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Thema: Savannah akzeptiert kein GPLv2

54 Kommentar(e) || Alle anzeigen ||  RSS || Kommentieren
Kommentare von Lesern spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.
Score: 3 Von Jochen Schmitt am Do, 23. März 2006 um 11:45 #
Ja, während man z. B. auf anderen Plattformen, wie sourceforge.net, eine eigene Domain auf das Projekt verweisen zu lassen kann, ist dies bei Savannah anscheinend nicht erwünscht.

Diese typische GNU-Arroganz stört micht. auch wenn man zugegen muss, dass die FSF eine wichtige Vorreiterrolle in der Welt der freien Software spielt.

mfg: Jochen Schmitt

  • Score: 3 Von einem niemand am Do, 23. März 2006 um 12:05 #
    > Diese typische GNU-Arroganz stört micht.

    Siehe es mal andersrum:

    Der betroffene Entwickler lässt seine Arroganz gegenüber den Änderungen, die die v3 mitbringt, durchscheinen, indem er sie _explizit_ ausschließt. Damit lässt er auch demonstrativ seiner Ablehnung der Werte, die die FSF vertritt, freien Lauf. Wie kann es nun von der FSF als arrogant aufgefasst werden, wenn sie nicht kooperativen Entwicklern keine Werbefläche und technische Unterstützung anbietet?

    • Score: 3 Von Andi am Do, 23. März 2006 um 12:17 #
      Wohl kaum. Im Gegnsatz zu Deiner Aussage, schließt er nicht aus, dass er auf die v3 umsteigen wird. Er lehnt die Lizenz auch nicht ab, sondern will sein Recht nicht abgeben über die Art der Lizenzierung selbst entscheiden zu dürfen. Das kann man ihm nicht verübeln, oder weisst Du, wie die Lizenz, in sagen wir mal, 5 Jahren aussehen wird?

      Im übrigen ist solche Klausel in Deutschland nicht zulässig, denn damit wird der FSF eine Generalvollmacht übertragen. Prinzipiell könnte die FSF in einer "späteren" Version es per Lizenz anordnen, dass jeder Geld an sie zahlen muss. Durch die "später Klausel" wären dadurch alle Projekte betroffen. So etwas nennt sich bei uns Knebelvertrag uns ist sittenwidrig - auch bei einer entsprechenden Klausel im Vertrag. Das hat zum Beispiel das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt entschieden.

      • Score: 3 Von einem niemand am Do, 23. März 2006 um 12:29 #
        > Im Gegnsatz zu Deiner Aussage, schließt er nicht aus, dass er auf die v3 umsteigen wird.

        Er brauch selber von mir aus niemals auf die Lizenz umsteigen. Er möchte aber anderen _explizit_ das Recht verbieten, die Software unter der GPL3 weiterzuverbreiten. Er lehnt die Lizenz "vorläufig" noch ab, obwohl die FSF versuichert hat, nichts an dem "Sinn" der GPLv2 zu ändern, und sie nur geringfügig an die aktuellen legalen Bedingungen anzupassen?

        > Er lehnt die Lizenz auch nicht ab, sondern will sein Recht nicht abgeben über die Art der Lizenzierung selbst entscheiden zu dürfen.

        Er nimmt sich frei, die GPLv3 später nicht zu verwenden. Das ist sein gutes Recht. Da er dies aber jetzt noch kategorisch ausschließt, besteht die Möglichkeit, dass er Ende des Jahres immer noch der selben Meinung ist, weswegen ihm dann der weitere Zugang verwehrt werden müsste.

        Wieso sollte die FSF solchen "Zweiflern", die ihr böse Absichten unterstellen, die gegen den "spirit" der derzeitigen GPLv2 gehen, auch noch Werbefläche und technische Unterstützung bieten?

        • Score: 3 Von Mark am Do, 23. März 2006 um 14:09 #
          > Er brauch selber von mir aus niemals auf die Lizenz umsteigen. Er möchte aber anderen _explizit_ das Recht verbieten, die Software unter der GPL3 weiterzuverbreiten.

          Es gibt nun einmal keine Version 3 der GPL!!
          Wieso sollte er die Software unter einem "Phantom" vertreiben müssen?
          Wenn irgend wann einmal die Version 3 erscheint kann man ja darüber nachdenken ob man sie nutzen will.
          Aber der FSF einen "Persilschein" auszustellen ist äußerst gewagt.
          Wenn man nur Codeschnippsel zu einem Projekt beiträgt kann man eine solche Klausel durchaus aktzeptieren, aber nicht wenn man der Initiator eines Projektes ist.

          Was passiert eigentlich wenn Microsoft (Oder ein anderer "Erzschurke") in Zukunft die FSF unterwandert?? Dann möchte ich gerne mal die GPL Version 5 sehen).

          In diesem Sinne

          Gruß
          Mark

          • Score: 3 Von einem niemand am Do, 23. März 2006 um 15:23 #
            > Es gibt nun einmal keine Version 3 der GPL!!

            Reg dich ab, ja?

            > Wieso sollte er die Software unter einem "Phantom" vertreiben müssen?

            Du lebst mit einer Vorstellung, die ferner von der Wirklichkeit nicht sein könnte. Es gibt kein "GPL-Phantom". Es wird demnächst ein Update des Lizenztextes geben, der genau das sicherstellen wird, was die jetzige GPL versucht, aber aufgrund legaler Bedingungen nicht ganz vermag: Sicherstellen dass jeder Nutzer das Recht hat Software auszuführen, zu verändern, und weiterzugeben. In die GPL können gar nicht erst weitere "bösartige" Klauseln reinkommen, weil der jetzige GPL-Text sie ausdrücklich verbietet. Siehe §9.

            > Wenn irgend wann einmal die Version 3 erscheint kann man ja darüber nachdenken ob man sie nutzen will.

            Wenn er beschließt dass er sie nutzen will, kann er sein Projekt ja auch bei Savannah anmelden. Und sich nicht um Hosting-Möglichkeiten bemühen, und gleichzeitig ausdrücklich die Kooperation mit der FSF ausschließen.

            > Aber der FSF einen "Persilschein" auszustellen ist äußerst gewagt.

            Wieso soll das denn "gewagt" sein? Weil die FSF über Nacht die GPL total verändern könnte, wie es sich niemand vorzustellen gewagt hat? Die FSF kann das eben _NICHT_, und das wurde in der GPL selber ausdrücklich festgesetzt. Alle neuen Versionen _müssen_ im Geiste abwärtskompatibel sein. (legal müssen sie inkompatibel sein, damit die Veränderungen, die das Update einführt, auch legal greifen können.) Es gibt keinen Grund vor der FSF "Angst" zu haben, abgesehen von den vielen Stallman-Hassern hier in der Runde, bei denen Stallman-Bashing schon zum guten Ton gehört.

            > Was passiert eigentlich wenn Microsoft (Oder ein anderer "Erzschurke") in Zukunft die FSF unterwandert?? Dann möchte ich gerne mal die GPL Version 5 sehen).

            Du stellst immer wieder fest dass du die GPL selber weder gelesen, noch dich irgendwo anders informiert hast, und nur deine dunklen Befürchtungen "was sein könnte" hier absonderst, die leicht wie FUD wirken können. Die GPL kann eben _nicht_ (lies die entsprechenden Paragraphen doch mal bitte!) unterwandert und "zu Gunsten" von irgendjemandem verändert werden, weil das Update dann automatisch unwirksam wird. Das steht explizit in der GPL drin. Meinst du nicht, dass die sich gegen sowas wie ne "Unterwanderung" abgesichert haben könnten? Wie du hoffentlich rausfinden wirst, das ist tatsächlich der Fall, und direkt in der GPL nachzulesen.

            Die Befürchtungen sind unnötig, und der aus Halbwissen resultierende Anti-FSF-FUD noch unnötiger.

        Score: 3 Von Erik am Do, 23. März 2006 um 12:32 #
        Auch das ist Käse (merkt man, daß ich Hunger habe?), denn der originale Lizenztext mit dem "any later" beinhaltet auch "at your option", womit der User gemeint ist. Sprich, wenn ich "either version 2 of the License, or (at your option) any later version" im Lizenztext der Software lese, die ich einzusetzen gedenke, erinnere ich mich an die gute alte Version 2 zurück, in der ich der FSF noch kein Geld zahlen mußte. Und schwups bin ich wieder auf der sicheren Seite.

        De facto schließt er durch das fehlende "any later" Leute aus, die mit ihrer GPL v3+-Software auf seiner Software basieren möchten. Auch das ASPs seine Software bei Herauskommen der v3 nicht mehr wie heute verwenden können, ist Unsinn, denn die interpretieren seine Lizenzzeile dann ebenfalls wie es die GPL v2 definiert.

        Fazit: Er reagiert unreflektiert und unflexibel und erwartet ernsthaft, als Dankeschön noch gehostet zu werden, obwohl es der Lizenzpolitik von Savannah widerspricht.


        lg
        Erik

        • Score: 3 Von Andi am Do, 23. März 2006 um 12:49 #
          Die GPL gibt nicht _Dir_ als Autor der Software eine "any later" Version zu wählen, sondern Du ermöglichst als Autor allen Lizenznehmern eine "any later"-Variante auszuwählen. Damit öffnest Du dem Lizenznehmer Tür und Tor Deine Software expliziten Restriktionen zu unterstellen, auch wenn es nicht in Deinem Sinne war. Daraus Folgt im besten Fall ein Fork mit zwei verschiedenen Lizenzen.

          De facto schließt er durch das fehlende "any later" Leute aus, die mit ihrer GPL v3+-Software auf seiner Software basieren möchten.
          Korrekt, denn er kann es nicht abschätzem was "later" kommen wird und deshalb lehnt er es ab Zukunftsversionen explizit zu erlauben. Dabei schränkt er _seine_ Software ein und will keine Blanko-Vollmacht der FSF erteilen. Ist es so verkehrt? Meiner Meinung nach nicht.

          • Score: 3 Von einem niemand am Do, 23. März 2006 um 13:00 #
            > Damit öffnest Du dem Lizenznehmer Tür und Tor Deine Software expliziten Restriktionen zu unterstellen, auch wenn es nicht in Deinem Sinne war.

            Das ist falsch.

            §9 der GPL versichert _ausdrücklich_ dass jegliche zukünftigen Änderungen "im Sinne" der GPL sein werden, und sich bei den Änderungen nur um legal-kosmetische Details handeln wird, um sich an neue gesetzliche Begebenheiten anzupassen.

            > Korrekt, denn er kann es nicht abschätzem was "later" kommen wird

            Das ist auch wieder falsch. Was "later" kommen _kann_ ist durch die GPL selber festgelegt, und kann nicht von zukünftigen GPL-Versionen geändert werden.

            > und will keine Blanko-Vollmacht der FSF erteilen. Ist es so verkehrt?

            Es ist verkehrt, er hat die GPL vermutlich nichtmal gelesen. Und du verbreitest mit deinem Halbwissen hier unnötig FUD gegen die GPL. Durch die "any later"-Klausel erteilt er der FSF eben _keine_ Blanko-Vollmacht, wie die zukünftigen GPL-Bedingungen lauten werden, da nach §9 der GPl alle zukünftigen GPL "im Sinne" der v2 sein müssen.

            Nichts "schlimmes" wird mit der GPL über Nacht passieren. Nichts. GPL-Software ist und bleibt frei und dem Copyleft-Prinzip verpflichtet, und daran wird sich auch ncihts ändern. Bitte informiere dich, bevor du unnötig Ängste vor der neuen GPL schürst.

            • Score: 3 Von puck am Do, 23. März 2006 um 13:41 #
              >> Damit öffnest Du dem Lizenznehmer Tür und Tor Deine Software expliziten Restriktionen zu unterstellen, auch wenn es
              >> nicht in Deinem Sinne war.

              > Das ist falsch.

              > §9 der GPL versichert _ausdrücklich_ dass jegliche zukünftigen Änderungen "im Sinne" der GPL sein werden, und sich bei
              > den Änderungen nur um legal-kosmetische Details handeln wird, um sich an neue gesetzliche Begebenheiten anzupassen.

              Was widerum Auslegungssache ist. Bestes Beispiel ist die momentane Diskussion um DRM-Restriktionen.

              >> Korrekt, denn er kann es nicht abschätzem was "later" kommen wird

              > Das ist auch wieder falsch. Was "later" kommen _kann_ ist durch die GPL selber festgelegt, und kann nicht von
              > zukünftigen GPL-Versionen geändert werden.

              Konntest du vor ein paar Jahren abschätzen, dass die GPLv3 Restriktionen bezüglich DRM einführen soll?

              Ob etwas "schlimmes" über Nacht mit der GPL passieren wird, liegt immer im Auge des Betrachters. Für Linus z.B. ist der DRM-Passus offenbar schon schlimm, weshalb er den Kernel auch nicht unter die GPLv3 stellen will. Was die FSF hier macht, ist anderen Leuten ihre Vorstellungen und Sichtweisen ziemlich totalitär aufzudrücken.

              • Score: 3 Von einem niemand am Do, 23. März 2006 um 13:59 #
                > Was widerum Auslegungssache ist. Bestes Beispiel ist die momentane Diskussion um DRM-Restriktionen.

                Die diskussion wurde von denjenigen losgetreten, in deren Augen die Beschneidung der Freiheiten der Nutzer durch DRM nichts verwerfliches ist. Dass diese Beschneidungen der GPL diametral entgegengesetzt sind, scheit sie nicht zu kümmern.

                > Ob etwas "schlimmes" über Nacht mit der GPL passieren wird, liegt immer im Auge des Betrachters. Für Linus z.B. ist der DRM-Passus
                > offenbar schon schlimm,

                Linus heisst DRM gut. Er heisst es gut, wenn Rechte, die die GPL gewährt, durch DRM wieder ausgehebelt und den Nutzern entzogen werden. Im Umkehrschluss bedeutet das nur dass Linus nicht wirklich daran interessiert ist, die Rechte, die er seinen Nutzern _selber_ durch die GPL zugetanden hat, zu schützen.

                > weshalb er den Kernel auch nicht unter die GPLv3 stellen will. Was die FSF hier macht, ist anderen Leuten ihre Vorstellungen und
                > Sichtweisen ziemlich totalitär aufzudrücken.

                Welche "totalitären" Sichtweisen denn bitte? Dass es unsinnig ist, wenn die GPL Rechte gewährt, und diese schon im nächsten Schritt durch DRM wieder zunichte gemacht werden?

                So wie du klingst, hättest du vermutlich auch die Einführung der GPLv2 anno 1991 auch als "totalitär" bezeichnet, weil die FSF in puncto Nutzerrechte eine eindeutige Stellung bezieht.

                • Score: 3 Von puck am Do, 23. März 2006 um 16:16 #
                  > Die diskussion wurde von denjenigen losgetreten, in deren Augen die Beschneidung der Freiheiten der Nutzer
                  > durch DRM nichts verwerfliches ist. Dass diese Beschneidungen der GPL diametral entgegengesetzt sind, scheit
                  > sie nicht zu kümmern.

                  sowie

                  > Linus heisst DRM gut. Er heisst es gut, wenn Rechte, die die GPL gewährt, durch DRM wieder ausgehebelt und den
                  > Nutzern entzogen werden. Im Umkehrschluss bedeutet das nur dass Linus nicht wirklich daran interessiert ist,
                  > die Rechte, die er seinen Nutzern _selber_ durch die GPL zugetanden hat, zu schützen.

                  passt hinten und vorne nicht mit der Realität zusammen. Linus ist Programmierer und Pragmatiker im Gegensatz zu R.Stallman. Stallman macht Politik, und versucht soziale Probleme mittels Technik zu lösen, während es Linus weitestgehend egal ist, wo und wie sein Code eingesetzt wird. Der eigentlich Gedanke, der der GPL zu Grunde liegt, ist zwar gut, aber der eingeschlagene Weg ist falsch. DRM löst genauso wenig das Problem von Raubkopien, wie die GPL das Problem des DRM lösen wird.
                  Nebenbei bemerkt, bist du auf meine eigentliche Aussage nicht im geringsten eingegangen. Niemand kann sagen, wie sich eine Lizenz weiter entwickeln wird, und ob man dann mit diesem Resultat auch einverstanden ist.

                  > Welche "totalitären" Sichtweisen denn bitte? Dass es unsinnig ist, wenn die GPL Rechte gewährt, und diese schon
                  > im nächsten Schritt durch DRM wieder zunichte gemacht werden?

                  Die Sichtweise, wie andere Leute mit Software umzugehen haben.

                  > So wie du klingst, hättest du vermutlich auch die Einführung der GPLv2 anno 1991 auch als "totalitär"
                  > bezeichnet, weil die FSF in puncto Nutzerrechte eine eindeutige Stellung bezieht.

                  Ich bezeichne die GPLv2 auch heute noch in zumindest einigen Bereichen als totalitär. Sie zwingt ihrem Nutzer ein alles oder nichts auf. Die FSF bezieht nicht nur in puncto Nutzerreche eine eindeutige Stellung, sie entmündigt auch die Entwickler.

                  • Score: 3 Von einem niemand am Do, 23. März 2006 um 16:46 #
                    > Niemand kann sagen, wie sich eine Lizenz weiter entwickeln wird, und ob man dann mit diesem Resultat auch einverstanden ist.

                    Bei der GPL steht schon fest, dass sich künftige Versionen nicht wesentlich verändern dürfen, und in der Intention abwärtskompatibel bleiben müssen.

              Score: 3 Von netsrac am Do, 23. März 2006 um 14:45 #
              >§9 der GPL versichert _ausdrücklich_ dass jegliche zukünftigen Änderungen "im Sinne" der GPL sein werden ...

              Das mag jetzt etwas nach Haarspalterei klingen (was es aber meines Erachtens nicht ist): Egal, wie zukünftige Änderungen der GPL aussehen werden, werden sie genaugenommen niemals "im Sinne der GPL" sein. Die GPL ist eine Lizenz und hat dementsprechend keinen (selbst entscheidenden) Sinn. Sie verkörpert nur das, was ihr Autor - RMS bzw. die FSF - im Sinn hat(te). Und das wiederum sind Menschen, und was denen noch alles in den Sinn kommen mag, kann ganz sicher heute niemand sicher vorhersagen. Bereits jetzt gibt es ja durchaus Stimmen, die sich gegen die (augenscheinliche) Intention von RMS/FSF stellen.

              • Score: 3 Von pinky am Do, 23. März 2006 um 14:52 #
                den Sinn der GPL findest du z.B. in der Präambel.
                • Score: 3 Von netsrac am Do, 23. März 2006 um 14:58 #
                  >den Sinn der GPL findest du z.B. in der Präambel.

                  Es geht mir nicht darum, was als (angeblicher ?) Sinn in der GPL drin steht. Es geht mir darum, daß sich die GPL nicht selbst geschrieben hat, sondern von Menschen gemacht wurde, die ihrere Absichten darin verwirklicht haben. Und wenn diese Menschen irgendwann mal eine neue Version der GPL schreiben, deren Sinn sich in Deinen Augen mit dem der bisherigen Ausführung beißt, dann ist es vollkommen egal, was Du davon hälst und ob Du das gut findest und ob Du das akzeptierst, und es ist genauso egal, ob diese Neuerungen noch dem "Sinn" der GPL entsprechend, so wie Du ihn heute ausmachst - es spielt einfach keine Rolle. Du schreibst die GPL nicht. Oder etwa doch ?

                  • Score: 3 Von pinky am Do, 23. März 2006 um 15:05 #
                    Ja, die GPL wurde von Menschen geschrieben, diese hatten eine gewisse Absicht, diese Absicht wurde in der GPL und u.a. in der Präamble festgelegt. Seitdem hat die GPL einen Sinn. Der Sinn der Menschen kann sich vielleicht ändert, der Sinn der GPL aber nicht, da dieser in der GPL dokumentiert ist.
                    Wenn jetzt also jemand GPLv99 rausbringen würde, welche nichts mehr mit dem zu tun hat was die GPL bis GPLv98 u.a in der Präamble beschreibt wird mir jeder Richter recht geben, dass GPLv99 nichtmehr im Sinn von GPLv0..GPLv98 ist und damit ist die upgrade Klausel ungültig.
                    • Score: 3 Von netsrac am Do, 23. März 2006 um 15:19 #
                      >Wenn jetzt also jemand GPLv99 rausbringen würde, welche nichts mehr mit dem zu tun hat was die GPL bis GPLv98 u.a in der >Präamble beschreibt wird mir jeder Richter recht geben, dass GPLv99 nichtmehr im Sinn von GPLv0..GPLv98 ist und damit ist
                      >die upgrade Klausel ungültig.

                      Und da bist Du Dir natürlich absolut sicher, nicht wahr !?
                      Besonders solche Dinge wie "Sinn" lassen sich ja prima völlig wertneutral und objektiv beurteilen ...

                      • Score: 3 Von einem niemand am Do, 23. März 2006 um 15:32 #
                        > Besonders solche Dinge wie "Sinn" lassen sich ja prima völlig wertneutral und objektiv beurteilen ...

                        Dinge wie der Zweck der GPL, sicherzustellen dass Software ausgeführt, verändert und weitergegeben werden darf sind IMHO relativ klar gefasst und versändlich. Eine Änderung der GPL, wo das "plötzlich" nicht mehr Möglich wäre, wäre nicht mehr gültig, da sich die Intentionen der Änderung und der Vorwersion nicht mehr decken.

                        Worum es der GPl geht ist, hoffe ich, jedem insoweit klar, dass eine "plötzliche" Abkehr nicht unentdeckt bleiben könnte, und die neue Version damit ungültig und nicht automatisch "any later version" werden könnte.

                        • Score: 3 Von netrac am Do, 23. März 2006 um 15:51 #
                          >Worum es der GPl geht ist, hoffe ich, jedem insoweit klar, dass eine "plötzliche" Abkehr nicht unentdeckt bleiben könnte, >und die neue Version damit ungültig und nicht automatisch "any later version" werden könnte.

                          Wenn ein Widerspruch offensichtlich ist, dann ist das natürlich leicht einzuschätzen (ob und welchen Einfluß ein solcher Widerspruch tatsächlich auf die "or any later"-Klausel hätte, bliebe dann abzuwarten).

                          Was aber, wenn die Dinge nicht so klar ersichtlich sind. Nehmen wir mal fiktiv an, bis zur irgenwann vielleicht erscheinenden GPLv3.1 hätte sich bei der FSF das "Wissen" festgesetzt, die BSD-Lizenz schade der "Freiheit" von Software (was offensichtlicher Unsinn ist, aber nehmen wir's einfach mal an). Folglich erweitert man die neue GPLv3.1 dahingehend, daß künftig GPL-Code nicht mehr mit BSD-Code verknüpft werden darf. Und nun erläutere doch mal einem Herrn Richard Stallmann, inwieweit dies dem Sinn der eigentlichen GPL widerspreche (die er selbst im wesentlichen schrieb/schreibt) und daß deshalb die "any later version"-Klausel ungütlig sei. Viel Spaß dabei !

                          • Score: 3 Von einem niemand am Do, 23. März 2006 um 16:59 #
                            > Nehmen wir mal fiktiv an, bis zur irgenwann vielleicht erscheinenden GPLv3.1 hätte sich bei der FSF das "Wissen" festgesetzt, die
                            > BSD-Lizenz schade der "Freiheit" von Software (was offensichtlicher Unsinn ist, aber nehmen wir's einfach mal an). Folglich erweitert man
                            > die neue GPLv3.1 dahingehend, daß künftig GPL-Code nicht mehr mit BSD-Code verknüpft werden darf.

                            Dein Beispiel ist schlecht. Du kannst dir sonst was ausdenken, und dann ein "Viel Spaß mit Stallman" hinknallen, weilc schick ist über den Mann herzuziehen, aber das macht ein Beispiel nicht besser. Stallman hat mit Urheberrechtsverletzungen dritter nichts zu tun. Seine neue GPL wäre dann zwar nicht mehr mit der alten vereinbar, aber das wäre auch relativ schnell bekannt und das Problem hätten dann andere, die deine Werke unter dieser ungültigen GPL vertreiben würden. Etwaige Verletzungen müssten vor Gerichten geklärt werden, genauso wie heutige GPL-Verletzungen verfolgt werden, mit denen Stallman auch nichts zu tun hat.

            Score: 3 Von Erik am Do, 23. März 2006 um 13:14 #
            > Die GPL gibt nicht _Dir_ als Autor der Software eine "any later" Version zu wählen
            Nein, sondern mir, dem User. Sagte ich doch. :)

            > Damit öffnest Du dem Lizenznehmer Tür und Tor Deine Software expliziten Restriktionen [...]
            Nein. Meiner Software schon mal gar nicht, wenn, dann deren abgeleiteter Version von meiner Software. Und auch dort nicht, da ich als Copyrightinhaber meines Codes auch über meinen Code und meine Files entscheide. Niemand derer, die von meinem Code ableiten, können meinen Code umlizensieren. Insofern können sie auch keine v3+-Restriktionen für die Software als Ganzes durchsetzen, maximal für ihren Teil. Was aber würde das bringen? Da niemand in dieser "Lizenzinterpretationskette" meines Codes von mir über den Modifizierer bis zum Endnutzer einem anderen Rechte über meinen Code wegnehmen kann, ist alles für alle in Ordnung.


            lg
            Erik

            • Score: 3 Von Andi am Do, 23. März 2006 um 14:03 #
              Niemand derer, die von meinem Code ableiten, können meinen Code umlizensieren.
              Wie bitte? Gerade das sagt die Passage "any later" aus. Damit erlaubst Du dem Lizenznehmen die Lizenz zu ändern. Ergo, auch die Ableitungen unter eine andere GPL-Lizenz zu stellen.

              Da niemand in dieser "Lizenzinterpretationskette" meines Codes von mir über den Modifizierer bis zum Endnutzer einem anderen Rechte über meinen Code wegnehmen kann, ist alles für alle in Ordnung.
              Es geht auch nicht um die Eigentumsrechte, sondern um die Nutzungsrechte. Die eigentumsrechte spielen hier keine Rolle, denn sie sind klar definiert in Deutschland.

              • Score: 3 Von Erik am Do, 23. März 2006 um 14:21 #
                > Gerade das sagt die Passage "any later" aus.
                Diese Passage gilt für die Antwort auf die Frage, wie ich selbst (der Modifizierer) mit dem mir gegebenen Code umgehen darf, nicht, wie ich dem, der die Kombination aus meinem und dem Code des Originalautors nutzen möchte, vorschreiben darf, damit umzugehen. Genau deshalb kann es niemals die Unsicherheit auf Seiten des Originalautors geben, der gelackmeierte zu sein, denn er kennt die zum Zeitpunkt der Entwicklung verfügbaren GPL-Versionen und impliziert durch deren Angabe innerhalb des "or any later" sein Recht, daß sein Code immer in vollem Umfang seiner Originalversion interpretiert werden darf, und zwar von jedem.


                lg
                Erik

          Score: 3 Von troll am Do, 23. März 2006 um 13:05 #

          Auch das ist Käse (merkt man, daß ich Hunger habe?), denn der originale Lizenztext mit dem "any later" beinhaltet auch "at your option", womit der User gemeint ist. Sprich, wenn ich "either version 2 of the License, or (at your option) any later version" im Lizenztext der Software lese, die ich einzusetzen gedenke, erinnere ich mich an die gute alte Version 2 zurück, in der ich der FSF noch kein Geld zahlen mußte. Und schwups bin ich wieder auf der sicheren Seite.

          Gerade weil any_later vom Nutzer gewählt werden kann, ist dies sehr problematisch.

          Gedankenspiel, wirklich gedankenspiel:
          FSF geht das Geld aus.
          FSF ändert daruf die GPL und fügt einen zusätzlichen Paragraphen an:
          " Der Autor/Projektleiter/... erklärt sich bereit jedem Nutzer, die Nutzung und das Testen der Software in Höhe von $BIGNUM $ zu vergüten. Der Nutzer hat hierfür dem Autor nur seine Kontoverbindung mitzuteilen. "

          Die FSF kompiliert mal schnell GPL-SW unter-any-later-Lizenz und geht dann ans Geld einsammeln.

          Natürlich würde sowas von Gerichten zweifelhaft Angesehen werden, aber man selbst hat immer noch den Ärger, dies dann auszufechten.

          • Score: 3 Von pdOrta am Do, 23. März 2006 um 13:33 #
            >Die FSF kompiliert mal schnell GPL-SW unter-any-later-Lizenz und geht dann ans Geld einsammeln.

            Warum? Der USER kann entscheiden welche Lizenz er anerkennt. GplV2 oder eben Later.
            Der User hat die wahl und nicht der Autor. Dann nimmt er eben V2 un nicht Later.

            Darum kann das nicht passieren. Nein nicht mal hypothetisch.


            • Score: 3 Von Erik am Do, 23. März 2006 um 13:54 #
              Nein, Dein Vorredner meinte etwas anderes. Er bezog sich auf die Möglichkeit, eine spätere Version der GPL könne die Rechte des Autors einschränken, da dieser nicht derjenige ist, der zum Zeitpunkt der Lizenzauslegung durch einen User/Modifizierer über die auszulegende Version bestimmt. Das spielt aber keine Rolle, da dank des §9 (wie vielfach bereits zitiert) Änderungen der GPL im Geiste der GPL, im Geiste der Freiheit der beteiligten Autoren und User zu erfolgen hat. Es ist nicht im Geiste der Freiheit irgendeinem in der Freiheitskette eingebundenen Menschen irgendwelche der (ehemals) garantierten Rechte zu nehmen. Und ja, das Recht, selbst über die Füllmenge meiner Brieftasche zu bestimmen ist mein Recht. Und ebenfalls ja, das Entfernen des §9 ist ebenfalls nicht im Sinne der Freiheit, insofern kann man sich bezüglich der GPL vor allem als Autor eigentlich entspannt zurücklehnen.


              lg
              Erik

              Score: 3 Von Andi am Do, 23. März 2006 um 13:57 #
              Sehr wohl kann es passieren, nicht nur hypothetisch. Dazu muss ich zum Beispiel als Firma/Organisation nur eine Applikation finden, die mir gefällt, nehme die neue, angenommen restriktive Lizenz, und stelle alle meine Änderungen sowie die komplette Applikation unter die neue Lizenz. Auch wenn der Ursprungsautor 95% der Arbeit gemacht hat, kann ich durch die Änderung der Lizenz und durch meine Änderungen festschreiben, dass die Lizenz ab dem Zeitpunkt meines Werkelns die neue vX ist. Damit ist es mir möglich alle Konventionen, die vielleicht mal galten, auszuhebeln.
              • Score: 3 Von Jehu am Do, 23. März 2006 um 14:54 #
                stelle alle meine Änderungen

                das geht...

                sowie die komplette Applikation unter die neue Lizenz.

                ... und das geht nicht, ohne daß der Autor der "kompletten Applikation" sein Einverständnis erteilt.

                Sprich: Ohne Erlaubnis der anderen Teilnehmer kann niemand einfach alles unter eine neue Lizenz stellen. Sieht man doch gerade beim Kernel, da muß auch jeder seine Zustimmung geben.

                Sorry, aber Dein Beispiel funktioniert nicht.

                • Score: 3 Von fuffy am Do, 23. März 2006 um 15:16 #
                  Sieht man doch gerade beim Kernel, da muß auch jeder seine Zustimmung geben.
                  Eben weil die "or any later"-Klausel getrichen wurde. Wäre sie nicht getrichen, könnte jeder den Kernel einfach unter GPLv3 und so weiter stellen.
                Score: 3 Von iGEL am Do, 23. März 2006 um 15:07 #
                Moin!

                Jain. Der von dir beschrieben Vorgang gilt ja nur für den Fork, die Originalversion bleibt weiter für jeden unter der v2 verfügbar. Darüber hinaus kann nur die FSF berechtigte Nachfolgeversionen der Lizenz herausgeben und wie gesagt auch nicht beliebig.

                iGEL

                • Score: 3 Von fuffy am Do, 23. März 2006 um 15:19 #
                  Nur dass der Originalversion die Verbesserungen verbaut sind und diese keine Bibliotheken verwenden darf, die GPLv3-lizenzierten Code enthalten, da die GPL, egal in welcher Version, keine anderen Lizenzen und Lizenzversionen neben sich duldet.
                  • Score: 3 Von Mario am Do, 23. März 2006 um 17:20 #
                    da die GPL, egal in welcher Version, keine anderen Lizenzen und Lizenzversionen neben sich duldet.

                    Warte mal... Das las ich doch vor kurzem... Moment, was war es noch? Aha. "Allah ist's, der seinen Gesandten mit der Leitung und der Religion der Wahrheit entsandt hat, um sie über jeden anderen Glauben siegreich zu machen" (Koran 61:9) oder vielleicht "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" (Buch Moses). Interessant.

      Score: 3 Von netsrac am Do, 23. März 2006 um 12:20 #
      >Der betroffene Entwickler lässt seine Arroganz gegenüber den Änderungen, die die v3 mitbringt, durchscheinen, indem er sie _explizit_ ausschließt

      Tut er doch gar nicht. Er stellt nur fest, daß er nicht heute schon der Verwendung einer Lizenz zustimmen möchte, deren Details noch gar nicht festgeklopft sind. Da es ja um *seinen* Code gibt, sollte man doch meinen, daß ihm dieses Recht selbstverständlich zusteht.

      • Score: 3 Von einem niemand am Do, 23. März 2006 um 12:35 #
        > Er stellt nur fest, daß er nicht heute schon der Verwendung einer Lizenz zustimmen möchte, deren Details noch gar nicht festgeklopft sind.

        Diese "Details" sind rein legaltechnischer Natur, und werden am "Sinn und Zweck" der derzeitigen GPLv2 nichts ändern, sondern sie nur an andere Begebenheiten anpassen. Die Details sind aus der Sicht eines Entwicklers Freier Software ziemlich unwichtig.

        Er nimmt sich frei, die angepasste GPL _nicht_ anzunehmen, und möchte trotzdem die technische Unterstützung der FSF in Anspruch nehmen. Es ist nur verständlich, dass da Meinungsverschiedenheiten entstehen, da die Möglichkeit besteht, dass er den Kurs der FSF _nicht_ weiter verfolgen möchte.

        > Da es ja um *seinen* Code gibt, sollte man doch meinen, daß ihm dieses Recht selbstverständlich zusteht.

        Dies streitet ihm doch niemand ab. Es ist andererseits auch unfair, dass die FSF hier an den Pranger gestellt wird, obwohl es auch _ihr_ Serverplatz ist, und sie die Nutzungsbedingungen stellt.

        • Score: 3 Von netsrac am Do, 23. März 2006 um 13:36 #
          >Diese "Details" sind rein legaltechnischer Natur, und werden am "Sinn und Zweck" der derzeitigen GPLv2 nichts ändern

          Da die GPLv3 noch nicht abschließend festgeklopft ist, ist es denke ich wenig sinnvoll, über Details zu spekulieren. Wenn es der FSF danach sein sollte, noch einen echten Klopper in die neue GPL zu packen, dann können die's machen. Sie würden dafür mords Schelte beziehen, aber es ist nun mal ihre Lizenz.

          >Er nimmt sich frei, die angepasste GPL _nicht_ anzunehmen, und möchte trotzdem die technische Unterstützung der FSF in Anspruch nehmen

          Und ? Er verwendet derzeit die GPLv2, und die stammt nun mal auch von der FSF, oder etwa nicht `?

          >Es ist andererseits auch unfair, dass die FSF hier an den Pranger gestellt wird, obwohl es auch _ihr_ Serverplatz ist, und sie die Nutzungsbedingungen stellt.

          Zum einen verwendet der Knabe bereits eine Lizenz der FSF. Zum anderen hat das für mich doch einiges an "Geschmäckle", was die FSF da macht. Sicher, es ist ihr Server, also können sie die Bedingungen vorgeben. Das ist bei Musik von Sony oder anderen Firmen auch nicht anderes, es ist "ihre" Musik, und sie können die (Nutzungs-)Bedingungen vorgeben. Da aber wiederum erzählt die FSF was von "Freiheit" (in ihrem Sinne) und daß die Inhalte doch bitte schön für alle verfügbar sein sollen bzw. das Konzept von DRM-Systemen womöglich nicht kompatibel zur GPL ist. Mir scheint, da wird dann doch gerne mal mit zweierlei Maß gemessen.

          • Score: 3 Von clausi am Do, 23. März 2006 um 14:32 #
            Mir scheint, da wird dann doch gerne mal mit zweierlei Maß gemessen.

            Ich gebe vorab gerne zu, daß ich nicht in sämtliche Details der FSF Philosophie eingearbeitet habe, aber Deinen Verdacht teile ich: Irgendwie fehlt bei dem Gerede der FSF um "Freiheit" und 'Ethik' die Verbindung mit den Klassikern, und im Zweifel biegt man sich die Ansichten so hin, wie man sie braucht.

            So referiert man gerne über Freiheit und scheint dann hier und da die Freiheit des Anderen zu vergessen, wenn es nicht genehm ist. Fragwürdig erscheint mir beispielsweise die Aussage, man solle "die GPL auch für Bibliotheken verwenden, sofern sie einen besonderen Wert darstellen, um damit deren Nutzer zu zwingen, ebenfalls die GPL zu verwenden."

            Eh, wie bitte? Zwang? Wo liegt da der Unterschied zum proprietären Anbieter, der seine Kunden durch Nichtveröffentlichung der Quellen zwingen will, für gewisse Leistungen zu zahlen?

            Um noch etwas on-topic zu werden: Meiner Ansicht nach ist des Recht auf Eigentum hier doch wohl ausschlaggebend. Wenn also die FSF auf ihren eigenen Servern nur hosten will, was "GPL2 or later" ist, dann ist das Sache der FSF.

            • Score: 3 Von netsrac am Do, 23. März 2006 um 14:39 #
              >Um noch etwas on-topic zu werden: Meiner Ansicht nach ist des Recht auf Eigentum hier doch wohl ausschlaggebend. Wenn >also die FSF auf ihren eigenen Servern nur hosten will, was "GPL2 or later" ist, dann ist das Sache der FSF.

              Keine Frage, die FSF stellt die Infrastruktur, also sollte sie auch entscheiden, wenn sie da rauflässt (und unter welchen Bedingungen) und wen nicht. Allerdings würde ich als FSF dann nicht mehr den Mund so voll nehmen von wegen "der Freiheit", höchstens vielleicht noch von "unserer Freiheit" (also die der FSF).

              Score: 3 Von pinky am Do, 23. März 2006 um 14:45 #
              >So referiert man gerne über Freiheit und scheint dann hier und da die Freiheit des Anderen zu vergessen, wenn es nicht genehm ist.

              nicht wenn es nicht genehm ist, sondern wenn die Freiheit des Anderen die Freiheit vieler anderer verletzt (http://www.gnu.org/philosophy/freedom-or-power.html)

              >Fragwürdig erscheint mir beispielsweise die Aussage, man solle "die GPL auch für Bibliotheken verwenden, sofern sie einen besonderen Wert darstellen, um damit deren Nutzer zu zwingen, ebenfalls die GPL zu verwenden."

              Nehmen wir mal die Aussage so wie sie da steht. Man zwingt einen einzelnen (der der proprietäre Software erstellen will) dazu entweder keine proprietäre Software zu schreiben (da er damit die Freiheit vieler anderen einschränken würde) oder eben seinen Code selber zu schreiben.
              Ich sehe daran nichts unethisches, wenn man unethische Handlungen, soweit es einem möglich ist, unterbindet.

              In http://www.gnu.org/licenses/why-not-lgpl.html heißt es genau:
              "Proprietary software developers have the advantage of money; free software developers need to make advantages for each other. Using the ordinary GPL for a library gives free software developers an advantage over proprietary developers: a library that they can use, while proprietary developers cannot use it."

              • Score: 3 Von Jehu am Do, 23. März 2006 um 14:58 #
                Man zwingt einen einzelnen (der der proprietäre Software erstellen will) dazu entweder keine proprietäre Software zu schreiben (da er damit die Freiheit vieler anderen einschränken würde)

                Eigentlich tut die FSF bzw. die GPL das ja gar nicht. Die GPL verhindert lediglich, daß jemand sich Code aus GPL-Projekten nimmt und in proprietärer Software verbaut. Proprietäre Software darf er schreiben, soviel er will - aber bitte SELBST. Und das ist in meinen Augen sogar überaus ethisch.

                Score: 3 Von fuffy am Do, 23. März 2006 um 15:25 #
                Proprietary software developers have the advantage of money; free software developers need to make advantages for each other. Using the ordinary GPL for a library gives free software developers an advantage over proprietary developers: a library that they can use, while proprietary developers cannot use it.
                Und genau das ist so falsch, weil es auch "free software developers" gibt, die ihr Software unter einer Lizenz veröffentlicht haben, die "legaltechnisch" nicht hundertprozentig mit der GPLv2 übereinstimmt und somit genauso betroffen sind wie "proprietary developers", aber eben im Gegensatz zu ihnen kein Geld verdienen.

                Gäbs die "PHP-Klausel" nicht, wären LAMPPs durch den Wechsel der MySQL-Client-Library-Lizenz quasi tot. Hier wurde bewusst eine Ausnahmeregelung geschaffen, weil die GPL eben auch "free software developers" beeinträchtigt hätte.

                Score: 3 Von clausi am Do, 23. März 2006 um 18:16 #
                nicht wenn es nicht genehm ist, sondern wenn die Freiheit des Anderen die Freiheit vieler anderer verletzt

                Genau das meinte ich: Mit diesem Argument -- würde es denn so gelten -- kann ich auch verlangen, mich über das Sexleben von Hollywood-Sternchen XYZ zu informieren, und damit auch über das Sexleben jedes einzelnen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

                Die Freiheit der Vielen steht nunmal nicht in allen Fälle über den Rechten des Einzelnen. Gerade Dein Satz "Ich sehe daran nichts unethisches, wenn man unethische Handlungen, soweit es einem möglich ist, unterbindet." ist höchst bedenklich, solange darin nicht klar abgegrenzt wird, was "ethisch" bedeutet. Böse Menschen könnten damit schlimme Sachen rechtfertigen.

                Die Auswirkungen der FSF Philosophie bleiben, so scheint mir, mehr als ungewiß. Das ist insbesondere wichtig, da ein Betriebssystem immer ein Monopol aufgrund seiner Architektur herstellt. Sollte GNU/Linux einmal dominierend werden, und damit das gegenwärtige Monopol ablösen, werden GPL Libraries in der Plattform die Freiheit der Vielen einschränken, und damit nicht mehr ethnisch sein. Und was machen wird dann?

                • Score: 3 Von pinky am Do, 23. März 2006 um 18:21 #
                  >Genau das meinte ich: Mit diesem Argument -- würde es denn so gelten -- kann ich auch verlangen, mich über das Sexleben von Hollywood-Sternchen XYZ zu informieren, und damit auch über das Sexleben jedes einzelnen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

                  sorry, schwachsinn!
                  Hier geht es um Information/Wissen welches veröffentlicht wurde und nicht um private, persönliche und nicht veröffentlichte Geschichten.

                  • Score: 3 Von clausi am Do, 23. März 2006 um 19:26 #
                    Ach ja?

                    Wann wurde denn der Source Code eines proprietären Programms veröffentlicht? Kraft Definition doch eigentlich nie, oder? Veröffentlicht wird allenfalls ein abgeleitetes Werk. Und trotzdem wird es als nicht ethisch verschrien; begründet durch Dein obiges Argument.

                    Also ist mein Beispiel vielleicht doch nicht so an den Haaren herbeigezogen, wie es den Anschein hat?

                    • Score: 3 Von pinky am Do, 23. März 2006 um 19:40 #
                      >Veröffentlicht wird allenfalls ein abgeleitetes Werk. Und trotzdem wird es als nicht ethisch verschrien; begründet durch Dein obiges Argument.

                      was wird als nicht ethisch verschrien? Das abgeleitete Werke eines GPL Werks auch unter die GPL fallen bzw. das man genau das nicht macht?

                      Sorry, das hat für mich nichts mit Ethik oder der GPL zu tun, das ist das Urheberrecht, ich habe mir den blödsinn mit abgeleiteten Werken nicht einfallen lassen.

                  Score: 3 Von pinky am Do, 23. März 2006 um 18:46 #
                  >Sollte GNU/Linux einmal dominierend werden, und damit das gegenwärtige Monopol ablösen, werden GPL Libraries in der Plattform die Freiheit der Vielen einschränken, und damit nicht mehr ethnisch sein. Und was machen wird dann?

                  erstens geht es nicht darum, dass jeder GNU/Linux verwendet, sondern um Freie Software. Ob man GNU/Linux, ein anderes GNU System, *BSD,... verwendet ist vollkommen egal.
                  Ein Monopol entsteht dadurch auch nicht. Wer wäre denn der Monopolist der die ganzen GNU/Linux Systeme kontrollieren würde? Richard Stallman? Linus Torvalds? SuSE? RedHat? Novell? Debian? FSF? OSI?

                  Und wo sollen GPL libs die Freiheit von jemanden einschränken? Jeder kann mit GPL libs machen was er will, sie studieren, verändern und weitergeben. Um dir deine Antwort vorweg zu nehmen, ja, man kann natürlich nicht die Macht ausüben anderen die Freiheit zu nehmen die man selber hat. Aber es geht ja auch nicht um Macht, sondern um Freiheit.

                  • Score: 3 Von clausi am Do, 23. März 2006 um 19:16 #
                    Aber es geht ja auch nicht um Macht, sondern um Freiheit.

                    Und wieder das gleiche Argument: Nur weil Du bestimmte Handlungen einmal mit dem Etikett "Macht" und eine anderes Mal mit dem Etikett "Freiheit" abstempelst, sind sie das noch lange nicht. Beide Begriffe lassen sich fast beliebig mit Inhalt füllen.

                    Das ist billige Rhetorik. Und wie man an Dir sieht, ist die Rhetorik der FSF recht erfolgreich. Ich bleibe daher skeptisch. Alles, was über die LGPL hinausgeht, muß nicht sein -- egal, welche Software.

                    Der Willen der Entwickler eines Monopol ist übrigens in dessen Lizensen festgelegt. Aus diesem Grund ist es unerheblich, ob es nun ein tatsächliches Unternehmen dahin gibt, denn auch das sind nur rechtliche Konstrukte -- de facto würde trotzdem Macht durch Markteinfluss ausgeübt, selbst wenn der Preis Null ist und durch niemand geändert werden kann. Wer das befürwortet, handelt in meinen Augen nicht ethisch.

                    • Score: 3 Von pinky am Do, 23. März 2006 um 19:47 #
                      >Und wieder das gleiche Argument: Nur weil Du bestimmte Handlungen einmal mit dem Etikett "Macht" und eine anderes Mal mit dem Etikett "Freiheit" abstempelst, sind sie das noch lange nicht. Beide Begriffe lassen sich fast beliebig mit Inhalt füllen.

                      Du kannst es sehen wie du willst. Für mich ist Freiheit Entscheidungen zu treffen die hauptsächlich mich betreffen, Macht dagegen Entscheidungen zu treffen die zu einem großteil andere betreffen.

                      Von mir aus können wir diese Macht auch "Freiheit ala Clausi" nennen und die andere Freiheit "Freiheit ala pinky". Das ändert nichts daran, dass ich diese Macht oder eben "Freiheit ala Clausi" nicht unterstütze.

                      Monopole schaffen abhängigkeiten, Freie Software schafft keine Abhängigkeiten sondern ermöglicht jedem die Freiheit zu machen was er will (Ausnahme die "Freiheit ala Clausi", anderen diese Freiheit wieder zu verwehren) und die volle Kontrolle über die Technik zu haben die immer stärker sein Leben bestimmt. Das hat absolut nichts mit Monopolen zu tun.

                      • Score: 3 Von pinky am Do, 23. März 2006 um 19:53 #
                        kleine Korrektur des letzten Satzes:

                        Monopole schaffen abhängigkeiten, Freie Software schafft keine Abhängigkeiten sondern ermöglicht jedem die Freiheit zu machen was er will (Ausnahme die "Freiheit ala Clausi", anderen diese Freiheit wieder zu verwehren, dies wird zumindest bei Copyleft Lizenzen nicht zugestanden) und die volle Kontrolle über die Technik zu haben die immer stärker sein Leben bestimmt. Das hat absolut nichts mit Monopolen zu tun

                        Score: 3 Von netsrac am Do, 23. März 2006 um 20:52 #
                        >Monopole schaffen abhängigkeiten, Freie Software schafft keine Abhängigkeiten sondern ermöglicht jedem die Freiheit zu machen was er will

                        Denke einfach mal darüber nach, was es bedeuten würde, wenn die libc nicht unter der LGPL, sondern unter der GPL stehen würde. Und dann überlege noch mal, was Du da geschrieben hast.

                        Score: 3 Von clausi am Do, 23. März 2006 um 22:59 #
                        Für mich ist [...] Macht dagegen Entscheidungen zu treffen die zu einem großteil andere betreffen.

                        Dann hat die FSF keine Macht, wenn sie entscheidet, die GPL zu empfehlen? Dann hat der einzelne Entwickler keine Macht, wenn er seine wichtige Bibliothek oder Anwendung unter die GPL stellt?

                        Gerade durch die Definition des "abgeleiteten Werkes" in der GPL beeinflussen diese Entscheidungen andere; sie entsprechen damit Deiner Definition von Macht. Und je allgegenwärtiger GNU/Linux wird, desto mächtiger werden die, die hier Einfluß ausüben können.

                        Sie zeigen jetzt schon wenig Bereitschaft, die Interessen aller zu berücksichtigen. Im Gegenteil: Sie gängeln bereits diejenigen, die ihre Auffassung von 'Freiheit' nicht teilen.

                        • Score: 3 Von pinky am Do, 23. März 2006 um 23:06 #
                          >Gerade durch die Definition des "abgeleiteten Werkes" in der GPL beeinflussen diese Entscheidungen andere;

                          Die GPL definiert keine abgeleiteten Werke. Das macht das Urheberrecht, mir wäre es lieber wenn sich das Urheberrecht darum garnicht kümmern würde, aber es macht es nunmal.

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