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Fr, 13. Mai 2005, 21:20

Gemeinschaft

Wieviel Usability braucht GNU/Linux?

Der Autor Tom Chance hat auf Newsforge Überlegungen zum Stellenwert von Usability bei der Entwicklung freier Software angestellt, die er anhand von Beobachtungen des Umgangs mit diesem Thema innerhalb des KDE-Projekts erläutert.
Von ThomasS

Generell, so der Autor, ist es noch nicht lange her, dass Usability-Überlegungen in Open-Source-Projekten keine Rolle spielten. Das Usability immer einen kontroversen Part innerhalb von Open-Source-Projekten gespielt hat, lässt sich besonders an der Karriere des Themas innerhalb von KDE ablesen.

Mit der sich abzeichnenden Tendenz steigender Nutzerzahlen von GNU/Linux im Geschäfts- wie im Homebereich findet das Thema auch innerhalb von KDE unter den Programmierern zögerlich neue Freunde. Dies ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, der Umgang mit dem hochsensiblen Thema war nach Beobachtung des Autoren meist von gegenseitigen Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen gekennzeichnet auf der Entwickler-Liste des KDE-Projekts. Denn die Implementation von Usability-Vorgaben kann ohne weiteres die monatelange Arbeit an bestimmten Features in Frage stellen. Gegenüber dem Hinzufügen neuer technischer Features oder dem Korrigieren von Fehlern hatte die Usability bislang immer das Nachsehen. Zwar gab es für die Diskussion von Usability eine eigens dafür eingerichtete Mailingliste, die wurde jedoch weitgehend ignoriert. Noch problematischer war es für Usability-Experten, etwa aus dem universitären Bereich, geeignete Gesprächspartner innerhalb des KDE-Projekts zu finden, die als Externe einfach keine Ahnung hatten, wen sie ansprechen konnten, so Ellen Reitmayr vom OpenUsability-Projekt. Auf diese Weise zeigte sich die KDE-Entwickler-Gemeinschaft lange Zeit resistent gegen Ratschläge von Usability-Experten.

Über die Jahre hat man jedoch schrittweise im KDE-Projekt die Bedeutsamkeit des Thema erkannt und beginnt allmählich in diesem Punkt umzudenken. Einen großen Anteil an diesem Prozess hat nicht zuletzt das persönliche Engagement einiger KDE-Entwickler wie Aaron Seigo oder Thomas Zander, ein erster Style-Guide für Diskussionen und natürlich die letztjährige KDE-Konferenz "Usability Track and Playground" in Ludwigsburg. Mittlerweile tragen die Bemühungen, Usability in die Weiterentwicklung von KDE einzubeziehen erste Früchte, so wurden in KDE-3.4 z.T. sichtbare Veränderungen an der Bedieneroberfläche der Programme für das Personal-Information- Management, kurz PIM, vorgenommen.

Gegenwärtig arbeitet Experten von OpenUsability mit insgesamt 11 KDE-Unterprojekten zusammen. Der Weg dorthin erwies sich für Ellen Reitmayr und Kollegen als steinig, da Vorschläge zur Veränderung von Programmierern aus verschiedensten Gründen erst einmal abgelehnt wurden. Hier trafen nach Beobachtung von Reitmayr unterschiedliche professionelle Hintergründe aufeinander, da die meisten Usability-Experten aus psychologischen oder sozialwissenschaftlichen Zusammenhängen kommen. Mit der Zeit hat sich das Usability-Team jedoch mit den Eigenheiten des KDE-Entwicklungsprozesses vertraut gemacht und dabei auch einige technische Hürden, hier den Umgang mit CVS oder dem QT-Designer und den Entwicklungsversionen, kurz nightly builds, überwunden. Dabei hat besonders das Entgegenkommen der KDE-Entwickler eine Rolle gespielt, die es ermöglichten, dass sich nightly builds auch mit den Bibliotheken der jeweils stabilen KDE-Version kompilieren ließen.

Dennoch scheint es zur selbstverständlichen Integration von Usability-Kriterien in den Entwicklungsprozess noch ein weiter Weg, so stellt Cornelius Schumacher, der KDE PIM-Releasemanger fest, dass es immer noch sehr motivierter Programmierer bedarf, um weitreichende Abänderungsvorschläge schon während der Entwicklung in die eigenen Design-Entscheidungen einzubauen. Groß sind auch die ausstehenden Erwartungen aus der Sicht der Usability-Experten an verschiedene Tools, die sich als elementar für die Entwicklung von KDE erweisen. So fehlen z.B. Bugzilla noch Funktionen, die den nicht-technischen Kontext eines (Usability-) Problems erfassen können.

Tom Chance schließt seine Überlegungen damit, dass es wünschenswert wäre noch weitere Usability-Experten als Kern-Beitragende in die Entwicklung freier Software mit einzubeziehen, um erfolgreich als Mittler zwischen Entwicklern und Nutzern wirken zu können. Dann könnte man nach Chance zwei Vögel mit dem selben Stein erledigen: "Entwickler könnten sich so manche Flames zu Pixel pushing oder bei zu großen Veränderungswünschen sparen, während gerade Neueinsteiger dadurch einen leicht installierbaren und einfach zu bedienenden Desktop vorfinden würden."

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