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Mo, 20. März 2006, 17:21

Kritik an der Einführung des Open Document Formats

In den Letzten Wochen war immer wieder von der Auseinandersetzung verschiedener Interessengruppen über das Open Document Format (ODF) die Rede, jetzt kommt aus einer unerwarteten Richtung deutliche Kritik an der geplanten Einführung.
Von ThomasS

Schon kurz nach der Ankündigung von ODF durch den US-Bundesstaats Massachusetts machte sich eine Begeisterung breit, bedeutet die Umsetzung der Pläne doch eine Lösung aus Abhängigkeiten und eine langfristige Sicherheit für den Zugriff auf öffentliche Daten für alle Bürger. Wie es scheint muss sich der Staat Massachusetts für die geplante Einführung nun etwas einfallen lassen, da sich vermehrt die Interessenverbände von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen zu Wort melden. In deutlicher Kritik an der geplanten Einführung sprechen Interessenvertreter von einem drohenden Ausschluss von behinderten Menschen, deren Bürgerrechte in der Form eines freien Zugangs zu staatlichen Dienstleistungen über das Internet und Einstellungschancen in Gefahr sind. Der sich anbahnende Konflikt lässt sich nicht in die gewohnten Raster von proprietär versus frei pressen. Die Frage, ob die Quellen von Software prinzipiell frei oder geschlossen sein sollten, scheint den Kritikern der geplanten Einführung des ODF belanglos. Wichtig ist, wie Software generell auch behinderten Menschen einen Zugang zu den modernen Wissenstechnologien ermöglicht. Damit betonen die Betroffenen gegenüber dem Freiheitsbegriff der freien Softwarewelt die persönliche Freiheit als Chance der gesellschaftlichen Teilhabe für behinderte Menschen.

Schon erste Treffen der Befürworter freier Software, Repräsentanten aus Industrie und Politik mit den Vertretern von Behindertenverbänden im November 2005 hat das Ausmaß gegenseitigen Desinteresses verdeutlicht. Während erstere die neue Entwicklung als neue Chance, auch für behinderte Menschen begreifen wollten, beharrten die Vertreter der Behindertenverbände auf der Position, dass die Einführung von ODF behinderte Menschen auf Jahre von Jobchancen im öffentlichen Sektor ausschließen würde. Die ganze Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Positionen kulminierte laut Protokoll in der Auffassung: "Vielfalt ist schlecht. Wir wollen nichts verändern müssen." Mit dieser Haltung räumen zwar auch die Vertreter der Behindertenverbände ein, dass selbst mit dem verbreiteten MS Office 12 Veränderungen zu erwarten seien. Diese seien jedoch eher minimale Änderungen, die man in den Griff kriegen könnte. Anders sei dies im Falle einer Einführung von ODF, mit dem viele neue Applikationen zu erwarten sind, die auch große Hürden in der Bedienbarkeit für Menschen mit Behinderung mit sich bringen könnten.

Die gegenwärtigen Hürden für behinderte Menschen bei der Bedienung von GNU/Linux-Distributionen sind offensichtlich. Angefangen bei fehlender oder unvollständiger Dokumentation oder der praktischen Unterstützung für behinderte Menschen bei der Installation und Konfiguration von GNU-Systemen bis hin zur direkten Zusammenarbeit bei der Schaffung von bedienerfreundlichen Applikationen durch die Betroffenen, fehlt der freien Software noch einiges, um auch bei dieser Nutzerschicht punkten zu können. Der Bundesstaat Massachusetts hat jedenfalls erste Konsequenzen aus dieser Kritik gezogen und hat das ODF in Sachen Bedienerfreundlichkeit auf den Prüfstand gesetzt, um der sich abzeichnenden Entwicklung entgegen zu steuern.

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