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Do, 22. Dezember 2005, 15:55

Gesellschaft::Politik/Recht

Lessig mahnt Kompatibilität der Copyleft-Lizenzen an

Lawrence Lessig hegt die Befürchtung, daß Inkompatibilitäten zwischen verschiedenen freien Softwarelizenzen das gemeinsame Nutzen von Werken letztlich mehr behindern als fördern könnten.

Dieses Resultat wäre paradox, da die Lizenzen eigentlich dafür gedacht sind, Inhalte frei zu nutzen. Daß verschiedene Lizenzen inkompatibel miteinander sind, war allerdings schon lange bekannt.

Lessig, der Professor für Jura an der Stanford University in Palo Alto ist, hat nach seinen Angaben eine Menge Zeit damit verbracht, sich zu überlegen, wie man das Problem lösen kann. Die Inkompatibilitäten zwischen verschiedenen freien Softwarelizenzen sind in der Regel nicht beabsichtigt - sie sind durch die historisch entstandenen Lizenzen bedingt und wurden oft erst im Laufe der Zeit entdeckt. Lessing selbst hat mit den Lizenzen, die er im Rahmen des Creative Commons-Projektes entworfen hat, weitere Inkompatibilitäten erschaffen, ohne es zu beabsichtigen. So sind diese Lizenzen offenbar inkompatibel mit der GNU Free Documentation License (FDL), unter der ein Großteil der Inhalte der Wikipedia steht. Damit ist es nicht möglich, Inhalte der Wikipedia mit Inhalten, die unter einer Creative Commons-Lizenz stehen, zu verbinden und daraus ein abgeleitetes Werk zu schaffen. Denn ein abgeleitetes Werk müßte, wie von Copyleft-Lizenzen üblicherweise gefordert, wieder unter den Lizenzen der Bestandteile stehen, was aber nicht möglich ist, wenn sich deren Bedingungen widersprechen.

Jim Wales, Gründer der Wikipedia, ist der Ansicht, daß diese Probleme noch zunehmen werden. Im schlimmsten Fall hält es Lessig gar für möglich, daß es zu Klagen kommen wird, wenn z.B. jemand der Ansicht ist, daß bereits das Hosten von Projekten, die die Lizenzen mischen, einen Copyright-Verstoß darstellt. Das Problem ist zur Zeit eher hypothetischer Natur, doch Abhilfe ist notwendig.

Eben Moglen, Professor an der Columbia Law School und Gründer des Software Freedom Law Centers, hält es für notwendig, ein gemeinsames »rechtliches Rahmenwerk« für alle Copyleft-Lizenzen zu schaffen, da eine einfache Änderung des Wortlauts von Lizenzen nicht ausreiche.

Genau eine solche Änderung hat Lessig jedoch vor, um zumindest in eine Richtung Kompatibilität zu schaffen. Im Januar sollen die Lizenzen Namensnennung und Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5 in neuen Versionen veröffentlicht werden. Damit könnten Werke, die unter der FDL stehen, Werke, die unter einer Creative Commons-Lizenz stehen, verwenden. Doch auch die Free Software Foundation (FSF) ist gefragt, die FDL anzupassen, um auch den umgekehrten Weg gehen zu können.

Creative Commons will auch eine Arbeitsgruppe, das »CC: Lab« gründen, das eine Art Standardisierungsgremium für Copyleft-Lizenzen werden soll. Die Finanzierung wird teilweise von Creative Commons kommen, und das Gremium soll im Frühjahr 2006 die Arbeit aufnehmen.

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Kommentare (Insgesamt: 18 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[7]: Hoffentlich (Smeik, Fr, 23. Dezember 2005)
Re[6]: Hoffentlich (ac, Fr, 23. Dezember 2005)
Re[2]: Softwarelizenzen (pinky, Fr, 23. Dezember 2005)
Re[4]: Softwarelizenzen (pinky, Fr, 23. Dezember 2005)
Re[3]: Softwarelizenzen (ac, Fr, 23. Dezember 2005)
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