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Do, 27. Juni 2019, 15:00

Red Hat Enterprise Linux 8

Knapp fünf Jahre nach der letzten Hauptversion hat Red Hat eine neue Generation von Red Hat Enterprise Linux (RHEL) vorgestellt. Pro-Linux schaute sich den Unternehmensmarkt fokussierende Distribution eine Zeit lang an und unterzog es einem Test in einem Produktivszenario. Eine Bestandsaufnahme.

Allgemein

redhat.com

Red Hat Enterprise Linux (RHEL) ist das Flagschiff des US-amerikanischen Distributors Red Hat und bildet den Unterbau der meisten kommerziellen Produkte des Herstellers. Das System fokussiert, wie schon der Vorgänger Red Hat Enterprise 7 (RHEL 7), den Unternehmensmarkt und wurde erstmalig im Mai 2002 veröffentlicht. Ziel der Freigabe war es, eine speziell für Geschäftskunden ausgerichtete Distribution mit Support- und Schulungsangebot anzubieten. Mitte 2003 hat Red Hat die an Privatkunden gerichtete Paketdistribution »Red Hat Linux« eingestellt und mit Fedora ein freies Produkt vorgestellt, das die Basis für RHEL bilden sollte.

Seit der Vorstellung von Fedora ist die Trennung der Distribution weitgehend klar. Während Fedora den Heimanwender fokussiert und die neuesten Technologien einbindet, richtet sich RHEL an konservative Nutzer, Unternehmen, Organisationen und Behörden, deren primäre Prämisse die Stabilität ist. Diesen Umstand nutzen deshalb gerne auch Drittanbieter aus, weshalb RHEL oftmals von externen Softwarehäusern wie Oracle oder SAP für einen Enterprise-Einsatz zertifiziert wurde.

Red Hat veröffentlicht deshalb relativ spärlich neue Hauptversionen der Distribution und kam seit der Einführung von RHEL gerade mal auf sieben Freigaben. Dafür versorgt das Unternehmen die bereits freigegebenen Varianten recht lange mit Aktualisierungen. So wird die vor mehr als 10 Jahren veröffentlichte RHEL 5-Version beispielsweise noch immer noch mit Updates versorgt – auch wenn es mittlerweile nur noch in einem eingeschränkten Umfang passiert.

Red Hat unterscheidet bei der Unterstützung auch von RHEL 8 zwischen drei Phasen: Während der ersten, fünf Jahre andauernden »Full Support«-Phase«, werden in die Distribution neue Funktionen hinzugefügt und die Hardware-Unterstützung optimiert. In der zweiten, ebenfalls fünf Jahre andauernden »Maintenance Support« -Phase fügt der Distributor dem Produkt nur noch Hardwareaktualisierungen hinzu. Die dritte Phase dauert zwei weitere Jahre an und läutet das kommende Ende des Produkts ein. In der »Extended Life-cycle Support«-Phase werden deshalb nur noch kritische Fehler korrigiert und funktionale Neuerungen sind eine seltene Ausnahme.

Das System

Start des Systems

Mirko Lindner

Start des Systems

RHEL existiert in verschiedenen Varianten und kann von aktiven Abonnenten kostenlos und ohne Einschränkungen direkt von rhn.redhat.com heruntergeladen werden. Kunden mit RHEL-Subskription können dementsprechend entweder die neueste Version des Produktes nutzen oder so lange bei der alten Version verbleiben, wie sie durch den Distributor unterstützt wird. Kosten bei einem Umstieg auf die neue Version entstehen den Nutzern dabei nicht. Wer keinen kommerziellen Support wünscht und die Distribution lediglich für private Belange nutzt, kann das Produkt auch im Zuge des Developer-Programms kostenlos herunterladen oder aber auf die ebenfalls durch Red Hat unterstützte freie Abwandlung CentOS warten.

Unternehmen oder Anwender, die ein Abonnement besitzen, können die gewünschten Produkte direkt im Kundenportal des Unternehmens herunterladen. Im Falle von Red Hat Enterprise Linux 8 stehen für die Anwender gleich vier verschiedene Varianten des Systems bereit.

Während das knapp 711 MB große »KVM Guest Image«, wie der Name bereits suggeriert, eine speziell an KVM ausgerichtete Variante darstellt, bietet das 533 MB umfassende »Boot ISO« ein Minimalsystem, das zur Installation des eigentlichen Betriebssystems genutzt werden kann. Weitere Pakete müssen dabei direkt von der Seite des Herstellers heruntergeladen oder von der »RHEL 8.0 Binary DVD« installiert werden. Diese 6,62 GB große DVD kann ebenso zur Installation des Systems benutzt werden und umfasst alle wichtigen Pakete. Zusätzliche Pakete, die teils von Red Hat nicht offiziell unterstützt werden, finden sich auf der »RHEL 8.0 Supplementary Binary DVD«.

Erste Schritte

Die Installation des Systems kann nicht mehr direkt von einer Standard-DVD erfolgen, sondern Nutzer müssen entweder eine Dual-Layer-DVD, einen USB-Speicherstick oder eine Festplatte nutzen. Seit der Version 7 unterstützt Red Hat die 32-Bit-Architektur nicht mehr direkt. Kunden, die weiterhin 32-Bit-Systeme nutzen wollen, müssen entweder zu einem anderen Hersteller wechseln oder aber die mittlerweile in die Jahre gekommene Version 6 von RHEL einsetzen. Anbetracht der Tatsache, dass fast alle großen Distributoren die alte Architektur nicht mehr unterstützen, ist allerdings sicherlich die Frage zu stellen, ob eine Aufrüstung der Systeme nicht sinnvoller wäre.

Auch in der aktuellen Version von RHEL übernimmt Anaconda die Installation des Systems. Der Installer wird bereits seit 1999 durch Red Hat entwickelt und war erstmals in Red Hat Linux 6.1 enthalten. Bis Fedora 9 bzw. RHEL 6 benutzte das System ein eigenes Backend für die Hardware-Erkennung namens »kudzu«. Mittlerweile wird die Erkennung durch verschiedene Werkzeuge, darunter lshw erledigt. Dementsprechend klappt die Einbindung physischer Hardware anstandslos.

Alle großen Linux-Distributionen haben in der Vergangenheit viel Entwicklungszeit in die Verbesserung des Installationsprozesses gesteckt, sodass eine Neuinstallation von Linux mittlerweile kaum Probleme bereiten sollte. Fast alle Anbieter konzentrieren sich jetzt auf die Pflege der Werkzeuge und des Systems. So war es kaum verwunderlich, dass auch die neue Version der Enterprise-Distribution keine Probleme bei der Installation verursachte.

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