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Mo, 26. Dezember 2005, 17:07

Die Schwäche der chinesischen Linux-Industrie

Neueste Trends in der chinesischen IT-Industrieförderungspolitik zeigen, dass sich mit dem Drängen ausländischer Anbieter auf den chinesischen Linux-Markt einiges ändern wird.
Von ThomasS

Innerhalb eines halben Jahres zeichnet sich mit der zweiten Kooperation zwischen dem staatlichen Guangdong Linux Center (GDLC) und 27 Universitäten eine grundlegende Trendwende in der offiziellen Förderungspolitik von Linux ab. Schon im Juni 2005 hatte der Zhengjiang Linux Center (ZJLC) in einer Kooperation mit 70 verschiedenen Universitäten die Allianz LUPA zur Unterstützung des Open-Source-Betriebssystems gegründet. Die neuerliche Zusammenarbeit in der Form von Allianzen wie dem staatlichen GDLC und den 27 Universitäten in der Guangdong Leadership of Open Source University Promotion Alliance (GDLUPA) soll die Anwendung von Linux und FOSS in Lehre, Forschung und Wirtschaft beschleunigen.

Diese neue Entwicklung, so der freie Journalist Chen Nan Yang, ehemaliger IT-Direktor für lokale Investitionen und Entwicklung, markiert einen deutlichen Einschnitt in der Förderungspolitik der chinesischen Regierung. Schon im vergangenen Jahr hatte die Regierung von Guangdong mit einer Investitionssumme von 3,74 Mio. USD das GDLC initiiert, um Firmen und Universitäten das gefahrlose Testen von Linux zu ermöglichen. In den Jahren zuvor hatte die chinesische Regierung die Linux-Industrie mit der Vergabe von staatlichen Aufträgen exklusiv gefördert, aber bald wieder Abstand von dieser Praxis genommen. Der derzeitige Schwenk in der Förderungspolitik hat nach Ansicht von Yang mit der anhaltenden Schwäche chinesischer Linux-Distributoren zu tun, die gegenwärtig von ausländischen Distributoren wie Novell oder Red Hat an die Wand gespielt werden. Innerhalb kurzer Zeit hat sich Novell in China zur Linux-Distribution Nummer 1 gemausert.

Ein wesentlicher Aspekt dieser von Yang als »China's Linux Disease« bezeichneten Schwäche hängt offenbar mit der offensichtlichen ineffektiven Verquickung staatlicher Ministerien mit einzelnen heimischen Linux-Distributoren zusammen. Erste Reaktionen auf den Siegeszug ausländischer Linux-Distributoren waren intensive Fusionsgespräche zwischen den einzelnen Linux-Distributoren Red Flag Software (Beijing), Sun Wah Linux (Jiangsu) und Turbolinux (Schanghai), die allerdings auf Grund unvereinbarer Interessen der hinter den einzelnen Distributoren stehenden Ministerien scheiterten. Zur Öffnung der staatlichen Förderungspolitik beigetragen hat offenbar ein Industrie-Report der China Software Industry Association (CSIA), der der amtlichen Förderungspolitik eine Verzerrung des Software-Marktes vorwirft und zu mehr Zurückhaltung rät. Dies scheint Yang auch im Hinblick auf die bisherige Ausbootung staatlich nicht geförderter Firmen und OSS-Communities ein wünschenswerter Trend zu sein, der die Schwäche der chinesischen Linux-Industrie durch mehr Markt und weniger Staat gestärkt sehen möchte.

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