Accessoires für die Hompages von neuen Unterstützern enthielten. Mit diesen Schritten wurde ein Grundstein für das wachsende Firefox-Projekt gelegt, in dem sich nun neue Freiwillige, zusätzlich zu den herkömmlichen Projektarbeiten, der Werbung verschiedener Zielgruppen wie Heimbenutzer oder höhere Schulen, dem Erstellen von CDs, dem Design von Anzeigen oder öffentliche Auftritte auf Messen usw. widmen konnten.

Zwar sind die Erfahrungen des Firefox-Projektes nicht so ohne weiteres auf andere freie Projekte wie KDE oder GNOME übertragbar, da sie sich meist anderen Probleme ausgesetzt sehen. Einerseits können KDE und GNOME z.B. durch die Veröffentlichung von neuen Spezifikationen und technischen Neuerungen wie HAL, DBUS oder Cairo des Freedesktop-Projekts indirekt profitieren, aber auch sie könnten direkt auf ihre kooperative Stärken durch eigenes Marketing hinweisen. Weitere Mittel sieht der Autor in aktuellen News-Websites, regelmäßigen Artikeln, öffentlichkeitswirksamen Auftritten auf Messen und professionellen Presseauftritten auf selbstorganisierten Konferenzen.

Im Gegensatz zum Firefox-Projekt gibt es bei KDE oder GNOME keine Freiwilligen, die sich ausschließlich um derartige Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Trotz aller positiven Ansätze können beide Projekte nicht unbedingt den Erfolg des Firefox-Projektes erwarten. Dennoch läßt sich die derzeitige Situation noch verbessern. Dazu liefert Tom Chance eine Checkliste für die Öffentlichkeitsarbeit freier Projekte:

  1. Einen einfachen und klaren Rahmen, der aus Auflistung technischer Vorzüge und die Darstellung der eigenen Philosophie besteht
  2. Klar beschriebene Zielmärkte
  3. Passende Materialien, Ziele und Anreize für jeden Markt
  4. Eine Website, die Freiwillige mit klaren Aufgabendefinitionen und für langfristiges Engagement anlockt

Zum Abschluß erinnert Tom Chance daran, dass man die Förderung und Werbung für freie Software nicht den kommerziellen Distributoren überlassen sollte. Vielmehr sei es Aufgabe der freien Software-Gemeinschaft, die Medien und die Märkte für freie Software aus eigener Kraft zu erobern.

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