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Do, 12. Dezember 2013, 15:00

Linux-Starthilfe für Live-Systeme

ACPI-Funktionen erlauben: Weniger radikal als »acpi=off« ist dieser Boot-Parameter, der alle ACPI-Merkmale für Hyperthreading zulässt und das System weniger einschränkt

David Wolski

ACPI-Funktionen erlauben: Weniger radikal als »acpi=off« ist dieser Boot-Parameter, der alle ACPI-Merkmale für Hyperthreading zulässt und das System weniger einschränkt

ACPI als Fehlerquelle

Ein Dauerthema, das auf vielen Notebooks den Start von Linux-Systemen verhindert, sind inkompatible Stromsparfunktionen, um die sich ACPI (Advanced Configuration and Power Interface) kümmert, das im Bios oder UEFI untergebracht ist. ACPI wird auf den meisten Notebooks speziell für Windows mit zahlreichen Abweichungen vom Standard angeboten. Einige dieser Sonderwege hat Microsoft auch absichtlich mit dem Ziel eingeschlagen, anderen Betriebssystemen Steine in den Weg zu legen. Dies geht aus einer E-Mail von Bill Gates hervor, die in einem Kartellverfahren gegen Microsoft im Jahr 2002 als Beweismittel vorgelegt wurde. Linux muss um diese Unterschiede herumarbeiten, was aber auf einigen Notebooks nicht funktioniert. Symptome von ACPI-Problemen sind ein schwarzer Bildschirm beim Start, oder das System bootet nicht zu Ende und reagiert nicht auf Tasteneingaben oder auf eine Warmstart-Anforderung. Meist dreht währenddessen auch der CPU-Lüfter hörbar auf, da die Lüftersteuerung nicht funktioniert. Die folgenden Parameter lassen sich nicht untereinander nicht kombinieren, wohl aber mit anderen Boot-Optionen.

acpi=off: Zwingt Linux dazu, ACPI komplett zu ignorieren und damit ohne Stromsparfunktionen und Leistungsmanagement für CPU und GPU hochzufahren. In den meisten Fällen beseitigt diese Angabe die meisten Boot-Schwierigkeiten. Allerdings ist es auch eine Holzhammermethode mit erheblichen Nachteilen. Die fehlende Lüftersteuerung lässt die Lüfter auf voller Umdrehungszahl, auf Mehr-Kern-CPUs funktioniert Hyperthreading ohne ACPI nicht, und Sondertasten zur Helligkeits- und Lautstärkeregelung auf Notebooks funktionieren ebenfalls nicht. Das System fährt jedoch hoch und erlaubt so etwa die Suche in der Online-Dokumentation oder in Foren nach einer besseren Lösung über gezieltere Boot-Parameter. Identisch dazu ist übrigens der Parameter noacpi.

acpi=ht: Mit dieser Option beachtet der Linux-Kernel gerade mal so viele ACPI-Fähigkeiten der Hardware, dass Hyperthreading der CPU funktioniert. Andere Stromsparfunktionen bleiben dagegen deaktiviert. Wenn dieser weniger restriktive Parameter zum Erfolg führt, ist er acpi=off in jedem Fall vorzuziehen.

acpi=strict: Dieser Parameter weist die ACPI-Unterstützung des Kernels an, nur ACPI-Merkmale der vorhandenen Hardware zu beachten, die exakt dem Standard folgen. Abweichungen davon werden ignoriert. Auf problematischen Notebooks ist diese Option immer einen Versuch wert.

acpi=noirq: Dieser Parameter lässt die ACPI-Unterstützung des Kernels intakt, weist das System aber an, die Verteilung von Hardware-Interrupts für PCI-Geräte nicht auch ACPI zu überlassen. Bei störrischen Notebooks oder bei spontanen Abstürzen während des Betriebs kann der Parameter oft weiterhelfen. Er bewirkt übrigens das Gleiche wie pci=noacpi.

acpi=force: Einige Bios-Varianten melden an andere Betriebssysteme als Windows, dass kein ACPI vorhanden ist. Mit dieser Option lässt sich die Verwendung von ACPI im Kernel erzwingen. Nötig ist dies meistens nur bei sehr altem Bios bis 2002.

acpi_osi=linux: Wenn der Kernel das ACPI nach einer Liste unterstützter Funktionen durchsucht und dazu eine Liste kompatibler Betriebssysteme abfragt, bewirkt dieser Parameter, dass stets Linux mit in der Liste vertreten ist. Dieser Parameter kann also die Rückmeldung von ACPI umgehen. Sinnvoll ist diese Option dann, wenn Teile der Stromsparfunktionen nicht verfügbar sind, die Drehzahlsteuerung der Lüfter nicht funktioniert und das System schnell überhitzt.

Mehrere Gänge runterschalten: Die Kombination dieser Parameter ist ein Rundumschlag als erste Hilfe beim Start von Live-Systemen, welche die Systemleistung stark reduziert

David Wolski

Mehrere Gänge runterschalten: Die Kombination dieser Parameter ist ein Rundumschlag als erste Hilfe beim Start von Live-Systemen, welche die Systemleistung stark reduziert

Ärger mit der Interrupt-Steuerung

Der Advanced Programmable Interrupt Controller (APIC) übernimmt die Verwaltung von Hardware-Interrupts für die vorhandenen Komponenten. APIC ist ursprünglich auf Mehrprozessorsystemen entstanden, um Interrupts nach Priorität zu ordnen und optimal auf CPU-Kerne zu verteilen. APIC ist heute Standard und hat die alten PIC-Controller auch auf Einprozessorsystemen ersetzt. Die Abkürzung ist nicht mit ACPI zu verwechseln – allerdings hängt beides zusammen, denn ACPI ist auch für die Kommunikation von CPU und APIC zuständig.

noapic: Dieser Parameter verhindert, dass APIC für die Auflösung von Hardware-Konflikten auf Interrupt-Ebene verwendet wird. Der Parameter hilft auf Systemen mit einem unverträglichen Bios und inkompatiblen ACPI-Funktionen im Chipset weiter. Ein Nebeneffekt ist, dass Interrupts an alle Prozessorkerne geschickt werden, was zu Leistungseinbußen führt. Eine häufig erfolgreiche Kombination bei besonders widerspenstigen Notebooks ist acpi=off noapic nolapic.

nolapic: Eine weitere APIC-Komponente nennt sich »Local APIC« und nimmt die Interrupt-Anforderungen auf jedem Prozessorkern entgegen, um diese in der vorgegebenen Reihenfolge abzuarbeiten. Auch dieser Parameter löst vielfältige Probleme mit heiklen Bios-Versionen, reduziert aber in jedem Fall die Zahl der vorhandenen CPU-Kerne auf einen. Geeignet ist dies nur als erste Hilfe bei Boot-Problemen, bis ein Bios-Update oder eine neue Kernel-Version Abhilfe schafft.

Ausgabe von Boot-Meldungen

Distributionen für Desktop-Anwender geben sich größte Mühe, den Boot-Vorgang elegant zu gestalten: Sie verstecken deshalb die ausführlichen Systemmeldungen gern hinter Startbildern und Animationen. Zur Fehlersuche ist die freundliche Optik aber wenig hilfreich, und es empfiehlt sich, stattdessen die detaillierten Ausgaben im Textmodus zu aktivieren. Schon die Information, an welcher Stelle der Boot-Prozess abbricht, liefert bei der Analyse oft die wichtigsten Hinweise zur Lösung des Problems. Rufen Sie dazu im Boot-Loader die Eingabezeile für Boot-Optionen auf. Entfernen Sie in der Zeile, die mit linux beginnt, den Parameter quiet. Fügen Sie zudem den Parameter nomodeset hinzu, und booten Sie dann das System. Die jetzt angezeigten Meldungen begleiten den gesamten Startvorgang bis zur grafischen Benutzeroberfläche.

Dieser Artikel stammt von unserem Kooperationspartner PC-WELT.

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