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Do, 9. Juni 2005, 13:34

Unternehmen

Microsofts neueste Initiative zur Umsetzung der EU-Auflagen

Längst ist die Berichterstattung um die Folgen der Verurteilung von Microsoft durch die EU fast verstummt, dennoch arbeitet man hinter den Kulissen in Redmond noch daran, die Auflagen des Urteils in Europa zu erfüllen.
Von ThomasS

Allen gegenteiligen Beteuerungen in der Öffentlichkeit zum Trotz zeigen neuere Lösungsvorschläge des Software-Giganten, dass man keineswegs ohne weiteres gewillt ist, mit Open Source zusammenzuarbeiten. Eine der zentralen Forderungen der EU an Microsoft war, die Interoperabilität mit Produkten konkurrierender Software-Hersteller zu gewährleisten. Dafür erachtete man es als notwendig, dass Microsoft die Spezifikationen von Dateiformaten und Kommunikationsprotokollen für die Konkurrenz offenlegt. In mehreren Versionen, mit wechselnden Vorschlägen zu Lizenzierung versucht man in Redmond bis heute, sich diesen Anforderungen zu entziehen. Gerade die europäische Abteilung der Free Software Foundation argwöhnte bislang, dass es Microsoft darum geht, Konkurrenz aus dem Open-Source-Bereich auszuschalten.

Laut einer neueren Presseerklärung der EU wurden nun angeblich neue Vorschläge von Microsoft unterbreitet, die allerdings an der bisherigen Zielrichtung der Redmonder wohl nicht viel ändern werden. Weiterhin scheint man bei Microsoft darauf zu beharren, dass hauseigene Protokolle zwar auch für freie Entwickler einsehbar sein sollen, aber keineswegs unter eine Open-Source-Lizenz gestellt werden dürfen. In einer ersten Reaktion zeigt sich Europas oberste Wettbewerbshüterin Neelie Kroes zufrieden, dass man bei Microsoft offensichtlich die Prinzipien des EU-Auflagen anerkenne. In einem Zusatz verdeutlicht Kroes allerdings ihre Entschlossenheit, dass auch Open Source zu den Nutznießern der Änderungen gehören muss.

Obwohl die eigentlichen Vorschläge Microsofts nicht im Wortlaut vorliegen, scheinen sie der FSFE schon zugänglich zu sein. In einer ersten Reaktion von Georg Greve, Präsident der FSFE, zeigt sich, dass auch die neuen Vorschläge immer noch auf einer problematischen Unterscheidung zwischen Konvention und Innovation beruhen. Konventionen im technischen Bereich stellen sicher, dass verschiedene Technologien und Geräte über festgelegte Standards bzw. Konventionen miteinander kommunizieren können. Übertragen auf den Softwarebereich zeigt sich daher, dass Microsoft mit seiner Lizenzierung nicht Innovation im Sinne von Geschäftsgeheimnissen schützen will, sondern die Etablierung von Konventionen verhindere. Microsofts Vorschlag, die erforderlichen Informationen für Open Source zugänglich zu machen, aber gleichzeitig seine ungehinderte Verwendung in Open-Source-Programmen durch die festgelegten Lizenzerfordernisse zu unterbinden, zielt für Greve direkt auf das freie Samba-Projekt, einem Konkurrenten von Microsoft im Bereich Datei- und Drucker-Sharing über Netzwerke. Ganz unschuldig ist die EU an dieser Situation für Greve nicht, hat sie doch für Protokolle grundsätzlich einen möglichen Innovationsschutz akzeptiert. Dieses Hintertürchen ermöglicht es Microsoft, so Greve, seine Konkurrenten mit dem Hinweis auf den innovativen Charakter eines Protokolls auch weiterhin im Regen stehen zu lassen. Ungeachtet dieser neueren Entwicklung will man allerdings an der Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission festhalten, zumal sie den Statements der FSFE bei der Beurteilung der neuen Lösungsvorschläge aus Redmond eine hohe Priorität einräumt.

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