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Thema: Welche Lizenz bevorzugen Sie bei Anwendungen?

45 Kommentar(e) || Alle anzeigen ||  RSS || Kommentieren
Kommentare von Lesern spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.
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Von coNP am Fr, 8. September 2017 um 14:31 #

Mein privat entwickeltes Zeug veröffentliche ich immer unter GPLv3.
Genau so nicht-interne Entwicklungen unserer Firma.
Obgleich ich auch mal mit der LGPL und der MIT Lizenz geliebäugelt habe, konnten mich beide bis dato nicht überzeugen.

  • 1
    Von pataa am Sa, 9. September 2017 um 10:59 #

    Und warum nicht?

    Mein privat entwickeltes Zeug liegt unter MIT Lizenz. GPL ist mir persönlich zu "gruselig".

    • 0
      Von coNP am Mo, 11. September 2017 um 11:01 #

      Ich finde beide Lizenzen (MIT, LGPL) auf der einen Seite gut, weil sie sehr tolerant sind.
      Auf der anderen Seite fehlt mir bei ihnen, im Gegensatz zur GPL, die Durchsetzung des Copyleft.

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Von kraileth am Fr, 8. September 2017 um 15:30 #

Paßt zu dem, was mir wichtig ist, am besten: Es soll um die Software gehen und nicht um einen Paragraphenwust und die Software soll möglichst vielen Leuten, die etwas damit anfangen können, für möglichst viele denkbare Zwecke zur Verfügung stehen. Ich freue mich, wenn Menschen ihre Errungenschaften ohne Hintergedanken anderen zur Verfügung stellen und will deshalb auch selbst dem Nutzer nicht mit seitenlangem Rechtsgeschwafel quälen und ihm irgendwelche unnötigen Bedingungen aufhalsen.

Grundsätzlich ist „public domain“ auch ganz nett aber in Deutschland rechtlich nicht umsetzbar. Lizenzen wie die WTFPL („Do what the fuck you want to Public License“) lösen das Problem zwar, aber ein Gestrüpp aus Lizenzen ist auch nichts, was ich gutheiße. Wenn es nach mir geht, reichen für die meisten Projekte drei mögliche Lizenzen aus: GPL2 für Freunde von Restriktionen via Copyleft, BSD für Freunde permissiver Lizenzen und Apache2 als Mittelding. Und ich selbst stehe dabei ganz klar im permissiven Lager.

  • 1
    Von #! am Fr, 8. September 2017 um 16:29 #

    In einer perfekten Welt würden auch "permissive" Lizenzen ohne Copyleft dafür sorgen, dass alle "Menschen ihre Errungenschaften ohne Hintergedanken anderen zur Verfügung stellen".
    Da wir nicht in einer solchen Welt leben brauchen wir das Copyleft als Kindergartenspielregel.

    Denn sonst sorgst Du mit deiner "permissiven" Lizenz dafür, dass jemand Deine Errungenschften mit extrem "seitenlangem Rechtsgeschwafel" und in Form sittenwidriger EULAs versieht.

    Wenn man damit einverstanden ist, dass seine Errungenschaften auch mit "seitenlangem Rechtsgeschwafel" in Form von EULAs verwendet werde dürfen, kann man die LGPL verwenden.

    Was ist denn davon abgesehen für Dich der Vorteil einer BSD- oder MIT/X11-artigen Lizenz gegenüber der WTFPL?

    • 1
      Von kraileth am Fr, 8. September 2017 um 20:54 #

      Wir sind uns einig, daß wir nicht in einer perfekten Welt leben und ich finde die Wortwahl sogar ziemlich gelungen. Versteht man das „perfekt“ nicht nur im heute geläufigen Wortsinn von „vollkommen“, sondern auch als vollendet / abgeschlossen („perfectus“), dann wird der Prozess deutlich, um den es mir geht. Wir alle sind Wesen, die durch Erfahrungen lernen und wachsen können. Dazu muß man aber die Möglichkeit erhalten! Und hier sehe ich die von Dir genannte Kindergartenspielregel als ziemlich hinderlich an.

      Natürlich halte ich meine Kinder davon ab, auf die sprichwörtliche heiße Herdplatte zu greifen, einfach um wirklich schlimmen Schaden von ihnen abzuwenden und gewisse Regeln - z.B. nicht mit dem Besteck herumzufuchteln um sich nicht gegenseitig die Augen auszustechen - halte ich für unbedingt geboten. Aber ich will sie nicht in Seide einwickeln. Wenn ein Kind mal zu waghalsig balanciert, stürzt es eben ab und schlägt sich die Knie auf. Nicht schön und sicher nichts, was man forcieren würde, aber auch nicht extrem tragisch. Gerade auch kleinere negative Erfahrungen helfen bei der Charakterbildung und dem Abschätzen der eigenen Fähigkeiten genauso wie dem Erkennen der Lebensrealität. Das künstlich von einem Kind vollständig fernzuhalten wäre auf lange Sicht betrachtet grausamer, als manche Erfahrungen zuzulassen.

      Permissive Lizenzen zu verwenden bringt niemanden um. Und wenn jemand mein großzügig verschenktes Werk nimmt und ziemlich undankbar damit umgeht? Klar, finde ich schade. Diese Person ist noch nicht reif genug, um eine ethische Entscheidung treffen zu können. Aber hier kommt's: Sie kann es werden. Ihr kann irgendwann ein Licht aufgehen, wenn sich Dankbarkeit für das Geschenk einstellt. Man mag einwenden, daß das bei manchen nie passiert. Das kann schon sein. Aber bei anderen wird es passieren - und das ist unendlich wertvoll! Wenn die Lizenz aber zu „ethischem Handeln“ zwingt, fehlt die freie Entscheidung, das Richtige zu tun. Ich habe die Anführungszeichen auch gesetzt, weil ich überzeugt bin, daß man ethisches Handeln (das notwendig einer ethischen Motivation bedarf) gar nicht erzwingen kann, sondern nur etwas, das äußerlich so aussieht. Und auf einen rein äußerlichen Betrug kann ich verzichten.

      Die GPL ist, das sagen auch ihre Verfechter, ein Lückenbüßer, weil ethisches Handeln nicht selbstverständlich ist. Aus meiner Sicht ist sie aber nicht nur keine Lösung sondern wird Teil des Problems, weil sie den Zustand, aus dem sie ihre Begründung herleitet, zementieren hilft.

      Der Vorteil von BSD gegenüber WTFPL (oder auch MIT, ISC & Co. die ja sogar fast deckungsgleich sind) ist aus meiner Sicht, daß es eine „bekannte“ Lizenz ist. Inhaltlich bin ich mit den anderen genauso einverstanden. Aber ich bevorzuge es, wenn Dinge einfach gehalten werden. Lizenzen sind kein Selbstzweck und ich will nicht unnötig mithelfen, daraus ein Gestrüpp zu machen. Wer als Entwickler sieht, daß Code als „2-clause BSD” lizenziert ist, der weiß gleich, womit man es zu tun hat. Wenn sich stattdessen alle z.B. auf MIT einigen würden, wäre ich auch dabei. Der Name ist mir ziemlich gleichgültig.

      • 3
        Von pataa am Sa, 9. September 2017 um 11:16 #

        Schön geschrieben!

        Ich habe mich auch etwas eingehender mit Freier Software Lizenzen beschäftigt und konnte leider nichts wirklich freies finden. Es ist eine BSD-Lizenz mit zusätzlicher unfreien "Fußfessel". Ist weiter nicht schlimm, bis das es fälschlicherweise mit Freiheit assoziiert wird. Auch Copyleft hat seine Daseinsberechtigung.

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        Von who knows am Sa, 9. September 2017 um 13:09 #

        Exakt so argumentierte ich, ginge es mir darum möglichst freien Zugriff auf die Arbeit anderer zu erlangen...
        Die Behauptung, dass Du selbst nennenswerte Teile deiner Werke unter die BSD-Lizenz stellst, passt ebenfalls in dieses Bild. Natürlich schließe ich daraus nicht auf deine tatsächlichen Absichten. Allerdings bezweifle ich, dass ein unreifer Charakter an Weisheit gewinnt, wenn er niemals mit den Konsequenzen seines Handelns konfrontiert wird. Die BSD-Lizenz halte ich für akzeptabel, genau dann, wenn der darunter stehende Code nur einen kleinen Teil des resultierenden Produktes ist, welches unter einer unfreien Lizenz vertrieben wird. Das Argument hierfür ist der Umstand, dass man diesen Teil durch etwas Eigenes ersetzen könnte, ohne den Aufwand für das gesamte Produkt deutlich zu erhöhen.

        who knows

        • 0
          Von kraileth am So, 10. September 2017 um 07:24 #

          Der erste Satz trifft es: Ja, ich würde es begrüßen, möglichst freien Zugriff auf schon geleistete Arbeit zu erhalten. Allerdings nicht aus pekuniären Gründen (über seine Funktion der Vereinfachung des Waren- und Dienstleistungsaustausches hinausgehend messe ich ihm keine besondere Bedetung bei und habe wenig Muße, ihm nachzujagen, nur um mich an abstrakten Zahlen auf meinem Konto zu erfreuen). Ich habe in meiner Kindheit eine besondere Faszination für diese elektrischen Rechenknechte erfahren, die bis heute anhält und möchte ganz gerne erleben, wie weit wir's mit ihnen bringen. Nichts dagegen, ab und an „das Rad neuzuerfinden“, wenn man im Abstand von vielleicht einem Jahrzehnt mit größerem theoretischem Wissensschatz anders an die Sache herangeht. Aber es ist völlig verschwendete Mühe, wegen kleinlicher Lizenzstreitigkeiten ein quelloffenes Werk nicht nutzen zu können, nur weil dem Autor danach war, gewisse Einsatzgebiete auszuschließen. Nicht falsch verstehen: Ich billige dem Autor jedes Recht dazu zu. Es ist dennoch schade.

          Daß manche Leute nicht mit den Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert werden mögen, ist richtig. Andere aber werden es und wenn auch nicht jeder daraus lernt: Es ist (nahezu) der einzige Weg, um sich weiterzuentwickeln. Übrigens ist die Tatsache, daß es kein moralischer Gewinn zu erwarten ist, wenn keine Konsequenzen erlebt werden, kein Einwand dagegen, solche Konsequenzen überhaupt zu ermöglichen!

          Ein Teil BSD-Code in einem ansonsten unfreien Produkt? Sicherlich besser als nichts. Spricht mich aber nicht besonders an, da ich grundsätzlich unfreie Produkte meide. GPL ist bei mir Schmerzgrenze.

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        Von Nur ein Leser am Sa, 9. September 2017 um 22:53 #

        Und wenn jemand mein großzügig verschenktes Werk nimmt und ziemlich undankbar damit umgeht? Klar, finde ich schade. Diese Person ist noch nicht reif genug, um eine ethische Entscheidung treffen zu können. Aber hier kommt's: Sie kann es werden. Ihr kann irgendwann ein Licht aufgehen, wenn sich Dankbarkeit für das Geschenk einstellt. Man mag einwenden, daß das bei manchen nie passiert. Das kann schon sein. Aber bei anderen wird es passieren - und das ist unendlich wertvoll!
        Träum weiter von einer pädagogischen Mission, die Du mittels Softwarelizenz vollbringst...

        Diese Leute, die sich zu ethischem Handeln aus eigener Motivation entschließen, mag es durchaus geben und ich will das nicht kleinreden. Auch ich habe längere Zeit freie Software nur genommen und erst später angefangen, etwas zurückzugeben.

        Jetzt gehören zur Realität auf diesem Planeten aber auch wirklich rücksichtslose Menschen und Organisationen. Welche, die gezielt nach ihrem eigenen Vorteil suchen und denen Ethik am Ar*** vorbei geht, solange die Kasse stimmt. Ein Extremfall reden wir hier von Kriminellen, im weniger drastischen Fall von Schmarotzern.

        Beispiele dafür gibt es haufenweise, gerade im Bereich billiger Embedded-Hardware, auf die mal schnell was "kostenloses" draufgebügelt wird, selber Software entwickeln ist schließlich zu teuer. Aber auch im Big Business der Virtualisierung stehen ja einige unter Verdacht, sehr teure Software auf den Fähigkeiten freier Software zu entwickeln und dann alles als eigenes Werk zu monetarisieren.
        Und gegen solche Machenschaften richten sich Copyleft-Lizenzen. Gegen das bewusste, geschäftsmäßige Schmarotzen.

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          Von kraileth am So, 10. September 2017 um 08:26 #

          Also, „pädagogische Mission mittels Softwarelizenz“ ist ein kleinwenig höher gegriffen als das, was ich beabsichtige. Ich halte es generell mit der Empirie: Man muß Menschen Erfahrungen machen lassen. Ein Verbotsregime oder auch eine noch so wohlmeinende Diktatur (ohne Anführungszeichen - denn ich halte das für absolut möglich) sind eine Katastrophe für die Gesellschaft, weil sie lauter unreife Menschen erzeugen. Im Bereich Softwarelizenz gilt meiner Meinung nach das gleiche.

          Du führst Kriminelle an. Klar, die gibt's. Sogar nach herkömmlichen Maßstaben ist es sicher nicht verfehlt, Firmen wie Google so zu benennen (sonst würden nicht wieder und wieder immense Strafen gegen sie verhängt). Wenn ich an Microsoft und an die Halloween-Papers dieser Welt denke, dann ergibt sich ein Sumpf von krinimeller Energie, über den man als normaler Mensch nur staunen kann. Aber hier mein Einwand: Gegen wirkliche Kriminelle kommst du mittels Gesetzen alleine nicht an. Die Mafia interessiert wenig, daß sie nicht erlaubt ist. In solchen Fällen muß man mehr tun. Copyleft mag hier ein Stolperdraht sein, um kriminelles Handeln gerichtlich erweisen zu können. Organisierte Kriminalität ist aber nicht dumm und lernt daraus - zumeist leider nicht, anständig zu sein, sondern solche Fallen zu umgehen.

          Bleiben die Schmarotzer. Ich bin gewillt, diese um der Freiheit willen zu ertragen. Andere ziehen ihre Motivation eher aus dem Neid und gönnen den Schmarotzern ihren „Erfolg“ nicht. Sicherlich ist beides legitim. Übrigens finde ich gerade die angesprochenen Schmarotzer ziemlich schrecklich - weil sie furchtbare Geräte auf den Markt werfen und mit diesem Müll den Leuten effektiv schaden.

          Ich bin früher auch Copyleft-Verfechter gewesen und kenne die Argumentation, um diese Position zu vertreten. Meine Motivation war vor allem, daß ich der Ungerechtigkeit entgegentreten wollte, anständige Leute durch die bösen Großkonzerne abgezockt und um ihre Arbeit betrogen zu sehen. Inzwischen sehe ich das anders. Den Programmierern, deren Werk verwendet wird, ohne daß sie dafür geldlich entlohnt werden, entsteht nur ein theoretischer Verlust (analog zu den „Verlusten“ der Content-Mafia, die diese immer wieder voller Ingrim geltend macht, wenn jemand, der ohnehin nie ins Kino geht und keine DVDs kauft, auf kino.to unterwegs war).

          Die BSD-Leute bringen die unterschiedliche Geisteshaltung mit zwei kurzen Sätzen auf den Punkt. GPL: „Fuck, they took our code!!“ BSD: „Cool, they used our code!“ Und sie legen nach: „Glaubst du denn wirklich, daß das Netz ein besserer Ort wäre, wenn Microsoft damals NICHT den TCP/IP-Stack aus BSD hätte nehmen und auf Windows portieren können, sondern wegen der Lizenz etwas eigenes hätte entwickeln müssen?“ Das ist der Punkt: Wenn ich mir anschaue, wie Microsofts Ruf in bezug auf Sicherheit zu Zeiten von Win 9.x war, dann graust es mir bei dem Gedanken - denn es war immerhin schon so gerade schlimm genug! Und da nicht ganz wenige Leute ein Betriebssystem aus besagtem Hause nutzten, öffnet sich im Bereich Sicherheit die Hölle für uns alle, auch wenn wir selbst gar keine Microsoft-Produkte nutzen.

          Aber ich gehe noch einen Schritt weiter: Sogar die gedankenlosen Schmarotzer schaden auf mittlere Sicht sich selbst. Beispiel: Juniper & Co. Es gab da dieses permissiv lizenzierte Betriebssystem namens FreeBSD, sagen wir in Version 6.x. „Cool, können wir verwenden, anstatt selbst etwas entwickeln zu müssen, und wir können es sogar closed-source machen!“ Das haben sich damals einige gedacht (und gemacht) - mit einem mitleidigen Lächeln auf den Lippen für die Idioten, die ihre Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung stellten. Einige Jahre später hat sich dann gezeigt, daß es eine ziemlich dumme Idee war: FreeBSD war inzwischen bei Version 9.x oder sogar 10.x angekommen. Das eigene System auf Basis von 6.x mußte schon lange aufwändig gepflegt werden, weil die Gemeinschaft natürlich keine Fehlerbehebungen mehr vornahm. Dazu hatte man ein technologisch stark veraltetes Fundament, das an allen Ecken und Enden ächzte. Und noch schlimmer: Es gab keinen guten Weg, aufzuholen! Im Grunde mußte man das alte Produkt wegwerfen, das neue System als Grundlage nehmen und alle Änderungen, die man entwickelt hatte, mit dem neuen gleich nochmal durchführen (nur um dann in einigen Jahren wieder vor dem gleichen Problem zu stehen!). Die eigene Profitgier ist diesen Geiern ziemlich schmerzhaft auf die Füße gefallen (und darüber grinsen jetzt die anderen).

          Aber der Schmarotzer, wie Du ihn nennst, ist ja geschäftstüchtig. Er entwickelt sich weiter. „Schmarotzer 2.0” sozusagen. Beispiel gefällig? Nimm Xinuos. Welch „guten“ Ruf der Quasi-Vorgänger SCO hatte, muß ich sicher nicht gesondert erwähnen. Xinuous hat seine „Open Server“-Plattform auf FreeBSD umgestellt. Diesmal hat man allerdings nicht irgendein Release genommen, sondern sich auf FreeBSD-CURRENT (die Entwicklungsversion) gestürzt und bleibt „am Ball“. Alle Änderungen, die man selbst vornimmt und die nicht aus bestimmten Gründen geheim bleiben sollen, werden an die Gemeinschaft zurückgegeben und in das für alle verfügbare System integriert. Kapitalistisches Gewinnstreben (denn ich möchte Xinuous gar nicht irgendwelche grundedlen Motive andichten) führt dazu, daß beide Seiten profitieren: Ein weiterer Sieg für das Kooperationsmodell (und ein viel weniger schmarotzender Schmarotzer, der nun vielmehr eher ein Symbiont geworden ist).

          Und ich lege noch eine Schippe drauf: Die Gesetzmäßigkeiten des Systems führen meiner Ansicht nach letztlich zu einer Systemüberwindung (zu einer sanfteren, wohlgemerkt, als wenn wir uns für morgen früh 5:00 Uhr verabreden, mit Fackeln und Knüppeln bundesweit die Behörden und Banken zu stürmen). Warum? Einfach weil dieses neue Modell zu einer Partnerschaft führt, in der beide Seiten gewinnen: Die „Grundversion“ ist offen und kostenlos, wer „mehr“ braucht, zahlt für die kostenpflichtige Version (das sind meist auch eher Firmenkunden und die können das Geld sicher erübrigen). Irgendwann aber wird die freie Version 99,x% der Funktionalität abdecken, die man braucht. Und dann wird es interessant: Welches „Besser“ rechtfertigt nach kapitalistischer Logik das Geldausgeben gegenüber „gut genug und kostenlos“?

          Wenn man nicht ganz so pessimistisch oder sogar menschenfeindlich eingestellt ist, spielt die Zeit sogar für uns. Auf längere Sicht löst sich der Knoten. Wenn man bereit ist, sich auch nur ein bißchen einzuschränken, ist der Punkt „gut genug“ vielfach sogar schon erreicht (in Sachen Software - bei der Hardware stehen wir noch ziemlich am Anfang, aber das wird auch noch). Jene Organisationen, die von der kapitalistischen Triebfeder geleitet sind, entsprechen dem Mephistopheles Goethes, der „stets das Böse will und stets das Gute schafft“. Zumindest auf lange Sicht. Zumindest ich möchte dieser Entwicklung keine (Lizenz-)steine in den Weg legen, sondern im Gegenteil: Mitmachen.

          Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert. Zuletzt am 10. Sep 2017 um 08:47.
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            Von blablabla233 am So, 10. September 2017 um 13:12 #

            Top geschrieben, Top Einstellung :up: :up:

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            Von who knows am So, 10. September 2017 um 15:07 #

            Das was Du da postulierst, würde ich mit „antiautoritärer Erziehung“ umschreiben. Die GPL fiele demnach unter die Rubrik „autoritäre Erziehung“. Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass die GPL in größerem Umfang gerichtlich durchgesetzt würde. Da dies aber weder der Fall, noch so beabsichtigt ist, interpretiere ich die GPL als eine freie Lizenz mit dem deutlichen Hinweis, dass Missbrauch nicht erwünscht ist. BSD hingegen äussert sich hierzu absolut nicht, erlaubt also implizit diesen Missbrauch. Solange in dieser Gesellschaft die Menge verfügbaren Geldes als Maßstab für Erfolg und sozialen Status dient, wird der von dir beschriebene Effekt bei all jenen, die „mit den Ellbogen denken“ nicht eintreten. Dieser Art Mensch ist es schlicht egal, wenn das erarbeitete Wissen für andere verloren ist. Das Argument der Inkompatibilität mit späteren Versionen ist zwar völlig korrekt, aber es zieht nur dann, wenn der bisherige Nutznießer daraus etwas lernt. Das ist bei kleineren Unternehmen, wo noch „Herzblut“ drinsteckt, sicherlich zutreffend. Bei Großunternehmen wechselt das Management hingegen alle paar Jahre. Der Lerneffekt dürfte vernachlässigbar sein. Hingegen hat der so agierende Unterner in den ersten Jahren einen großen, im Falle von „Juniper“ sogar riesigen Wettbewerbsvorteil. Das heißt also, wer so agiert drängt möglicherweise „ehrliche“ Mitbewerber vom Markt. Stichwort „Time to Market“. Gelingt es ihm dabei eine marktbeherrschende Stellung zu erlangen, so wird er auch trotz technologisch veralteter Basis noch eine ganze Weile davon profitieren. Das reicht allemale um den Rückstand wett zu machen oder aber die Firma mit, im Vergleich zum Einsatz, riesigem Gewinn zu verkaufen. Die Folge sind also mögliche volkswirtschaftliche Schäden, aber wohl kaum ein Gewinn an Erkenntnis. Gelänge es die breite Masse an Entwicklern, Designern und allem, was sonst noch für ein erfolgreiches Produkt notwendig ist, dazu zu bewegen, die Resultate eines Teiles ihrer Arbeitskraft via BSD-artigen Lizenzen verfügbar zu machen, so verstärkte sich der negative Effekt sogar noch. Für Forschung und Lehre ist die BSD-Lizenz (https://en.wikipedia.org/wiki/Berkeley_Software_Distribution) sicher eine gute Wahl, da es in diesen Kreisen ohnehin verpöhnt ist, die Werke anderer zu nutzen, ohne dies entsprechend zu würdigen, aber in der sogenannten „freien Marktwirtschaft“ zählt am Ende nur der wirtschaftliche Erfolg. Niemand würde zum Beispiel „Juniper“ daran hindern, das Spiel zu wiederholen. Falls der eigene „Beitrag“ zum Produkt klein genug ist, lohnt sich sogar die Portierung auf ein neueres BSD. Falls nicht, so ist der ursprüngliche Grund, eine BSD-artige Lizenz abzulehnen nicht gegeben, da ja dann offensichtlich die Eigenleistung überwiegt. Dem gegenüber kann dann auch der Aufwand für die Pflege des Basissystems vernachlässigt werden.

            who knows

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              Von CC0 am So, 10. September 2017 um 17:09 #

              Für Forschung und Lehre ist die BSD-Lizenz (https://en.wikipedia.org/wiki/Berkeley_Software_Distribution) sicher eine gute Wahl,

              Man sollte auch folgendes nicht vergessen: "For computer software produced under FAR ( Federal Acquisition Regulations) contract, the scope of the government's license does include the right to distribute to the public"

              Und wenn man sich die Geschichte der Berkeley Software Distribution so durchliest findet man: "1980 wurde ein Vertrag mit der Forschungsabteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums DARPA geschlossen."

              Möglicherweise erfolgte die Offenlegung nicht ganz freiwillig... ;)

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              Von kraileth am Mo, 11. September 2017 um 06:55 #

              Was den Erziehungsaspekt angeht, möchte ich diesen etwas differenziert wissen, dann kann ich damit leben. Das, was man geschichtlich unter „antiautoritärer Erziehung“ verstand, ist grausam und unbedingt abzulehnen. Kinder brauchen sowohl Anleitung von Erwachsenen als auch deutlich gesetzte Grenzen. Das Auto zerkratzen, weil es so schön klingt? Geht natürlich gar nicht. Mit dem Glimmstängel ankommen? Nicht bei mir. Die Kinder müssen nach blöden Aktionen keine Angst haben, nach Hause zu kommen, aber ich kann schon auch etwas lauter werden (was manche Leute als unheimlich „autoritär“ auslegen). Eine gewisse Schärfe hat da, wo sie nötig ist (Ermessenssache) durchaus seine Berechtigung.

              Wo immer möglich funktioniert aber am besten: Erziehung durch Vorbild. Bei Kindern sowieso, aber auch bei Erwachsenen. Und genau hier mache ich den Unterschied: Einwirken auf seine volljährigen Mitmenschen geht eigentlich nur von Gleich zu Gleich. Und damit fällt die „autoritäre“ Methode aus - denn wer bin ich, anderen im Befehlston irgendetwas Weltanschauliches vorschreiben zu wollen? Davon abgesehen, daß es ziemlich sicher seine Wirkung verfehlen wird: Meine Mitmenschen ständig damit zu nerven, daß Fleischkonsum echt ungesund ist (und sie damit dringend aufhören sollten) dürfte ein ziemlich sicherer Weg sein, sicherzustellen, daß sie weiterhin Fleisch essen. Wer angegriffen wird, schaltet natürlicherweise in eine Abwehrhaltung. Anderes Beispiel: Der Wagen hinter mir drängelt, obwohl ich selbst schon knapp 20 km/h drüber bin. Klar, mir kann jetzt einfallen, daß ich es heute wirklich gar nicht eilig habe und daß 45 auch reichen (und dabei sicherstellen, daß ich garantiert trotzdem nicht überholt werde). Das typische „Verkehrserzieher spielen“ eben. Nur: Von „Erziehung“ bleibt da gar nichts, ich erziehe nicht, sondern reize den anderen nur bis aufs Blut. Da ich nicht höher von Rang bin, spiele ich effektiv Hilfssheriff - und das kann im Kleinen ganz schön anmaßend rüberkommen (und wirkt dann kontraproduktiv). Anders sieht es meiner Ansicht nach aus, wenn ich einen Betrunkenen davon abhalte, in sein Auto zu steigen - dann bin ich höher im „Rang“, da nüchtern.

              Genau das trifft aber auch bei den Firmen zu: Nur weil ich mich moralisch höher stehend wähne, habe ich ihnen gesellschaftlich noch gar nichts zu sagen. Sie würden sich wahrscheinlich auf den konkurrierenden Standpunkt stellen: „Was willst du eigentlich - der Erfolg gibt schließlich UNS recht!“. Anders sieht es natürlich bei Eigentum aus. Wenn jemand auf die Idee käme, meinem Gartenzaun einen Anstrich in einer anderen Farbe zu verpassen, würde ich ihn fragen, ob er einen Schaden hat. Ist schließlich meiner und unterliegt damit auch alleine meiner Entscheidungsbefugnis. Ebenso bei von mir geschriebenem Code: Ich bin der Urheber, ich entscheide. Das ist auch der Grund, warum ich natürlich akzeptiere, wenn jemand Code unter die GPL stellt. So weit kann ich Dir entgegenkommen.

              Ich halte es aber - aus den vorher schon angeführten Gründen - für sinnvoller, eine permissive Lizenz zu wählen. Denn Deine Position läuft genau darauf hinaus, was ich der GPL unterstelle: „Solange in dieser Gesellschaft die Menge verfügbaren Geldes als Maßstab für Erfolg und sozialen Status dient“, usw. Hier arrangierst Du Dich mit den herrschenden Verhältnissen, obwohl sie Dich stören. Damit stützt Du sie sogar gewissermaßen.

              Dem von Dir postulierten volkswirtschaftlichen Schaden möchte ich auch widersprechen, bzw. der direkten Ursache. Denn die liegt meiner Ansicht nach weniger im rücksichtslosen Verhalten der erfolgreichen Firmen als vielmehr darin, daß die Mehrheit der Bevölkerung diese Maßnahmen unterstützt. Wenn der Käufer ethische Entscheidungen treffen würde (vorausgesetzt, seine wirtschaftliche Situation ermöglicht es - denn das ist wieder ein ganz anderes Problem!), wären etwa Massentierhaltung und Intensivlandschaft, welche die Natur ruinieren und zu „Nahrung“ in Abfallqualität aber zu billigen Preisen führen, am Ende. Da sind wir aber noch nicht, auch wenn die Entwicklung langsam (quälend langsam) weiter in diese Richtung gehen wird (um mal Wahrsager zu spielen).

              Und zum Schluß das wichtigste: Es ist immer vielversprechender, den Schwung des Gegners zu nutzen, anstatt riesige Kraft (die man vielleicht gar nicht hat) aufbringen zu wollen, um dienen erst zu stoppen und dann noch einen Konter zu versuchen. Ja, die Großkonzerne sind praktisch durch die Bank weg unethisch. Ich reiche ihnen trotzdem die Hand (in der Überzeugung, daß das keine Teufel sind, sondern moralisch unreife Menschen) und suche nach Möglichkeiten, den beiderseitigen Vorteil zu erringen. Langfristig, davon bin ich überzeugt, setzen wir uns damit durch. Wenn wir uns nur in den Weg stellen, bekommen beide Seiten blaue Flecken (wir sicherlich einige mehr) und die größere Gewalt setzt sich durch. Ich mag aber Gewalt nicht so richtig gern.

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                Von Frank F. am Mo, 11. September 2017 um 07:36 #

                Hört sich ja alles sehr schön an, scheint aber z.B. im Falle von Apple (OS X basiert auf *BSD) nicht zu funktionieren:

                "In der Europa-Zentrale von Apple sollen katastrophale Zustände herrschen. Eine Mitarbeiterin berichtet in einem neuen Buch von Depressionen, Burnouts und sogar Selbstmorden, Appelle an Tim Cook und andere Manager sollen keinen Erfolg haben. Das Stimmungsbild widerspricht völlig der Aussendarstellung des Unternehmens."

                Wo ist jetzt der Vorteil denen auch noch etwas zu schenken? Fühlt man sich da besser wenn der Börsenkurs von Apple steigt, die Mitarbeiter aber schlecht behandelt werden?

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                  Von kraileth am Di, 12. September 2017 um 03:32 #

                  Wo der Vorteil darin liegt, den Konzernen etwas zu schenken? Das kann ich Dir nicht sagen. Aber ich weise die dabei mitschwingende Unterstellung zurück und möchte betonen, daß es sich dabei entweder um ein Mißverständnis oder ein Ablenkungsmanöver handelt. Denn ich habe nie gefordert, etwas Apple & Co. zu schenken. Ich plädiere dafür, Dinge an alle zu verschenken. Und das ist ein erheblicher Unterschied. Deine Argumentation liefe in letzter Konsequenz darauf hinaus, daß ein Forscher, der eine Möglichkeit zur sauberen Energiegewinnung entdeckt hat seine Erkenntnisse nicht publiziert, weil es ja auch den IS gibt. Aber ist die Bestrafung der Missetaten Einzelner wirklich wichtiger als die uneigennützige Förderung aller? Ich komme einfach nicht umhin, die GPL mehr und mehr mit einem sehr negativen Wirklichkeits- und Menschenbild zu assoziieren. Es ist einfach eine pessimistische Lizenz...

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                Von who knows am Mo, 11. September 2017 um 14:49 #

                Wo immer möglich funktioniert aber am besten: Erziehung durch Vorbild. Bei Kindern sowieso, aber auch bei Erwachsenen. Und genau hier mache ich den Unterschied: Einwirken auf seine volljährigen Mitmenschen geht eigentlich nur von Gleich zu Gleich. Und damit fällt die „autoritäre“ Methode aus - denn wer bin ich, anderen im Befehlston irgendetwas Weltanschauliches vorschreiben zu wollen?
                ...

                Hier wird der Schwachpunkt deiner Argumentation allzu offensichtlich: „von Gleich zu Gleich“. Du setzt dabei voraus, dass ein Manager den „einfachen Coder“ als gleichberechtigt ansieht. Das widerspricht jeglicher Erfahrung im Umgang mit Menschen, die nach Macht und Einfluss streben. Diese Manager selbst wenden allzugerne juristische Mittel, wie etwa die Patentkeule an, um ihren Willen durchzusetzen. Deiner Argumentation zufolge könnten ganze Staaten auf den immens teuren Luxus einer eigenen Armee verzichten und stattdessen die andere Wange hinhalten. Ein kurzer Blick in die Weltgeschichte genügt aber um diese Vorstellung ad Absurdum zu führen. „Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Wer auch immer diesen Spruch, so oder ähnlich, formuliert hat, der wusste genau wovon er sprach. Um wieder zum ursprünglichen Thema zurückzukommen: Ein Manager in einem Großunternehmen wird nur den „für voll nehmen“, der ihn selbst empfindlich treffen kann. Lehrreiche Erfahrungen wären hier nur dann zu erwarten, wenn die breite Masse der Anwender hier genau so empfindlich reagierte, wie es im wissenschaftlichen Umfeld üblich ist. Dazu fehlt es dieser aber an Informationen. Das Copyright der BSD-Lizenz ist meist so gut versteckt, dass man es nur sieht, wenn man danach sucht. Es ist zum Beispiel unüblich beim Start eines Programmes mit einem unübersehbaren Banner darauf hinzuweisen das einige Bestandteile aus Quellen mit BSD-artiger Lizenz stammen. Die Beispiele, die Du anbringst klingen recht populistisch. Du verteilst die Rollen nach eigenem Gutdünken so, dass sie den GPL-Anwender als „notorischen Bremser“ darstellen. Die Entwicklung behindert aber, wer Teile seines Wissens, die der Allgemeinheit nützlich sein könnten, vorsätzlich zurückhält. Nicht umsonst sind zum Beispiel mathematische Algorithmen nicht patentierbar. Wäre dem so, gäbe es wohl einige sehr reiche Nachfahren kluger Köpfe.
                Und zum Schluß das wichtigste: Es ist immer vielversprechender, den Schwung des Gegners zu nutzen, anstatt riesige Kraft (die man vielleicht gar nicht hat) aufbringen zu wollen, um dienen erst zu stoppen und dann noch einen Konter zu versuchen.
                Da legst Du die GPL aber sehr eigenwillig aus. BSD-artige Lizenzen nutzen niemals „den Schwung des Gegners“ aus. Das ist dort nicht einmal im Ansatz vorgesehen. Die GPL hingegen gibt ihrem Anwender wenigstens einen Hebel in die Hand. Es gibt unter den „bösen“ Großkonzernen einige, die mittlerweile auch Code unter der GPL veröffentlichen. Darunter einige, die sogar einem Konzern wie MS die Stirn bieten könnten. Deine argumentative Darstellung des GPL-Nutzers als hilflos mit den Beinen strampelndes Insekt läuft damit ins Leere...

                who knows

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                  Von kraileth am Di, 12. September 2017 um 06:01 #

                  Der Manager Deines Beispiels sieht meiner Ansicht nach den Programmierer tendenziell gar nicht, wenn irgendwo fertiger, brauchbarer Code rumliegt. Deswegen schrieb ich auch davon, daß diese Leute durch die Spielregeln „des Marktes“, denen sie sich unterworfen haben und an die sie wahrscheinlich glauben, bestimmt werden. Das ist gewissermaßen eine andere Welt als unsere, in der sie sich bewegen - und dazu eine Welt, die uns nicht besonders behagt. Laß sie mal nach Einfluß streben! Wer kein kompletter Idiot ist, sieht ziemlich schnell, daß er gerade auch für den eigenen Erfolg auf andere angewiesen ist. Und hier kommen wir ins Spiel und können entscheiden zwischen a) Du bist doof b) Klar bin ich bereit, dir zuzuarbeiten, wenn wir beide etwas davon haben. Der „erzieherische“ Einfluß von b) ist marginal - der von a) nicht vorhanden (außer man ist totalitär genug eingestellt, daß man fordert, alle müßten sich a) anschließen, um etwas zu verändern - dann würde der Haß mancher Leute auf die „Streikbrecher“ von b) natürlich verständlich ;)).

                  Huch? Jetzt sind wir von einem digitalen, virtuellen Gut plötzlich in der gänzlich materiellen Sphäre des Krieges? Tut mir leid, den Vergleich gehe ich nicht mit. Es ist eine völlig andere Situation, wenn jemand lächelnd zu mir kommt und mich auffordert: „Setzen wir uns doch mal zusammen und diskutieren über Softwarelizenzen!“ als wenn jemand grimmig den Morgenstern schwingend auf mich zustürmt. Ich rede ganz bestimmt nicht der Wehrlosmachung der Völker das Wort, nur weil ich an den höheren Wert der Kooperation glaube!

                  Wenn man leidenschaftlich argumentiert (war das denn wirklich je ein Problem?), dann fällt heute wohl der „Populismus“vorwurf. Gut, damit kann ich leben und werde weiterhin von meinem Recht Gebrauch machen, die Dinge so zu schildern, wie sie sich mir darstellen. Das tut die Gegenseite übrigens auch und ich glaube sogar, eher mit Wertungen gespart zu haben, als das üblicherweise der Fall ist. Aber wir können die Diskussion natürlich auch weiter zuspitzen, indem ich etwa auf die Zeloten der Stallman-Truppe verweise, alle ihre Verdienste unter den Tisch fallen lasse und mich stattdessen über deren Beschimpfung meiner bevorzugten Lizenz als „lax“ beklage. Dann kommst Du wieder. Anschließend fällt mir auf, daß „notorische Bremser“ vielleicht etwas zu wohlwollend formuliert ist und mir „kleingeistige Provinzstümper“ viel besser gefällt. Nur: Wo ist der Vorteil davon? Wo der Gewinn im Hinblick auf die Frage, die wir hier eigentlich behandeln?

                  Abschließend: Ich lege die GPL gar nicht aus, ich habe besseres zu tun, als dieses Monster immer wieder zu lesen. Den Schwung des Gegners (oder dessen Finanzkraft) ausnutzen, sehe ich durch die Kooperation, die uns langfristig mehr nützt, erfüllt. Darum ging es - in diesem Fall sogar teilweise unabhängig von der Lizenz. Immerhin gibt es auch Kooperationen mit Firmen, welche sich der GPL gebeugt haben, wie Du richtig herausstellst. Und wo der GPL-Nutzer als hilfloses Insekt erschienen sein soll, erschließt sich mir leider nicht ganz.

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            Von Nur ein Leser am So, 10. September 2017 um 21:29 #

            Ich bin früher auch Copyleft-Verfechter gewesen und kenne die Argumentation, um diese Position zu vertreten. Meine Motivation war vor allem, daß ich der Ungerechtigkeit entgegentreten wollte, anständige Leute durch die bösen Großkonzerne abgezockt und um ihre Arbeit betrogen zu sehen. Inzwischen sehe ich das anders. Den Programmierern, deren Werk verwendet wird, ohne daß sie dafür geldlich entlohnt werden, entsteht nur ein theoretischer Verlust
            Das ist ein Argument, das meines Erachtens total ins Leere geht.
            Copyleft geht es überhaupt nicht um die Entlohnung von irgendjemandem. Man kann mit Copyleft auch niemanden zwingen, Geld für den Code zu bezahlen, wie soll das gehen?

            Es geht den Verfechtern des Copyleft darum, die Freiheit unter der das originale Werk stand, zu erhalten. Und zwar nicht nur im Sinne der Programmierer, sondern insbesondere im Sinne der Anwender.
            Denn was garantiert denn eine Copyleft-Lizenz wie z.B. die GPL? Das das abgeleitete Werk wieder unter der GPL steht und das der Anwender/Kunde einer Software das Recht hat, den Quellcode zu bekommen, zu modifizieren und für alle erdenklichen Zwecke einzusetzen.
            Es ist, um die GPL zu erfüllen, nicht notwendig, den modifizierten Code in ein öffentliches Repository einzustellen. Oder dem ursprünglichen Entwickler zukommen zu lassen. Geschweige denn, ihn zu entlohnen.
            Dem ursprünglichen Entwickler einer Copyleft-Software ist sehr wohl bewusst, das er sein Werk unentgeltlich zur Verfügung stellt.

            Die BSD-Leute bringen die unterschiedliche Geisteshaltung mit zwei kurzen Sätzen auf den Punkt. GPL: „Fuck, they took our code!!“ BSD: „Cool, they used our code!“
            Das ist genau der Punkt, den ich bei vielen Verfechtern der BSD-Lizenzen rauslese: Sie denken nur aus Perspektive der Entwickler. Der Code soll frei sein, um alles damit zu machen. Und sie freuen sich, wenn jemand verwendet, sogar wenn er seine Anwender damit total einsperrt und abzockt.

            Die GPL-Leute dagegen finde ich falsch dargestellt. Niemand hat etwas dagegen, wenn der Code verwendet wird.
            Solange der Code-Verwender die Freiheit des Codes achtet und erhält, insbesondere im Sinne der User (s.o.).

            Fazit: Unter anständigen Leuten wie den originalen, universitären Unix-Entwicklern ist die BSD-Lizenz vollkommen ausreichend. Weil die es als selbstverständlich ansahen, freien Code weiterhin frei zu halten, wenn er modifiziert wurde.
            Die GPL dagegen wurde als direkte Reaktion auf die Kommerzialisierung der Unixe durch Unternehmen entwickelt. Weil die eben nicht nach den ungeschriebenen Regeln spielten und sowohl die ursprünglichen Entwickler, als auch insbesondere die Freiheit ihrer Anwender außen vor ließen. Für das Geschäftsmodell.

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              Von kraileth am Di, 12. September 2017 um 03:22 #

              Bei Copyleft geht es tatsächlich gar nicht um Geld - trotzdem wird von den Beführwortern immer wieder ins Feld geführt, daß ohne Copyleft die armen Entwicker „abgezockt“ würden, da andere mit ihrer Leistung Geld verdienen würden. Diese Argumentationsrichtung kommt nicht von mir. Ich habe nur darauf reagiert.

              Dann kommst Du auf das abgeleitete Werk zu sprechen und wir sind tatsächlich beim Kern der Angelegenheit angekommen: Der virulente Charakter der GPL. Entweder ich beuge mich dem unsäglichen Zwang, daß andere mir diktiren, unter welcher Lizenz auch mein Gesamtwerk, das fremde Teile verwendet, zu stehen hat, oder ich kann diese Teile nicht nutzen. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, daß das alles halb so wild sei, da man als anständiger Mensch ja ohnehin den Code später freigeben wolle. Ich mag aber nun weder Kettenbriefe noch das Schneeballsystem noch Metastasen. Das sind einfach zerstörerische Mechanismen. Und wenn man dann noch das Etikett „Freiheit“ draufpackt, wird es richtig pervers. Aber gut. Die Anhänger der Zeugen Jehovas oder von Scientology fühlen sich auch frei - zumindest bis zu dem Punkt, an dem sie an den Ausstieg denken...

              Und schließlich recyclest Du doch den Vorwurf, den Du oben etwas von Dir gewiesen hast: Nämlich daß permissiver Code dazu genutzt werden könnte, den Anwender abzuzocken. Das bestreite ich ganz klar: Die GPL-Verfechter lassen es immer so klingen, als könne BSD-Code, der etwas naiv allen zur Verfügung gestellt wurde, uns durch dritte Parteien wieder weggenommen werden. Dem ist aber nicht so! Er ist immernoch da und kann verwendet werden. Wenn irgendwelche Firmen den Code nehmen und ein verbessertes Produkt daraus herstellen, das weder kostenlos zu haben ist noch im Quellcode zur Verfügung steht, entsteht kein Schaden (oder nur ein sehr theoretischer). Denn es muß immernoch jemand bereit sein, die verbesserte Version zu nutzen (die es ohne den freien Code ggf. überhaupt nicht gäbe!) und dafür zu zahlen. Außerdem: Auch die GPL hilft dagegen nur im Ansatz: Für ein technisches Publikum etwa, das mit dem Quellcode überhaupt etwas anfangen kann. Der durchschnittliche Endanwender hat genau garnichts davon, wenn z.B. Android-Quellen offen sind und er sich ein Mobilsystem ohne Google-Store & Co. zusammenbauen kann. Ein gewisser Gewinn entsteht vielleicht dann, wenn andere das tun und wieder öffentlich zur Verfügung stellen. Trotzdem weiß der gemeine Anwender damit nichts anzufangen (wie kriege ich das überhaupt aufs Gerät - wenn ich denn weiß, daß es das gibt).

              Der letzte Einwand ist insoweit berechtigt, als daß ich auch ein bedauerliches Handeln bei den Konzernen sehe (man muß sich nur mal vor Augen halten, daß „Open Source“ keine Idee irgendwelcher zotteliger Hippies ist, sondern der Normalzustand vor der Kommerzialisierung war!). Aber: Nein, kein Softwarekonzern nimmt mir meine Freiheit weg, ohne daß ich dem zustimme. Ich habe immernoch die Entscheidungsfreiheit, eine Software nicht einzusetzen. Daß viele Leute unfreie Software verwenden hängt mit den Lockkünsten (Werbung & Co.) der Konzerne zusammen. Aber niemand muß Windows, gmail, Steam nutzen. Es gibt Alternativen - und im Zweifel die Möglichkeit des Verzichts.

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                Von Nur ein Leser am Di, 12. September 2017 um 09:43 #

                Der virulente Charakter der GPL. Entweder ich beuge mich dem unsäglichen Zwang, daß andere mir diktiren, unter welcher Lizenz auch mein Gesamtwerk, das fremde Teile verwendet, zu stehen hat, oder ich kann diese Teile nicht nutzen. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, daß das alles halb so wild sei, da man als anständiger Mensch ja ohnehin den Code später freigeben wolle. Ich mag aber nun weder Kettenbriefe noch das Schneeballsystem noch Metastasen. Das sind einfach zerstörerische Mechanismen. Und wenn man dann noch das Etikett „Freiheit“ draufpackt, wird es richtig pervers.
                Nochmal: Es geht nicht nur um die Freiheit der Entwickler, zu tun und zu lassen, was sie wollen.
                Es geht auch um die Freiheit der Anwender, die durch das "virulente" Copyleft erhalten bleibt. Ich bringe Dir auch gleich ein Beispiel.

                Und Du zeigst Deine Freiheit als Entwickler ja selbst auf: Du kannst Dich entscheiden, GPL-Code nicht zu verwenden.

                Denn es muß immernoch jemand bereit sein, die verbesserte Version zu nutzen (die es ohne den freien Code ggf. überhaupt nicht gäbe!) und dafür zu zahlen. Außerdem: Auch die GPL hilft dagegen nur im Ansatz: Für ein technisches Publikum etwa, das mit dem Quellcode überhaupt etwas anfangen kann. Der durchschnittliche Endanwender hat genau garnichts davon, wenn z.B. Android-Quellen offen sind und er sich ein Mobilsystem ohne Google-Store & Co. zusammenbauen kann. Ein gewisser Gewinn entsteht vielleicht dann, wenn andere das tun und wieder öffentlich zur Verfügung stellen.
                Und jetzt kommt ein ganz lebenspraktisches Beispiel, was Copyleft für uns alle vollbringt:

                Ich habe vor ein paar Jahren einen Router von Dlink gekauft. Dessen Firmware basiert, wie so viele, auf Linux. Dlink steht somit auf den Schultern von Riesen und hat gute Funktionen anbieten können, mit minimalstem Entwicklungsaufwand. Dlink hat auch brav den Quellcode angeboten/veröffentlicht.
                Ich hätte, um den Router zu benutzen, nicht auf die unverbesserte Version der Software zurückgreifen können, denn ein Vanilla-Linux läuft nun mal nicht direkt auf dem Router. Dafür muss man die Hacks kennen, die im abgeleiteten Werk - in diesem Fall der Dlink-Firmware - enthalten sind.

                Wie das jetzt so bei den Embedded-Firmen ist - nachdem das Gerät verkauft ist, erlischt das Interesse an der Pflege der Software quasi sofort. Es wurden noch 3 minimale Updates nachgeschoben, aber schon 2,5 oder 3 Jahre nach Marktstart wurde der Router "abgekündigt". Sprich, er erhält null Support, selbst wenn gravierende Sicherheitslücken enthalten sind (was ja leider nicht unwahrscheinlich ist).
                Dlink hätte jetzt gerne, das ich ein neues Gerät kaufe, und in 3 Jahren dann wieder das nächste. Würden Sie eine BSD-Lizenz verwenden und hätten ihre modifizierte Firmware nicht veröffentlichen müssen, könnte ich auch nichts dagegen tun - außer komplett auf deren Geräte verzichten (Wobei dann noch die Frage nach den Alternativen bleibt, denn die anderen Hersteller machen es ja genauso. Es gibt quasi keine echten Alternativen.).

                Weil die Quellen aber veröffentlicht werden mussten (Copyleft sei Dank), gab es fleißige Entwickler, die eine Version von openWRT/LEDE für diesen Router bereitstellen konnten.
                Nochmals: Ohne die Kenntniss der Besonderheiten des abgeleiteten Werks (der Firmware) wäre das unmöglich gewesen.

                Das Copyleft hat mich als (relativ unbedarften) Anwender beschützt und mir die Freiheit gegeben, eine modifizierte Firmware auf dem Gerät einzuspielen und die (durchaus gute und leistungsfähige) Hardware weiter zu benutzen.
                Ohne Copyleft hätte ich hier nur noch Elektroschrott stehen gehabt.

                Und noch ein Hinweis an der Stelle: Das grandiose openWRT/LEDE ist nur aufgrund des "virulenten" Charakters der GPL möglich. Weil ein Hersteller damals tolle Router gebaut hat, mit super Firmware, die er sich zu großen Teilen aus GPL-Komponenten zusammengebaut hat. Ohne dann sein eigenes Werk zu veröffentlichen - dazu wurde er dann gerichtlich verdonnert.

                Also, Du wirst Deine Meinung sicher nicht ändern (ich meine auch nicht ;) ), aber ich begrüße Copyleft. Es schützt die schwachen Marktteilnehmer.
                BSD geht von Marktteilnehmern auf Augenhöhe aus (von Entwickler zu Entwickler), aber das ist in der Realität nun mal die Ausnahme.

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    Von inta am Sa, 9. September 2017 um 11:07 #

    Ich finde die Lizenzsituation echt schwierig. Ich mag die langen Lizenztexte nicht, da ich selbst keinen Bock habe die zu lesen, gehe ich davon aus, dass es anderen ähnlich geht. Auf der anderen Seite sind gerade die Lizenzen die zuverlässig etwas ähnliches wie Public Domain in Deutschland ermöglichen relativ lang (CC0). Eigentlich würde ich gerne zur Unlicense greifen, denn die ist sehr kurz, aber leider wohl nicht so rechtsicher wie die CC0. Es ist traurig, dass die Gesetze in den verschiedenen Ländern keine einfachen Lizenzen zulassen.

    Die BSD (2-clause) missfällt mir aus zwei Gründen: Erstens ist es mir schon zu kompliziert klarzustellen, dass die 2-clause und nicht die 3- oder 4-clause BSD-Lizenz gemeint ist und zweitens will ich gar nicht, dass der Urheber genannt und der Lizenztext erhalten werden muss. Wenn schon permissive, dann richtig.

    Grundsätzlich habe ich aber auch nichts gegen Copyleft-Lizenzen, jede freie Software ist mir lieber als proprietäre.

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Von coNP/poly am Sa, 9. September 2017 um 04:06 #

Ich veröffentliche meinen Code immer ohne Lizenz, gebe also formal niemandem das Recht zu irgendwas. Das ist optimal, denn

a) jeder normale Mensch wird mit meinem Code machen, was er gerne möchte, das ist mir recht, das ist meine Intention.

b) Paragraphenreiter, Lizenz-Nazis und Stock-im-Arsch-ler dürfen meinen Code damit weder benutzen, noch verändern noch vervielfältigen. Das ist mir auch recht, wenn solche Leute meinen Code nicht benutzen. :x

Grüße aus einem rechtsfreien Raum.

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Von Marius am Sa, 9. September 2017 um 08:34 #

Hi,

ich persönliche habe oft ein Problem mit der passenden Lizenz zu finden. GPL, BSD und MIT usw. möchte ich nicht nehmen, da sie alle unter US-Recht fallen. Das ist mir aufgefallen als ich Fedora und mal CentOS saugen wollte und dort eine US-Export-Beschränkung angezeigt wurde und beim nachforschen fand ich heraus das dies für alle OSS Lizenzen gilt die in den USA ansässig sind. Finde ich schon etwas "pervers"...

Vielleicht weis das ja einer: Gibt es EU OSS Lizenzen?

  • 0
    Von Schulz am Sa, 9. September 2017 um 10:31 #

    Ja, gibt es, Zum Beispiel die

    OPEN-SOURCE-LIZENZ FÜR DIE EUROPÄISCHE UNION v. 1.2, EUPL © Europäische Union 2007, 2016

    „Kompatible Lizenzen“ nach Artikel 5 der EUPL sind:

    GNU General Public License (GPL) v. 2, v. 3

    GNU Affero General Public License (AGPL) v. 3

    Open Software License (OSL) v. 2.1, v. 3.0

    Eclipse Public License (EPL) v. 1.0

    CeCILL v. 2.0, v. 2.1

    Mozilla Public Licence (MPL) v. 2

    GNU Lesser General Public Licence (LGPL) v. 2.1, v. 3

    Creative Commons Attribution-ShareAlike v. 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0) für andere Werke als Software

    European Union Public Licence (EUPL) v. 1.1, v. 1.2

    Québec Free and Open-Source Licence — Reciprocity (LiLiQ-R) oder Strong Reciprocity (LiLiQ-R+)

    0
    Von Sumpfwanderer am Sa, 9. September 2017 um 10:33 #

    Was meinst du denn mit "unter US-Recht fallen"? Die MIT-Lizenz enthält zwei Absätze, welcher von beiden genau ist denn US-spezifisch und nicht in EU-Recht anwendbar?

    Und welche US-Exportbeschränkung meinst du genau? Früher war das schärfer, da gab es auch immer eine non-US-Version von Mozilla und Netscape, weil starke Kryptographie nicht exportiert werden durfte...

    • 0
      Von Schulz am Sa, 9. September 2017 um 11:46 #

      "DIE SOFTWARE WIRD OHNE JEDE AUSDRÜCKLICHE ODER IMPLIZIERTE GARANTIE BEREITGESTELLT, EINSCHLIESSLICH DER GARANTIE ZUR BENUTZUNG FÜR DEN VORGESEHENEN ODER EINEM BESTIMMTEN ZWECK SOWIE JEGLICHER RECHTSVERLETZUNG, JEDOCH NICHT DARAUF BESCHRÄNKT. IN KEINEM FALL SIND DIE AUTOREN ODER COPYRIGHTINHABER FÜR JEGLICHEN SCHADEN ODER SONSTIGE ANSPRÜCHE HAFTBAR ZU MACHEN, OB INFOLGE DER ERFÜLLUNG EINES VERTRAGES, EINES DELIKTES ODER ANDERS IM ZUSAMMENHANG MIT DER SOFTWARE ODER SONSTIGER VERWENDUNG DER SOFTWARE ENTSTANDEN."

      Diesen Haftungsauschluss gibt es nicht im europäischen Recht, folglich ist er automatisch unwirksam.

      • 0
        Von wmcig am Sa, 9. September 2017 um 11:49 #

        Das Problem an den ganzen Lizenzen ist tatsächlich, dass alles ziemlich US-fest ist. Aber die Europäer oder der Rest der Welt sind doch selber Schuld.

        Es wurden schon vor 20 Jahren keine eigenen Systeme, Firmen oder Internetgiganten aufgebaut. Man hat sich bei allem zu sehr auf die USA verlassen. Und nun hat man den Salat! Der Zug ist abgefahren!

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        Von Sumpftaucher am Sa, 9. September 2017 um 11:53 #

        Interessant, folglich müssten deutsche Softwarehersteller für Sicherheitslücken haften? Oder gar amerikanische Softwarehersteller, wenn sie in Deutschland Geschäfte machen?

        Wer zieht Microsoft für die Lahmlegung des deutschen Bahnverkehres durch WannaCry zur Verantwortung?

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          Von Schulz am Sa, 9. September 2017 um 12:11 #

          Ich glaube du hast die Sache falsch verstanden:

          -in dein MIT-lizensiertes Programm fügst du einen Codeschnipsel ein den du irgendwo im Internet gefunden hast oder an den du dich gerade erinnerst.
          -ich verwende dein MIT-lizensiertes Programm in meinem kommerziellen Programm.
          -es stellt sich später heraus das der Codeschnipsel unter dem Copyright von XYZ steht
          -XYZ verklagt mich auf Schadensersatz
          -Du bist in Europa als Verbreiter des MIT-lizensierten Programms uneingeschränkt haftbar, MIT-Lizenz hin oder her. Ich hingegen bin fein raus.

          • 0
            Von Sumpfbewohner am Sa, 9. September 2017 um 13:21 #

            Interessant. Und in den USA wäre ich in der Situation fein raus, obwohl ich nachweislich den Code verbreitet habe, an dem XYZ die Urheberrechte hält? Das zu glauben fällt mir schwer.

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              Von Schulz am Sa, 9. September 2017 um 14:56 #

              Dann solltest du dir die MIT-Lizenz mal durchlesen:

              ...SOWIE JEGLICHER RECHTSVERLETZUNG< , JEDOCH NICHT DARAUF BESCHRÄNKT. IN KEINEM FALL SIND DIE AUTOREN ODER COPYRIGHTINHABER FÜR JEGLICHEN SCHADEN ODER SONSTIGE ANSPRÜCHE HAFTBAR ZU MACHEN...

              Das US-amerikanische Recht erlaubt durchaus solche Einschränkungen, besonders wenn kein Vorsatz vorliegt. Es ist ja durchaus möglich das man unabsichtlich geschützten Code, patentierte Algorithmen u.ä. verwendet. Wer in den USA MIT-lizensierten Code verwendet, der muss diesen selbst auf Rechtsverstösse nachprüfen.

              Der komplette Ausschluss der Gewährleistung in den US-amerikanisch geprägten Lizenzen steht jedoch in Widerspruch zum deutschen AGB-Recht (hier §§ 307, 308 BGB), wonach u.a. die Gewährleistungsrechte nur in geringem Umfang eingeschränkt werden können. Allerdings wird man sich im Rahmen der OSS auf §§ 516 ff. BGB berufen, wonach u.a. die Haftung bei Schenkungsverträgen auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt ist und eine Sachmängelhaftung nur bei Arglist in Betracht kommt. Trotzdem: Gehaftet wird trotzdem bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit, sowie Arglist. Ein völliger Ausschluß der Haftung ist in Europa nicht möglich.

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    Von BeS am Sa, 9. September 2017 um 20:11 #

    Es ist wohl keine Lizenz so international wie die GPLv3. Sie wurde in einem bis heute einmaligen Prozess entwickelt, bei dem Experten aus der ganzen Welt beteiligt wurden. Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass die Lizenz so formuliert ist damit sie in allen Ländern möglichst eindeutig zu interpretieren ist.

    Die Exportbestimmungen welche Marius angesprochen hat, haben nichts mit der Lizenz zu tun. Darunter fällt alles was aus den USA exportiert wird. Da Fedora (und CentOS) zu einem großen Teil auf US Server liegt und wohl juristisch einige Verbindungen zu RedHat (eine US Firma) hat, ist es ganz normal das hier gewisse Export Regeln gelten. Dies hat aber nichts mit der Lizenz oder den einzelnen Programmen zu tun.

    > fand ich heraus das dies für alle OSS Lizenzen gilt die in den USA ansässig sind. Finde ich schon etwas "pervers"...

    Lizenzen sind nirgends ansässig. Firmen und Organisationen sind teilweise in der USA ansässig und fallen dann natürlich unter deren Export Bestimmungen. Software die du z.B. in Deutschland entwickelst, haben mit den US Export Bestimmungen nichts zu tun, ganz egal welche Lizenz du wählst.

    • 0
      Von Marius am So, 10. September 2017 um 15:48 #

      Bedeutet dies, dass wenn ich CentOS (source und binaries) von einem EU-Server sauge, dass diese Beschränkungen dann nicht für mich existieren? Bei den Amis kann ich mir das nicht im entferntesten vorstellen :D

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        Von BeS am So, 10. September 2017 um 17:17 #

        Ich kenne mich in den Gesetzen auch nicht bis in das letzte Detail aus. Da CentOS mittlerweile aber zu RedHat gehört gehe ich davon aus, das die Export Bestimmungen immer gelten.

        Da RedHat CentOS aber auf europäischen und US Servern uns zum download anbietet gehe ich davon aus, dass sie die Export Bestimmungen einhalten. Das betrifft ja am Ende mehr den Anbieter als den Kunde. RedHat exportiert ja seine Software wenn sie diese hier (zum Kauf) anbiete und nicht der Kunde.

        Die etwas älteren unter uns kennen vielleicht auch noch das Debian repository non-us. In den USA galten früher sehr strenge Export Bestimmungen für crypto Software. Debian umging das damit, dass sie die ganze crypto Software in einem speziellen repo (non-us) hatten welches es nur auf nicht US Servern gab. Damit haben sie keine crypto Software exportiert und damit griffen auch keine US Export regeln.

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Von nico am Sa, 9. September 2017 um 22:41 #

Das hängt vom jeweiligen Projekt ab. Bibliotheken und Frameworks eher LGPL. Reine Anwendungen eher GPL. Allgemeiner Krams eher BSD. Leider (oder zum Glück) steht heute keine Anwendung für sich allein und ist sowohl von dessen Einsatzzweck, als auch von dessen Ökosystem abhängig. Dadurch ist man fast automatisch gezwungen bestimmte Lizenzen zu nutzen.

Wirklich interessant ist im zweiten Schritt die Interpretation der Lizenz. Gerade bei GPL scheiden sich die Geister, wie streng diese Ausgelegt wird.

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