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So, 9. Dezember 2001, 00:00

Tagebuch eines Linuxreisenden, Teil 3

Nun beginnt der Nachmittags-Vortragsmarathon mit vier Vorträgen. Der erste davon nennt sich »Linux as an Embedded Platform«. Es geht hauptsächlich um Flash-Speicher und wie Linux diesen verwaltet. Leider ist der Vortragende Peter de Schrijver kein unterhaltsamer oder gar spannender Vorträger, obwohl natürlich kompetent in diesem Thema. Man hätte genauso gut die Unterlagen durchlesen können.

Felix von Leitner

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Felix von Leitner

Ganz anders Felix von Leitner, der in einem furiosen Vortrag ("glibc sucks") seine Alternative zu glibc, Diet Libc, vorstellt. Diese C Runtime-Library, die nur ein Zehntel des Speicherbedarfs von glibc hat, sollte man sich unbedingt anschauen, wenn man Bootdisketten oder andere Linux-Systeme mit geringem verfügbaren Platz erstellt. Programme, die mit Diet Libc gelinkt sind, starten nicht nur viel schneller, sondern führen viele Funktionen auch deutlich schneller aus. Diet Libc hat inzwischen einen dynamischen Linker, wenn auch momentan nur für die x86-Architektur, und könnte sogar für Desktop-Systeme interessant werden. Viele Programme funktionieren bereits, wenn man sie mit Diet Libc statt glibc linkt. Infolge der geringen Größe von Diet Libc ist sie auch mit weniger Fehlern behaftet und damit auch sicherer. Die eine oder andere Sicherheitslücke in glibc ist noch in deutlicher Erinnerung. Diet Libc steht unter der GPL und kann daher nicht mit kommerziellen Programmen gelinkt werden, es sei denn, man handelt eine Lizenz mit Felix aus.

Lars Marowsky-Brée

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Lars Marowsky-Brée

Dann spricht Lars Marowsky-Brée von SuSE vor 150 Zuhörern über »Linux HA«, also Linux auf hochverfügbaren Systemen. Derzeit gibt es viele HA-Systeme, die alle ihre eigene Programmierschnittstelle mitbringen. Dadurch sind Produkte und Projekte selten miteinander kompatibel. Ein Standard ist nötig, und bei einem Cluster-Workshop, der von Montag bis Mittwoch vor dem Kongress stattfand, wurde auch eine prinzipielle Einigung zwischen allen Beteiligten erzielt. In den nächsten Monaten soll ein Standard entworfen und implementiert werden. Eine Webseite des Projekts soll demnächst online sein. Wir werden sicher noch viel davon hören.

Den Schlußpunkt setzt Jeff Dike mit dem mit Spannung erwarteten Vortrag »User Mode Linux«. Leider ist auch Jeff kein sehr unterhaltsamer Referent, und er hat dazu noch Probleme mit dem dauernd herunterfallenden Mikro. Egal wo er es anheftet, es löst sich doch wieder. Mit User Mode Linux kann man erstaunliche Sachen machen, von Kernel-Debugging und Simulation von Netzwerken (FreeS/WAN nutzt diese Möglichkeit, mehrere virtuelle Maschinen auf einem Rechner laufen zu lassen, wobei jede ihre eigene IP-Adresse hat) über virtuelles Hosting bis zu Systemen, wo der Kernel (von User Mode Linux) über einen ganzen Rechnercluster verteilt ist. All das hätte man aber auch in den Unterlagen nachlesen können.

Jeff Dike

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Jeff Dike

Nun folgt die PGP/GPG Key Signing Party, bei der rund 25 Leute gegenseitig ihre Schlüssel und ihre Identität (anhand von Ausweisen und Führerscheinen) verifizieren. Dann wird es allmählich Zeit für den Geselligen Abend, der in geringer Entfernung, auch auf dem Universitätsgelände, stattfindet.

Geselliger Abend

Unsere Befürchtung, daß der letzte Bus in die Innenstadt bereits um 20 Uhr fahren würde, bewahrheitet sich nicht, wir können also bis nach 23 Uhr bleiben. Nach einem einleitenden Getränk werden wir ein Stockwerk höher geleitet, wo ein großes Büffet aufgebaut ist. Da sich die Personen auf vier Schlangen verteilen, gibt es nur kurze Wartezeiten. Das Essen ist ausgezeichnet, für Getränke ist auch ausreichend gesorgt, und der in zahlreichen Sorten vorhandene Nachtisch ist das i-Tüpfelchen. Nach der Schlemmerei müssen wir aber schnell wieder nach unten, da der Platz für eine weitere Veranstaltung später am Abend benötigt wird. Mit Smalltalk bei optimaler Getränkeversorgung klingt der Abend dann für uns aus. Wieviele bis zum offiziellen Ende um 0:30 blieben, weiß ich nicht, aber sicherlich setzten einige den Event dann in anderen Lokalen fort.

Wir nehmen im Hotel unser "neues" Doppelzimmer in Besitz. Ganz am Ende des Ganges gelegen, ist es für ein Hotel dieser Preisklasse einfach unglaublich. Die Farbe bröckelt von den Wänden, die Armaturen im Bad sind altertümlich (die Bäder in den anderen Zimmern sind vermutlich renoviert), und zudem müssen wir erst mal einen Kakerlaken plätten. Wir hoffen, daß es der einzige bleiben wird. Ideale Voraussetzungen also, besonders da wir am nächsten Tag früher aus dem Bett müssen (Checkout und früherer Vortragsbeginn) und ich mir eine Erkältung zugezogen habe, die nun ernsthaft ausbrechen will.

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