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Fr, 26. Mai 2006, 14:55

Software::Distributionen::Debian

Supermarkt Debian

Entwickler Joey Hess hat nach einer Diskussion mit Mark Shuttleworth auf der letzten DebConf ein Blog über die Hintergründe seiner geäußerten Befürchtungen geschrieben.
Von ThomasS

Mit Bezug auf einen Artikel von Robin 'Roblimo' Miller über die letzte DebConf hat Joey Hess in einem Blog seine Befürchtungen für die Weiterentwicklung des Debian-Projekts näher erläutert. Grundsätzlich hatte Hess, wie auf Newsforge berichtet, auf der DebConf 2006 seine Sorge zum Ausdruck gebracht, dass Debian mehr und mehr in die Rolle eines bloßen technischen Hintergrund-Projekts durch die wachsende Popularität polierter Debian-Varianten gedrängt werden könnte. Seiner Befürchtung nach bedienen sich die Debian-Derivate in einer Art Supermarkt-Mentalität bei Debian. Diese Mentalität könnte Debian als System sowohl Entwickler als auch Nutzer kosten, da es nur noch als Ansammlung von Komponenten wahrgenommen wird. Dieser Trend könnte für Joey Hess dazu führen, dass Debian als Distribution zunehmend bedeutungslos und lediglich als bloßes Repositorium von Paketen ohne speziellen Nutzen für Benutzer werden wird.

In seinem Blog macht Joey Hess klar, dass es ihm nicht, wie von einigen nicht namentlich genannten Ubuntu-Entwicklern unterstellt, ums Jammern geht. Im Rückblick hat seine Motivation immer darin bestanden, Debian zur besten freien Distribution werden zu lassen. Dabei ist es ihm völlig egal, ob seine Arbeit von anderen weiterverwendet wird, besonders wenn etwas davon wieder an das Debian-Projekt zurück fließt. Im Hinblick auf den grundsätzlich Wert von Debian als Distribution betont Hess, dass für ihn nicht etwa das Paketieren neuer Software, sondern die gemeinsame Arbeit an der Integration der verfügbaren Software zu einem stimmigen System den eigentlichen Mehrwert für Debian bringt. Die bloße Herstellung und Pflege einzelner Pakete als Komponenten für Derivate ist für ihn mit einem Verlust an Motivation verbunden.

Gerade im Hinblick auf die wachsende Popularität von Ubuntu befürchtet der Entwickler ein zunehmendes Desinteresse im Debian-Projekt, paketübergreifende Integrationsarbeiten ausführen zu wollen oder zu können. Zu diesen Arbeiten zählt er Verbesserungen am Bootprozess, der Installationsroutine, die Internationalisierung, Support neuer Hardware, die Integration von Xen oder SELinux und die Realisierung zweckmäßiger Desktop-Standards. In einigen der benannten Bereiche hat Ubuntu nach Beobachtung von Hess die Nase vorn. Die bislang an Debian zurückfließenden Beiträge von Ubuntu beschränken sich allerdings überwiegend auf individuelle Patches, deren Integration in Debian eine zeitintensive Aufgabe ist. In der sich abzeichnenden Rolle wird Debian daher zunehmend auf die Funktion eines Komponenten-Lieferanten reduziert. Mit den Entwicklungen der Derivate Schritt halten zu müssen, heißt für den Entwickler, dass über das erforderliche und schwierige Patch-Management hinaus kaum Zeit für die aufwändige Integrationsarbeit bleiben wird.

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