Login
Login-Name Passwort


 
Newsletter
Werbung

Mo, 15. Mai 2006, 12:27

Gesellschaft::Politik/Recht

Kororaa wegen eines angeblichen GPL-Verstoßes gestoppt

Das Kororaa-Projekt, das als eines der ersten eine Live-CD mit Novells Xgl herausgebracht hat, wurde wegen eines angeblichen GPL-Verstoßes auf Eis gelegt.

Zu einem ungewöhnlichen Schritt haben sich die Entwickler des Kororaa-Projektes entschlossen. Nachdem eine Email eines verärgerten GPL-Verfechters das Projekt erreichte, hat es die Arbeit an der Xgl Live CD-Distribution eingestellt.

Ein nicht namentlich genannter Nutzer warf dem Projekt vor, mit der Einbindung von proprietären Treibern in die Kororaa-Distribution die Rechte der GNU GPL-Lizenz verletzt zu haben. Der Absender bezieht sich dabei explizit auf den zweiten Paragrafen der GPL, der vorsieht, dass »jede verbreitete oder veröffentlichte Arbeit, die ganz oder teilweise von dem Programm oder Teilen davon [Anm. d. Red: der GPL] abgeleitet ist, Dritten gegenüber als Ganzes unter den Bedingungen dieser Lizenz ohne Lizenzgebühren zur Verfügung gestellt werden muss«. Der Nutzer geht deshalb davon aus, dass der Mix aus einem GPL-Kernel und binären Treibern gegen die GPL verstoße, und fordert deshalb die Entwickler auf, sich den Bedingungen der GPL zu beugen.

Bereits früher waren sowohl in der Mailingliste des Kernels als auch in einschlägigen Foren hitzige Diskussionen über die Zulässigkeit binärer Treiber im Kernel entflammt. Linus Torvalds bekräftigte zwar in der Vergangenheit, dass er kein Gegner proprietärer Treiber sei, er sehe aber in der momentanen Lösung eine Grauzone. Alan Cox hält das Linken von binären, unfreien Treibern unter Linux ebenfalls für problematisch. Der wohl größte Kritiker von binären Treibern, Greg Kroah-Hartman, hält dagegen grundsätzlich die Nutzung von geschlossenen Treibern im Kernel für einen Verstoß gegen die GPL und kämpft bereits seit geraumer Zeit gegen die Vermengung des GPL-Kernelcodes mit proprietären Treibern. Auch viele andere Kernel-Entwickler halten die momentane Praxis für illegal. Proprietäre Treiber kommunizieren sehr stark mit der API des Kernels und seien deshalb ein abgeleitetes Werk (»derived work«) des Kernels. Diese Ansicht ist jedoch unter Juristen umstritten. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich die Kernel-Entwickler wehren, ein einheitliches API für Treiber zu erstellen, das die Einbindung auch geschlossener Treiber erlauben würde.

Unterdessen wollen die Macher des Kororaa-Projektes die Sachlage klären und fragen nach der Rechtmäßigkeit der Distribution. Bis dahin will das Projekt die Distribution von Xgl Live CD aussetzen. Ob sie allerdings eine einheitliche Antwort auf ihre Frage bekommen, ist fraglich.

Werbung
Pro-Linux
Pro-Linux @Facebook
Neue Nachrichten
Werbung