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Mo, 11. April 2005, 23:29

Gesellschaft::Politik/Recht

OSI definiert Position zu Lizenzen neu

Die Open Source Initiative (OSI) hat, wie bereits früher angekündigt, konkrete Schritte beschlossen, um die Zahl von Open-Source-Lizenzen einzudämmen.

Vor sieben Jahren begann die OSI damit, Lizenzen, die von Organisationen oder Firmen eingereicht wurden, daraufhin zu untersuchen, ob sie mit der Open Source Definition verträglich sind. Dies schien zur damaligen Zeit sinnvoll, um die gerade aufkommende Open-Source-Gemeinschaft zusammenzuschweißen. Die OSI wollte auch nicht regelnd eingreifen, indem sie eine Lizenz, die der Definition von Open Source entsprach, aus anderen Gründen ablehnte.

Dieses »Experiment« war aus heutiger Sicht ein Fehlschlag. Von den über 50 anerkannten Lizenzen werden nur eine Handvoll in nennenswertem Umfang genutzt. Alleine GPL und BSD-Lizenz decken schon 70% aller freien Projekte ab. Viele Lizenzen wurden von Firmen und Organisationen augenscheinlich nur deshalb entworfen, damit ihr eigener Name darin auftauchte. Dementsprechend selten wurden sie von anderen Projekten genutzt. Die Mozilla-Lizenz war wohl die erste Lizenz dieser Art. Auch sie wird nur von wenigen Projekten genutzt, die überwiegend dem Mozilla-Umfeld angehören.

Indem sie viele Lizenzen zuließ, »baute die OSI viele Brücken zwischen Entwicklern und Unternehmen«. Doch so entstand im Laufe der Zeit das Problem, daß die unterschiedlichen Lizenzen der freien Projekte einen Einfluß aufeinander ausübten. Wenn freier Code, der unter unterschiedlichen Lizenzen steht, zusammengebracht wird, welche Lizenz ist dann für das Resultat verwendbar? In diesem Punkt entstand eine erhebliche auch rechtliche Unsicherheit, die sich mit jeder weiteren Lizenz vergrößerte. Dieses Problem wird inzwischen als so groß angesehen, daß es gelöst werden muß.

Die neuen Richtlinien folgen nun weitgehend einem Entwurf des inzwischen zurückgetretenen OSI-Präsidenten Russell Nelson. Die OSI ist sich darüber im Klaren, daß die Aufgabe nicht einfach ist, doch sie fühlt sich ihr gewachsen.

Zunächst definiert die OSI neu, welche zusätzlichen Anforderungen an eine Lizenz gestellt werden, die anerkannt werden soll:

  1. Die Lizenz darf kein Duplikat sein, es ist Aufgabe der einreichenden Organisation, zu begründen, wo es ein Problem gibt, das eine andere Lizenz nicht ausreichend abdeckt.
  2. Die Lizenz muß klar, einfach und verständlich geschrieben sein. Sie soll von Leuten verstanden werden, die keine Anwälte sind.
  3. Die Lizenz muß wiederverwendbar sein, sie darf sich also nicht auf eine Person, Organisation oder ein Projekt beziehen. Solche Bezüge dürfen nur noch in Anhängen auftauchen.

Die bestehenden Lizenzen sollen natürlich weiterhin gelten, doch will die OSI, um ihr Ansinnen zu untermauern, die Lizenzen in drei Klassen einteilen:

  • Preferred: Die Lizenzen, die vorzugsweise verwendet werden sollen
  • Ordinary: Andere Lizenzen, die verwendet werden können, wenn die Anwendung der bevorzugten nicht möglich ist
  • Deprecated: Diese Lizenzen sollten nicht mehr verwendet werden

Die Lizenzen sollen dabei nach einer Reihe von Kriterien bewertet werden, aus denen sich dann die Einstufung ergibt. Diese Aufgabe will die OSI aber nicht alleine ausführen, sondern die Open-Source-Gemeinschaft soll daran beteiligt werden durch die Möglichkeit, Kommentare abzugeben.

Es wird unvermeidlich sein, daß durch diese Maßnahmen einige Leute verärgert sein werden. Die OSI sieht das als unvermeidlichen Preis an, der für die Lösung des Problems zu zahlen ist.

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