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Mo, 30. Mai 2005, 19:04

Gesellschaft::Politik/Recht

Nokias Patent-Ankündigung vermittelt trügerische Sicherheit für freie Software

Der Initiator des GNU-Projektes und Gründer der Free Software Foundation (FSF) Richard Stallmannn (RMS) hat in einem eigenen Beitrag für Newsforge die Bedeutung von Nokias Patent-Ankündigung bezweifelt, da Nokia in Europa einer der stärksten Befürworter von Softwarepatenten ist.
Von ThomasS

In seinem Beitrag beleuchtet RMS die Stichhaltigkeit aktueller Zusagen zum Verzicht auf Patentklagen verschiedener Hersteller gegenüber freien Software-Projekten von IBM bis Sun. Während IBM aus Sicht von Stallmann zumindest in 500 Fällen auf konkrete Patentansprüche verzichtet, trifft Nokias Ankündigung zum Thema auf große Skepsis: "Anders als Suns leere Geste kann man nicht sagen, dass Nokias Ankündigung gänzlich bedeutungslos wäre", so Stallmann. Die gute Botschaft ist für ihn, dass Nokia gegenüber einem spezifischen freien Projekt, dem Linux-Kernel, auf irgendwelche Ansprüche verzichten will. Allerdings enthalte das Verzeichnis freier Software insgesamt 4000 Softwarepakete, über die für Stallmann nichts in Nokias Ankündigung zu hören ist.

An dieser Stelle ist für den FSF-Mann höchste Wachsamkeit geboten, da Nokias Ankündigung die derzeitige Situation sogar noch verschlimmern könnte. Nokia, so Stallmann weiter, ist im Verbund mit Microsoft und IBM eine der treibenden Kräfte für die Einführung von Softwarepatenten. Die Ankündigung von Nokia soll der freien Softwareszene signalisieren, dass ihr gar keine Gefahr von Patenten droht. Faktisch verhält es sich jedoch ganz anders, da die Ankündigung zunächst nur den Linuxkernel betrifft. Die Gefahr für alle anderen freien Software-Projekte auf Grund irgendwelcher Patentansprüche könnte sich also bei Einführung von Softwarepatenten in Europa sogar objektiv noch erhöhen. Daher könnte die Patentzusage freie Software-Projekte in falscher Sicherheit wiegen. Damit könnten Nokia Patente ebenso wie Ansprüche Dritter, die keine Schutzerklärungen zugunsten freier Projekte abgegeben haben, gefährlich werden. Überraschenderweise schließt Stallmanns Betrachtung auch proprietäre Software ein, deren Entwickler von der Einführung von Softwarepatenten ebenfalls bedroht seien. Dies betrifft auch jene eigenen Entwicklungen, die speziell auf Nachfrage von Kunden geschrieben wurden.

RMS plädiert an alle, sich von den Sirenengesängen der Konzerne gegenüber dem Europaparlament und der freien Softwareszene nicht einlullen zu lassen und fordert alle Interessierten auf, sich bei ihren Parlamentarieren per Telefon beharrlich für ein Votum gegen Softwarepatente einzusetzen. Zur Stützung der eigenen Argumentation verweist er auf die Seiten des FFII, um die mindestens erforderlichen 50% zur Abwehr von Softwarepatenten im Europaparlament zu erreichen.

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