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Sa, 14. Mai 2005, 12:26

Eine Million »PC Conectado« ohne Windows

Nahezu täglich gibt es neue Nachrichten zum Thema Linux und freie Software aus Südamerika.

So beginnt nun die Migration sämtlicher Server der Banco do Brasil, deren Technologiechef Cerqueira César die »Weltorganisation für Freie Software« OMSL ins Leben rief, auf Linux. Der staatliche Radiosender Radiobrás führte die Umstellung der Streaming-Infrastruktur auf Icecast und Darkice durch, und entledigt sich damit der vorherigen Lösung, die lediglich Windows-Media-Clients unterstützte. Auch auf dem Treffen der Regierungschefs aus Südamerika und der arabischen Welt ist freie Software ein Thema, und das kurz nachdem der ehemalige US-Botschafter Ken Adelman das Bush-Zitat aufwärmte, dass Brasilien zusammen mit China und Indien auf der Liste der »Achse des Bösen« der Intellectual Property eingeordnet sei.

Abseits dieser Turbulenzen ist schon seit längerem ein Projekt in Arbeit, welches es Familien mit einem niedrigen Einkommen ermöglichen soll, Anschluss an die digitale Welt zu finden. Dazu werden im Lauf der nächsten Monate eine Million Rechner in Umlauf gebracht.

Wochenlang wurde gerätselt, welche Spezifikationen der Rechner haben wird. Nun ist es amtlich: Neben der Hardwareausstattung (ein Prozessor mit 1,5 GHz und Arbeitsspeicher von 128 MB) wird freie Software vorinstalliert ausgeliefert werden. Die Anbieter verpflichten sich, preislich nicht über das Siebenfache des Minimallohnes hinauszugehen, was momentan einem Preis von etwa R$ 1400, also rund 400 Euro, entspricht.

Dies ist ein harter Schlag für Microsoft, die noch vor wenigen Tagen ernsthaft versucht hatten, die Regierung von den Vorteilen ihres Systems »Windows Starter Edition« zu überzeugen. Die "Vorteile" bestünden aus einer künstlichen Beschränkung auf 800x600 Pixel Auflösung sowie maximal drei offenen Anwendungen und maximal drei Fenstern pro Anwendung sowie der Nichtnutzbarkeit neuerer Prozessoren (Athlon und Pentium 4). Auch die Finanzierung des Aufenthaltes von 21 Abgeordneten zum Microsoft Government Leaders Summit in Washington, DC schien wohl nicht ganz zu fruchten.

Aus den Reihen der Gemeinschaft ist bereits das Projekt PC Livre (freier PC) entsprungen, welches noch fehlende Übersetzungen für die zum Einsatz kommenden Anwendungen anfertigt sowie auf die Zielgruppe zurechtgeschnittene Dokumentation schreiben wird. Ein weiteres Ziel ist die Garantie der Nutzbarkeit freier Software auf einem solchen Computer: Entweder wird es möglich sein, die Ausrüstung (und hier vor allem den Arbeitsspeicher) etwas zu verbessern, oder man wird einen guten Mittelweg aus Minimaldesktops einerseits und KDE oder GNOME andererseits finden müssen. Auf Merkmale wie eine durchgängige Übersetzung und konsistente, auch für Menschen mit Behinderungen nutzbare Bedienung möchte keiner verzichten. Da jeder PC Conectado mit mindestens 15 Stunden Internetzugang gratis ausgeliefert wird, werden auch über IRC und eine Mailingliste Hilfestellungen für Einsteiger gegeben.

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