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Do, 2. Juni 2005, 11:34

Open Source nur Zulieferer für amerikanische Multis?

Jesús Villasante, Leiter der europäischen Information Society, einer Abteilung innerhalb der Europäischen Kommission, hat amerikanischen Konzernen wie IBM, HP und SUN einen zu massiven Einfluss auf die Entwicklung von Open Source vorgeworfen.
Von ThomasS

Große Konzerne wie IBM, HP oder SUN nutzen Open-Source-Projekte nur als Zulieferer ihrer eigenen Produktpaletten, statt die Szene zur Entwicklung eigenständiger kommerzieller Produkte anzuregen. In seiner Beschreibung fand Villasante deutliche Worte: "IBM sagt zu einem Kunden, 'Möchten Sie proprietäre oder quelloffene Software?' Dann sagen sie: 'Okay, Sie möchten IBM Open Source'. Es ist immer IBMs, HPs oder SUNs Open Source!", behauptete Villasante während einer Podiumsdiskussion auf einer Open-Source-Konferenz in Amsterdam. Nach seiner Ansicht gerät Open Source zunehmend in die Rolle eines Zulieferers amerikanischer Multis. Daher appellierte er an die FOSS-Gemeinschaft, mehr Unabhängigkeit von diesen großen Firmen zu entwickeln: "Open-Source-Gemeinschaften sollten sich selbst ernstnehmen und ihre Beiträge für sich und die Gesellschaft schätzen. Von dem Augenblick, wenn sie sich als Teil gesellschaftlicher Evolution begreifen und diese beeinflussen, bewegen wir uns in die richtige Richtung." Villasante betont vor allem die grundlegende Bedeutung von OSS für die europäische Software-Industrie: "Ich denke, Europa hat gegenwärtig keine eigene Software-Industrie - die einzige, die wir im Moment haben, ist in Amerika. In Zukunft werden wir vermutlich weitere in China und Indien sehen. Wir sollten uns in Europa entscheiden, ob wir zukünftig eine eigenständige Software-Industrie haben wollen." Gegenwärtig sieht Villasante drei Faktoren am Werk, die FOSS in seiner Weiterentwicklung schaden könnten: politischer Druck von Patent-Lobbyisten, Druck von Seite der traditionellen Software-Industrie und eine interne Fragmentierung der OSS-Szene: "Open Source ist ein komplettes Durcheinander - viele Leute machen irgendwelche Sachen. Es ist total unübersichtlich heutzutage!"

Villasantes Kommentar schreckte unter anderem Podiumsteilnehmer James Baty auf, Vizepräsident bei SUN. Er verwies darauf, dass Experten erst kürzlich den Wert der Beiträge von IBM und anderen für FOSS sehr hoch eingeschätzt hätten. Ihr besonderer Beitrag liegt darin, dass IBM und andere große Hersteller durch die Adaption von OSS diese erst im Unternehmensbereich hoffähig gemacht hätten. Dabei verwies er auch auf die Beiträge SUNs zu OpenOffice.org und anderen Projekten. Generell gebe es zwei Kategorien von Unternehmen, die Bates gegenwärtig sieht. Die einen würden stetig auf Eigennutz bedacht von der OSS-Community nehmen, andere würden die Sichtweisen von OSS in ihre eigene Unternehmenstätigkeiten integrieren. Im Podium stellte man auch Villasante als Teil der Europäischen Kommission die Frage, wie er zur gegenwärtigen Patentdirektive der Europäischen Kommission steht. In Beantwortung dieser Frage machte er deutlich, dass er für Softwarepatente nicht verantwortlich sei. Der Generaldirektor für den europäischen Binnenmarkt sei für diese Fragen zuständig. Die Haltung seiner Abteilung sei nicht unbedingt immer im Einklang mit der Direktive der Europäischen Kommission.

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