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Mi, 9. November 2005, 10:08

Neue Studie prangert Rechtesystem an

Die Studie »Open Doors and Smashing Windows« des Center for Economic and Policy Research in Washington, D.C.

fordert, die Entwicklung von freier Software staatlich zu fördern.

Mit geschätzten »Verlusten« von 80 bis 120 Mrd. US-Dollar jährlich läßt die Studie kein gutes Haar am US-amerikanischen Patent- und Copyright-System. Proprietäre Software führe unausweichlich zu mehrfach geleisteter Arbeit für jedes einzelne Feature. Das derzeitige System sei daher für die Software-Entwicklung ineffizient. Dies äußert sich in drei Aspekten: Zum einen sind die derzeitigen Preise für Software weit höher als der Marktpreis bei freiem Wettbewerb. Tatsächlich wären die meisten Programme sogar kostenlos zu haben. Der proprietäre Charakter von Software behindert den Prozess der Software-Entwicklung. Software-Entwicklung kann, wie auch Forschung, am schnellsten vorankommen, wenn die Ergebnisse frei für jeden zur Verfügung stehen. Ferner gehen viele Ressourcen in den »Schutz« und die Verteidigung der Rechte auf die Software, darunter die Entwicklung von Kopierschutz-Maßnahmen, Überwachung der Rechte, Lobby-Arbeit, Engagieren von Anwälten zum Durchsetzen der Rechte und die Forderung an Regierung und an Dritte wie z.B. Internet-Provider und Universitäten, Maßnahmen zu ergreifen.

Für die Autoren ist dies ein absoluter Verlust, der für die Kunden ohne jeden Nutzen ist. Diese können die Software nicht zu den Produktionskosten kaufen, sondern müssen sehr viel tiefer in die Tasche greifen. Auf dieser Basis berechnen sie einen jährlichen Verlust von 84,2 bis 115,5 Mrd. US-Dollar. Umgekehrt würde durch einen Wegfall der Rechte in der jetzigen Form genau dieser Betrag jährlich für andere Zwecke zur Verfügung stehen. Die Autoren warnen allerdings, daß ihre Berechnungen recht grob seien und der Großteil der Ersparnis Kunden außerhalb der USA zugute käme.

Vor diesem Hintergrund ist das gegenwärtige Schutzsystem für Rechte »ein Relikt des mittelalterlichen Zunftsystems« und steht Innovation und Kreativität im Weg. Es ist ein veraltetes und ineffizientes System, das die Wirtschaft allein durch Effizienzverluste 70 bis 110 Mrd. US-Dollar jährlich kostet, weit mehr als andere Formen des Protektionismus. Das Resultat ist, daß »wahrscheinlich ein erheblicher Anteil der Softwareentwicklung in die falsche Richtung geht«.

Es gibt Alternativen, stellen die Autoren fest. Ihr Vorschlag kann Seite an Seite mit dem bisherigen System existieren, fordert also keine großen gesetzlichen Änderungen. Sie schlagen ihre Änderungen auch nur für Behördensoftware vor. Auf dem restlichen Softwaremarkt könnten die Firmen weitermachen wie bisher.

Konkret wird vorgeschlagen, daß die US-Regierung Software-Entwicklungsfirmen einrichtet. Diese würden miteinander im Wettbewerb stehen und Software für den Bedarf von Behörden und Allgemeinheit entwickeln. Mit einem Budget von 2,1 Mrd. USD jährlich könnten 20000 Entwickler eingestellt werden. Durch die niedrigeren Preise, die für Computer und Software resultieren würden, könnte der Großteil, wenn nicht die Gesamtheit, der Investition wieder hereingeholt werden. Da die Software auch der Allgemeinheit kostenlos (als Public Domain oder unter einer Copyleft-Lizenz) zugute kommen soll, sollte das die gleichen Auswirkungen haben wie eine Reduktion der Steuern um 80 bis 120 Mrd. USD pro Jahr. Davon würde wiederum die Wirtschaft als Ganzes profitieren.

Eine weitere Alternative, die möglicherweise parallel zur ersten eingesetzt werden könnte, wäre eine Art von Bonussystem. Jeder Erwachsene bekäme ein Guthaben von z.B. 100 USD im Jahr, das er nach Belieben an Künstler und Softwareautoren verteilen könnte. Dieses System nennt sich »Artistic Freedom Voucher« (AFV) und jeder, der Geld aus diesem System erhalten will, müßte sich in ähnlicher Weise, wie dies gemeinnützige oder religiöse Organisationen tun müssen, registrieren lassen. Im Gegenzug müßten die resultierenden Werke Public Domain werden.

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