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Do, 8. Juni 2006, 15:46

Software::Systemverwaltung

Diskussion um Reengineering von Treibern im Linux-Kernel

Unmittelbar in Folge eines von Andrew Morton gelieferten Überblicks zum kommenden Kernel ist auf der Linux Kernel Maillingliste eine rechtliche Diskussion um Treiber entfacht.
Von ThomasS

Unmittelbar, nach dem Andrew Morton einen Überblick zum nächsten Kernel 2.6.18 gegeben hatte, ist zwischen mehreren Kernelhackern eine Diskussion um die Legalität bestimmter Treiber aufgekommen. Insbesondere der ACX100 Wireless-Treiber wurde von Jeff Garzik benannt, der durch die Aufnahme des Treibers eine rechtliche Schwächung des juristischen Status von Linux fürchtet. Zur Begründung verwies der Hacker darauf, dass es zwar keinerlei technische Bedenken gegen die Integration des Treibers gebe. Allerdings stammt der Treiber für Garzik aus einer rechtlich bedenklichen Quelle, da bei der Entstehung nicht die Grundsätze der sogenannten "clean-room practices" beachtet wurden. Solche Praktiken spielen insbesondere im amerikanischen Recht eine Rolle, sie erfordern, dass das Reengineering vom eigentlichen Akt der Produktion eines Treiber sowohl personell als auch räumlich getrennt sein müssen. Da diese Prizipien offenbar bei dem ACX-Treiber nicht befolgt wurden, fürchtet Garzik eine rechtliche Schwächung des Linux-Projekts durch die Integration in den Kernel.

Arjan van de Ven verneinte Garziks Befürchtungen mit dem Hinweis, dass es sich bei den Prinzipien der "clean-room practices" um eine rein amerikanische Sache handele und diese selbst in den USA nur eine geringe rechtliche Bedeutung hätten. Daher steckt für ihn hinter den Befürchtungen Garziks eigentlich nur der Wunsch, in den USA auf der besonders sicheren Seite sein zu wollen. Wenn man die Prinzipien wirklich zugrunde legen würde, dann müssten ca. 50% aller Treiber aus dem Linuxkernel entfernt werden, merkte er an. Außerdem gäbe es eine Reihe anderer richtiger Wege im Reengineering, daher ist die Forderung nach einwandfreien Treibern im Lichte von "clean-room practices" für ihn unsinnig.

Alan Cox findet das Reengineering von Treibern auch aus einem weiteren Grund schwierig, besonders über die Grenzen von ähnlichen Betriebssystemen hinweg. Im zurückliegenden Fall des PWC-Kamera-Treibers waren z.B. keine neuen Implementierungen entworfen, sondern einfach auf Reengineering beruhender Quellcode kopiert worden. Dies sei eine unangenehme Sache gewesen, die sich nicht wiederholen sollte, warnte er. In der weiteren Diskussion beharrte Garzik darauf, dass man nicht allzu leichtfertig seine Einwände mit einer "US-Recht-nervt-integriert-es-trotzdem"-Haltung ignorieren sollte. Christoph Hellwig scheint der Ansicht, dass die ganze Debatte um das Reengineering überflüssig ist. Schließlich habe man im OpenBSD-Projekt die meisten Wireless-Chips bereits erfolgreich ausgetüftelt, nur Linux scheint in Sachen Wireless-Treiber immer mehr hinterherzuhinken, befürchtet er. Offenbar scheint man sich auf der LKML zunächst auf die Prozedur geeinigt zu haben, die jeweiligen Beitragenden im Bedarfsfall nach der Quelle des eingereichte Codes direkt zu fragen. Jedenfalls sollte man nach Meinung von Alan Cox generell immer ein waches Auge auf den Entstehungshintergrund von Treibern haben.

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