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So, 12. Juni 2005, 12:13

Gesellschaft::Politik/Recht

Eckpfeiler der GPL 3.0

Richard Stallman und Eben Moglen, führende Köpfe der Free Software Foundation (FSF), haben sich ausführlich zu den anstehenden Änderungen an der General Public Licence (GPL) geäußert.
Von ThomasS

Wer gespannt auf Details zu den anstehenden Änderungen der GPL gewartet hat, wird von diesem Essay etwas enttäuscht sein. Beide Autoren verweisen alle Ungeduldigen auf weitere Texte, die derzeit noch nicht verfügbar sind. In dem Essay geht es den Autoren zunächst nur darum, den groben Rahmen für die kommende GPL 3.0 vorzugeben. Dabei konzentrieren sie sich auf die institutionellen und prozeduralen Aspekte der anstehenden Überarbeitung der GPL. Im Rückblick sehen sie die GPL als Lizenz seit 1985 erfolgreich an der Arbeit, die ihre letzte Revision im Jahr 1991 erfuhr. Die Tatsache, dass die GPL weit über die Grenzen des GNU-Projekts hinaus in vielen Software-Projekten Verwendung gefunden hat, spricht genauso wie der Einsatz freier Software in vielen IT-Bereichen deutlich für den Erfolg der "Copyleft". Zwar hat sich seit 1991 die Anzahl der Open-Source-Lizenzen vervielfacht, der Bereich der GPL sei allerdings von diesen Tendenzen weitgehend unberührt geblieben. Dabei haben sich für die beiden Autoren das "share and share alike" und das Copyleft-Prinzip als unverzichtbare funktionale Merkmale der GPL erwiesen. Die kommenden Herausforderungen im Zusammenhang mit den erforderlichen Änderungen der GPL sehen die beiden Autoren vor allem in vier Bereichen.

Erstens, die GPL ist eine globale Lizenz, die vor allem deshalb so erfolgreich sein konnte, da sie sich auf die minimalen Prinzipien der Berner Konvention zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst von 1967 beruft. Die GPL ist als internationale Copyleft bislang ein Erfolg gewesen ist, aber sie ist von einem Laien und einem Rechtsanwalt im Hinblick auf das amerikanische Rechtssystem geschrieben worden. Eine Neufassung sollte daher für Besonderheiten nationaler Rechtssysteme mehr Raum lassen, ohne die Grundprinzipien der GPL anzutasten.

Zweitens, mit den Abschnitten 3 (Verteilen, Kopieren, Modifizieren) und 7 (Patente und andere rechtliche Beschränkungen) hat die freie Lizenz maßgeblich zur Veränderung gängiger Praxis der Distribution von Software, weit über den Softwarebereich hinaus, beigetragen. Schwierig ist es nach Ansicht der Autoren die z.T. konkurrierenden Interessen aller Lizenznehmer, etwa mit unterschiedlicher Marktmacht, unter einen Hut zu bekommen. Zukünftige Änderungen müssen daher auf einen Standard hinwirken, der das Prinzip der "besten Praktiken" repräsentiert.

Drittens, die GPL ist die Verfassung der freien Software-Bewegung. Beide Autoren verweisen mit Nachdruck darauf, dass die FSF nie einen Hehl aus ihren gesellschaftspolitische Absichten gemacht hat, technische oder ökonomische Zielsetzungen sind eher zweitrangig. Jede zukünftige Änderung der Lizenz darf das Grundprinzip des "freien Austausches von Wissen" nicht in Frage stellen. Alle technologischen Entwicklungen, die dieser Zielsetzung zuwider laufen, wie z.B. "trusted computing" oder Patente müssen aus dem gesellschaftspolitischen Blickwinkel freier Software beurteilt werden und in der Überarbeitung der GPL Berücksichtigung finden. Das letztliche Ziel der GPL muss davon unberührt bleiben: freier Zugang zu technischem Wissen und Kommunikationsmitteln nach dem Vorbild wissenschaftlicher Freiheit bzw. freier Kooperation.

Viertens, die GPL beruht auf der Arbeit von Richard M. Stallman, d.h. die Free Software Foundation, als Halter der GPL, wird unter Leitung von Richard M. Stallman den Prozess der Überarbeitung koordinieren und leiten.

In ihrem Fazit kommen beide Autoren zu dem Schluss, dass sich die GPL im Laufe der letzten zwanzig Jahre immer wieder über alle Sprachgrenzen hinweg intensiv diskutiert worden ist. Die kommende GPL 3.0 muss daher zwischen konkurrierenden Interessenlagen und dem Ziel der Freiheit aller Beteiligten vermitteln. Aber ungeachtet aller notwendigen Änderungen muss freie Software als oberstes Ziel weiterhin allen Menschen das Verstehen, Experimentieren und Verändern von Software ermöglichen, so dass jede einzelne Idee zum Allgemeinwohl beitragen kann.

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