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Fr, 10. Juni 2005, 12:30

Software::Emulatoren::Wine

Hat IBM Probleme mit Wine?

IBMs publikumswirksame Kampagnen zugunsten von Linux und Open Source haben immer wieder Ausehen erregt, im Falle des Open-Source-Emulators Wine hält sich IBM allerdings auffallend bedeckt, sehr zum Verdruß vom Wine-Produzenten Codeweavers.
Von ThomasS

Die Reaktionen auf IBMs Kampagnen fielen geteilt aus, so meinte man eine deutliche Diskrepanz zwischen den Ankündigungen und Taten des Konzerns beobachten zu können. Erst der groß angekündigte Umstieg auf Firefox konnte als eine unübersehbares Lebenszeichen des von IBM propagierten internen Migrationsprogramms gewertet werden. Dennoch scheint die betriebsinterne Umstellung auf Linux bei IBM erneut Fragen aufzuwerfen, die gerade mit Blick auf die widersprüchliche Haltung IBMs zu Wine nicht verstummen wollen.

Der Open-Source-Emulator Wine ermöglicht es, eine gewisse Zahl von Windowsprogrammen unter Linux laufen zu lassen. Diese Eigenschaft scheint man auch bei IBM zu schätzen, setzt man dort nach Aussagen von Beschäftigten zum alltäglichen Gebrauch des Desktop-Client Lotus ebenfalls Wine ein. Öffentlicht verweigert IBM allerdings beharrlich jede nähere Auskunft zum Thema Wine, möglicherweise ein Anzeichen, dass der Einsatz von Wine dem Erzrivalen Microsoft in die Hände spielen könnte? Mehrere Insider berichten, das Wine und Lotus Notes zum betriebsinternen Standard-Desktop bei IBM gehören sollen. Dies verwundert um so mehr als das Schweigen des Managements von IBM noch ergänzt wird durch die nicht geäußerte offizielle Haltung, dass Wine angeblich kein geeignetes Tool für die Migration von Windows-Desktops nach Linux sei. Auf den Entwickler-Webseiten von IBM finden sich nur wenige Hinweise auf Wine, in einem 2004 veröffentlichten Redbook findet der Open-Source-Emulator nur beiläufig Erwähnung. Dort wird bei Schwierigkeiten im Migrationsprozess Wine als temporäre Notlösung propagiert.

Ein Umstand, der Jeremy White, Geschäftführer von Codeweavers Inc., auf die Palme bringen kann: "Die bringen mich mit ihrer impliziten Abschreckungstaktik um hochwertige Migrationsaufträge. Was mich besonders ärgert, sie setzen es selbst ein. Ich habe viele Freunde bei IBM, die Wine auf täglicher Basis benutzen, um mit Lotus Notes arbeiten zu können." Besonders ärgert White auch, dass IBM bislang nichts über Probleme von Wine ihm gegenüber geäußert hätte. Er vermutet daher unter anderem, dass IBM mit Bill Gates einen Vertrag abgeschlossen haben könnte, der die öffentliche Förderung von Wine verhindert. Gegen diese Sichtweise wendet Scott Handy, Vizepräsident für IBMs globale Linuxstrategie, ein, dass IBM Open-Source-Standards fördern will und nicht die in Wine benutzten Microsoft-APIs. Zu den zukünftig unterstützten Technologien wird unter anderem auch die Java 2 Enterprise Edition gehören, mit der die meisten Lotus Notes-Benutzer bislang kaum in Berührung gekommen sind. Da sich solche Prozesse der Umstellung zeitlich hinziehen, wird gerade für diese Nutzergruppe auch Wine gebraucht, kontert White dieses Argument.

Vermutlich könnten nach White auch rechtliche Erwägungen bei IBM eine Rolle spielen. Eben Moglen, neuerdings auch Rechtsberater des Wine-Projekts, verweist auf die besondere Situation des Projekts. Diese besteht vor allem in der Furcht und Ungewißheit möglicher Unternehmenskunden, dass die Nachbildung von Windows APIs in Wine Tausende von Software-Patenten Microsofts verletzen könnte. Der Rechtsprofessor der Columbia Law School Eben Moglen wiegelt allerdings ab: "Sie werden keinen SCO-ähnlichen Rechtsstreit bei einem der von mir betreuten Projekte erleben, es sei denn, ich liege in meinen Job völlig daneben."

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