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Mo, 25. April 2005, 21:52

Nikons Foto-Verschlüsselung geknackt

Der Autor der Linux-Bildbearbeitungssoftware dcraw hat die Verschlüsselung, mit der die Daten in Nikon-Kameras teilweise verschleiert werden, geknackt.

Viele moderne Digitalkameras, besonders die hochwertigen, haben die Möglichkeit, die Fotos nicht im JPEG- oder TIFF-Format abzulegen, sondern exakt so, wie sie von dem Bildsensorchip kommen - im sogenannten Raw-Format, das allerdings herstellerspezifisch ist. Mindestens zwei Vorteile kann man mit diesem Format erzielen: Die Kamera muß keine Bildbearbeitung mehr durchführen und wird dadurch schneller, und es besteht die Möglichkeit, eigene Algorithmen zur Verarbeitung der Rohdaten anzuwenden, die oftmals besser als die in die Kamera eingebauten sind.

Um mit den Rohdaten etwas anfangen zu können, braucht man nun allerdings ein geeignetes Programm. Unter Linux gibt es das eine oder andere proprietäre und auch mindestens ein freies Programm, dcraw. Die Tatsache, daß die Formate in der Regel undokumentiert sind, war für den dcraw-Autor Dave Coffin kein Problem. Auch die Kompression, die viele Hersteller auf die Daten oder Teile davon anwenden, ließ sich in den Griff bekommen. Einige Hersteller wenden aber zusätzlich noch eine Verschlüsselung auf einen Teil der Daten an. Welchen Sinn dies haben soll, wissen sie wohl nur selbst. Man kann aber sicher sagen, daß dies nicht zum Vorteil der Kunden geschieht. Nikon zum Beispiel bietet ein proprietäres Programm für 100 US-Dollar an, das die verschlüsselten Rohdaten bearbeiten kann.

Genau diese Verschlüsselung hat Dave Coffin nun geknackt, wie auch alle anderen zuvor, die von den Herstellern Phase One, Sony, Foveon und Canon angewandt werden. Die aktuelle Version von dcraw kann alle diese Daten lesen und funktioniert mit allen entsprechenden Kameras. Dies ist ein Durchbruch, der möglicherweise auch kommerziellen Herstellern nützt. So hat Adobe sich über die Verschlüsselung beklagt, da sie es unmöglich mache, Unterstützung für diese Formate in ihre Software einzubauen. Offenbar hatte das Unternehmen rechtliche Bedenken, die Verschlüsselung zu knacken. Bedenken, die David Coffin und andere Programmautoren nicht teilen, trotz des in den USA gültigen DMCA. Denn verschlüsselt werden nur Daten des Weißabgleichs, die kein durch Copyright schützbares Werk darstellen. Selbst wenn sie es wären, würde das Copyright ohnehin beim Fotograf liegen und nicht beim Hersteller der Kamera.

Die Notwendigkeit, ein freies Programm zum Lesen der Rohdaten zu schaffen, dürfte klar sein. Alle Hersteller liefern lediglich proprietäre Software, die nur unter Windows, gelegentlich unter Mac OS X, läuft, und für Linux-Anwender und für alle Anwender anderer Betriebssysteme nutzlos ist.

Nikon hat inzwischen auf Adobes Kritik reagiert und auf ein vertrauliches Software Development Kit (SDK) hingewiesen, das an Softwarehersteller abgegeben werde. Zu welchen Bedingungen, bleibt unklar. Die Erklärung legt allerdings nahe, daß Nikon es nur an Entwickler abgibt, die der Firma genehm sind. Sicher ist auch, daß es mit einer NDA verbunden ist und daher für freie Software ebenfalls unakzeptabel.

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