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Fr, 27. Januar 2006, 15:37

Software::Distributionen

ReactOS erklärt die Anschuldigungen

Das Entwicklerteam um den freien Windows-Nachbau ReactOS hat nach einer Krisensitzung eine Stellungnahme abgegeben.

Nach der gestrigen Ankündigung, die Entwicklung vorübergehend zu stoppen, war bekannt geworden, daß es Probleme mit Code geben könnte, der von einem Entwickler in das Projekt eingebracht worden war. Ein kurzfristig anberaumtes Treffen, bei dem die meisten ReactOS-Entwickler zugegen waren, wurde eine Übereinstimmung erreicht, wie das Problem gelöst werden kann, und eine Mitteilung darüber wurde veröffentlicht. Die Foren und Mailinglisten des Projekts wurden wieder zugänglich gemacht.

Um die Zukunft von ReactOS muß man sich keine Sorgen machen, schreibt Projektkoordinator Steven Edwards. Das Problem, das die ganze Diskussion auslöste, betraf die Analyse von »bestimmtem« Code, die ohne Kenntnis des entsprechenden Quellcodes geschah und somit grundsätzlich legal ist. Die Entwickler von ReactOS leben jedoch in verschiedenen Ländern und die Defintion dieses »Reverse Engineering« weist in den einzelnen Staaten Unterschiede auf. So ist es in manchen Ländern kein Problem, wenn eine Person, die die Analyse betreibt, auch die Ersatzimplementierung schreibt, in anderen Ländern wie den USA müssen dies jedoch zwei unterschiedliche Personen sein.

Da diese Unterschiede Verwirrungen erzeugt hätten und rechtliche Probleme schaffen könnten, will das Projekt nun insgesamt vier Maßnahmen ergreifen. Erstens soll das »Intellectual Property Policy Statement« geändert werden, so daß nur noch Reverse Engineering nach den strikteren US-Anforderungen erfolgen darf. Zweitens soll der gesamte Quellcode von ReactOS untersucht werden und Code, der durch Reverse Engineering entstanden ist und nicht den US-Anforderungen entspricht, neu geschrieben werden. Drittens sollen alle Entwickler sich per Unterschrift verpflichten, das »Intellectual Property Policy Statement« einzuhalten. Viertens darf ein Entwickler, der Zugang zu Windows-Quellcode hatte, keinen Code zu ReactOS beitragen, der mit den betroffenen Codeteilen zu tun hat.

Die letztere Regelung ist eine Folge der Tatsache, daß vier ReactOS-Entwickler bereits einmal Einblick in Windows-Code hatten. Sie haben, wie es heißt, dem Projekt mitgeteilt, welche Teile des Codes das waren, so daß ReactOS entsprechend handeln kann. Unabhängig davon hofft das Projekt, daß in einem künftigen Gerichtsverfahren einmal entschieden wird, daß der Windows-Quellcode kein Geschäftsgeheimnis mehr darstellt, so daß die Entwickler wieder unbegrenzt an ReactOS arbeiten können.

Steven Edwards merkt noch an, daß der Audit des Codes Jahre dauern könnte. Das wäre in der Tat ein »langer Weg zu Version 0.3«. Er glaubt nicht, daß irgendein ReactOS-Entwickler etwas Falsches getan habe. Manchmal sei das Gesetz unethisch und unmoralisch. Wenn einige Leute Fehler gemacht hätten und dies gleich eine Gesetzesverletzung sei, dann stelle er die Gerechtigkeit des Gesetzes in Frage. Die Entwickler wollen lediglich die Freiheit, zu lernen und ein freieres System zu schaffen.

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