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Di, 5. April 2005, 10:18

Software

England fördert freie Software

Gestern hat das Kabinett von Tony Blair ein Massnahmenpaket zur Überwindung der digitalen Spaltung beschlossen.

Ziel ist, das erste Land in der Welt zu werden, dem diese Aufgabe gelingt. Klingt sehr nach Wahlkampf und ähnliche Verlautbarungen hören wir auch regelmäßig in Deutschland, wenngleich auch nicht in dieser Zuversicht.

Viel interessanter ist allerdings die »Open Source Academy«, die nun von der englischen Regierung massiv gefördert werden soll. Die Open Source Academy ist ein Programm zur Förderung von freier Software in England, insbesondere in der öffentlichen Verwaltung. Neben den üblichen Migrations-Studien zu Linux auf dem Desktop gibt es weitere sehr interessante Teilprojekte, die in Teilen dem Open-Source-Kompetenzzentrum des Bundesinnenministeriums ähneln. Es sollen Best-Practice Beispiele, Trainingsmaterialien, Leitlinien und Services wie eine Anbieterdatenbank geschaffen werden.

Ein neuer Weg wird bei der Schaffung eines »national open development environment« (NODE) gegangen. eGovernment-Anwendungen für die öffentliche Verwaltung sollen in den Bereichen als Open-Source-Software finanziert werden, die von proprietärer Software nur unzureichend abgedeckt werden. Eine solche Initaitive gibt es auch in Deutschland von der Stadt Mühlheim an der Ruhr. Andere Verwaltungen werden eingeladen, gemeinsam eGovernment-Anwendungen als freie Software zu entwickeln. Ziel der Mühlheimer Initiative ist es, durch einen Netzwerk-Effekt nachhaltige IT-Infrastrukturen zu schaffen und Kosten zu reduzieren.

Das Programm soll zugleich als Vorbereitung für die kommende englische EU-Präsidentschaft in der zweiten Hälfte des Jahres dienen, um das Thema »Linux in die öffentlichen Verwaltungen« europaweit voran zu bringen. Es ist abzuwarten, ob die Ankündigung auch in reale europäische Politik umgesetzt wird.

Nach Brasilien, China, Süd-Korea, etc. nun auch noch England? Deutschland wird reihenweise bei der Förderung freier Software überholt. Eigentlich schade, da wir bei diesem Thema vor wenigen Jahren noch globaler Trendsetter und Vorreiter waren.

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