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Do, 23. Februar 2006, 14:18

Software::Kernel

Studie: Proprietäre Kernelmodule verletzen GPL

Wasabi, ein auf eingebettete Betriebsysteme spezialisiertes Unternehmen, hat eine Studie vorgestellt, laut der proprietäre Kernelmodule die GPL verletzen.

Gerade im Bereich der eingebetteten Systeme ist es nach Beobachtungen von Wasabi gängig, daß zu dem GPL-lizenzierten Linux-Kernel proprietäre Treibermodule hinzugefügt werden, die spezielle Hardware ansprechen. Das Unternehmen hat, um diesen Sachverhalt näher zu untersuchen, die Rechtsanwälte Jay Michaelson und Christopher Holst von TMC mit einer Studie beauftragt. Das Ergebnis der Studie wird in ihrem Titel »Closed-Source Loadable Kernel Modules Violate the GPL« bereits vorweggenommen. Die Studie soll dazu beitragen, Mythen über Open-Source-Lizenzen auszuräumen und die Fakten zu präsentieren.

Michaelson und Host halten fest, daß ladbare Kernel-Module Code enthalten, der, wäre das Modul nicht dynamisch ladbar, Teil des Kernels wäre und in diesem Fall unter der GPL stehen müßte. Da der Code jedoch erst später geladen wird, proklamieren die Entwickler den proprietären Code als nicht zum Kernel gehörig, eine Praxis, die von den Copyright-Haltern des Kernels, Linus Torvalds und vielen anderen Entwicklern, bislang geduldet wird.

Nach Auffassung der Anwälte sind Kernel-Module jedoch abgeleitete Werke des Kernels, und für diese schreibt die GPL vor, daß sie unter der gleichen Lizenz wie der Kernel stehen müssen. Bisher habe niemand versucht, dies zu erzwingen, doch würde nach ihrer Meinung »ein einziger Entwickler«, der dies versucht, ausreichen, um die bisherige Praxis zu Fall zu bringen. Sie wundern sich ferner, warum die Free Software Foundation (FSF) bisher noch nicht versucht hat, die Lizenz durchzusetzen. Sie begründen es damit, daß die FSF zwei gegensätzliche Motive zu vereinen habe: Einerseits die Durchsetzung der GPL, andererseits die weite Verbreitung und den Erfolg von Linux. Dabei übersehen die Experten, daß die FSF keine Copyright-Rechte am Kernel hat und daher für ihn nicht zuständig ist. Dennoch kommen sie zu dem Schluß, daß proprietäre Kernel-Module nicht tragfähig seien.

Die wichtigsten Kernel-Entwickler stimmen mit dieser Meinung überein, wenngleich aus anderen Motiven. Die Motivation hinter der Studie wird verständlich, wenn man sich über den Auftraggeber Wasabi näher informiert. Das Unternehmen vertreibt seine eigen Variante von NetBSD, an das es zweifellos viele Entwicklungen zurückgegeben hat. Jedoch muß es nicht alle Änderungen an NetBSD offenlegen. Es spricht auch ganz offen von der »problematischen GPL-Lizenz«.

Die Studie wie auch weitere Dokumente sind unter http://www.wasabisystems.com/gpl zu finden.

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