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Sa, 5. November 2005, 12:15

100 Mio. Linux-PCs für das ländliche China?

Aus unbekannter Quelle hat der Befürworter freier Software Tom Adelstein ein Dokument zugespielt bekommen, das den Einstieg Intels in das chinesische Linux-Geschäft ankündigt.
Von ThomasS

Adelstein berichtet auf den Seiten der Linux- und Open-Source-Newssite LXer über ein Halloween-Dokument, das ihm durch eine nicht näher genannte Person aus Intels Intranet zugespielt worden ist. Bei dem vertraulichen Dokument handelt es sich um eine umfassende Präsentation, die von den Autoren Adelstein und Carla Schroeder in ihre Hauptbestandteile zerlegt auf LXer vorgestellt wird.

Im ersten Teil des Dokuments wird deutlich, dass Intel offenbar plant, einen neuen und günstigen Prozessor für die Auslieferung des Linux-PCs einzusetzen. Zugleich wird auf Umfragen der chinesischen Regierung im ländlichen China verwiesen, die einen Kaufwillen von 73% der Landbevölkerung in Aussicht stellen. Der zweite Teil des Dokuments führt einige Fallbeispiele für Intels Engagement im ländlichen China an und zeigt den ersten stolzen Besitzer eines Intel-Linux-PCs, Herrn Yushan Yang, der die Vorteile des kostengünstigen Geräts rühmt. Ebenso deutlich hebt das Dokument die Zusammenarbeit Intels mit dem Ausschuss für Wissenschaft und Technologie der Pekinger Stadtverwaltung (BMSTC) seit November 2004 hervor, wie sie zwischen den Partnern in einem "Memorandum of understanding" ausgehandelt wurden.

Die eigentliche Beschreibung des Land-PCs fällt eher vage aus, darin ist von einer nicht näher spezifizierten Linux-Distribution die Rede. Ausgeliefert werden soll das Betriebssystem unter anderem mit 46 Programmen, spezieller Software für den Zugriff auf Online-Ressourcen für Landwirtschaft, Spielen und einem Recovery-Button zur Wiederherstellung des Systems auf frühere Zustände. Das Gerät soll 350 USD kosten und für Stromanschlüsse unterschiedlicher Spannung geeignet sein. Das Dokument zitiert einen Mitarbeiter der BMSTC, der das Gerät als einen wirklich benutzerfreundlichen, aber keineswegs simplifizierten PC beschreibt. Begleitend zu dem offenbar schon angelaufenen Projekt richtet die Stadtregierung Pekings 4000 ländliche "one-stop rural IT centers", die für Verkauf, Schulung und Services zuständig sein sollen. Weitere Passagen des Dokuments malen das gegenwärtige Engagement Intels im ländlichen China aus, das von der Zusammenarbeit mit lokalen Behörden, medienwirksamen Streichaktionen öffentlicher Plätze bis hin zu Malkursen für chinesische Schulkinder reicht.

Schiebt man alle möglichen Zweifel an der Authentizität des Dokuments für den Augenblick zu Seite, dann stellt sich die Frage, ob Intels Linux-PCs für das ländliche China erste Risse der oft als Wintel-Kartell bewitzelten Kooperation zwischen Microsoft und dem Chiphersteller offenbart. Möglicherweise könnte Intels Projekt auch für die Vermarktung Microsofts eigener abgespeckter Windows-Version für Asien und bald in anderen Teilen der Welt zum Problem werden. Die Reaktionen Intels auf die ungeplante Veröffentlichung von Details des mutmaßlichen China-Engagements dürfen daher mit Spannung erwartet werden.

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