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Fr, 16. Dezember 2005, 10:34

Gesellschaft::Politik/Recht

Ein Standard ist gut, zwei sind besser

Nach einer Phase des aggressiven Lobbyings gegen die drohende Einführung von ODF in Massachusetts kommen zum Thema Standards neue Töne aus Redmond.
Von ThomasS

Nach dem Motto: Ein offener Standard für Dokumente ist gut, zwei sind besser, hat MS-Manager Yates gegenüber Macworld angedeutet, dass Microsoft offenbar im Streit um offene Dokumenten-Standards einlenken will. Noch vor einiger Zeit hatte der Software-Riese mit harten Bandagen gegen das von seinen Konkurrenten IBM, Sun, Adobe und Google unterstützte und propagierte Open Document Format (ODF) gekämpft, jetzt ist scheinbar doch alles ganz anders.

MS-Manager Allan Yates zu dem Sinneswandel in Redmond: "Zusätzliche Standards gewähren mehr Auswahl über einen längeren Zeitraum. Regierungen sollten sich beiden Standards und allem anderen, was sonst noch so naht, gegenüber öffnen. Beides auszuwählen wäre wirklich klug." OpenXML und ODF kommen von zwei verschiedenen Perspektiven des Designs, so Yates weiter. Er rechnet damit, dass es "irgendwann" in der Zukunft zu einer Konvergenz beider Formate kommen könnte. Bis es jedoch soweit kommt, ist nach seiner Auffassung ein Wettbewerb zwischen zwei Standards durchaus wünschenswert. In Richtung der politisch Verantwortlichen warnt der Manager, dass die Übergangsphase vom proprietären auf ein offenes Format ziemlich chaotisch und komplex verlaufen werde. Yates weiter: "Wir haben keine religiösen Aversionen gegen ODF, wir sind halt mehr auf eigene Pläne mit OpenXML fixiert."

In zu führenden Debatten um offene Dokumenten-Standards und den Stand der Dinge in Massachusetts, das gewissermaßen in seiner Rolle von Experten als Vorreiter betrachtet wird, sollte nach Ansicht von Rechtsprofessor John Palfrey vom Berkam Center der Havard Law School nicht so sehr die Konkurrenz zwischen Microsoft und seinen Widersachern IBM oder Sun hervorgehoben werden. Vielmehr sollte sich die weitere Diskussion auf vier Schlüsselthemen konzentrieren: Gewährleistung der Interoperabilität unterschiedlicher Office-Software, Garantie eines langfristigen Zugriffs auf und Kontrolle von Applikationen, Auswahl und niedrige Kosten für entsprechende Software und die innovative Qualität des Standards, der es anderen Herstellern erlaube auf diesem Standard aufzubauen. Palfrey fasst seinen Standpunkt so zusammen: "Man sollte jede Art von Entität vermeiden, die eine zu große Kontrolle über das Ökosystem erlangen könnte."

Peter Quinn, CIO des Staates Massachusetts, macht allen Diskussionen zum Trotz immer wieder mit symbolischen Gesten deutlich, dass er die Einführung von ODF 2007 wie geplant fortgesetzt sehen möchte. Dabei versucht er gleichzeitig die Bedenken der Interessenvertretung von Behindertenverbänden zu entkräften, die sich aus Sorge, dass ODF nicht kompatibel zu den derzeit benutzten speziellen Programmen für Menschen mit besonderer Einschränkungen sein könnte, gegen die Einführung von ODF gewandt hatten. Hier verweist er darauf, dass Massachusetts gerade ein sechsseitiges Memorandum auflegt, dass sich der besonderen Belange dieser Gruppe annehmen soll: "Wenn wir die Sache mit der Accessibiltiy nicht bis zum Startzeitpunkt ordentlich gelöst haben, dann wird der Termin verschoben", versichert er.

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