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Do, 8. Februar 2018, 15:00

Die Geburtsstunde von Open Source

Die Prägung eines Begriffs

Wie Christine Peterson schreibt, fanden Ende 1997 am Foresight Institute wöchentliche Treffen zum Thema Computersicherheit statt. Foresight hatte begonnen, freie Software als Möglichkeit zur Verbesserung der Sicherheit anzusehen, und suchte nach Wegen, freie Software mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Foresight stellte auch ein wachsendes Interesse an freier Software außerhalb der Entwicklergemeinschaft fest, störte sich aber wie Raymond an der Bezeichnung und suchte nach einem besseren Namen, der weniger Verwechslungsgefahr mit kostenloser Software in sich trug.

Am 2. Februar traf Eric Raymond zu Gesprächen mit Netscape über die künftige Lizenz des Browser-Quellcodes ein. An diesem Abend fand ein Treffen am Foresight Institute statt, bei dem auch Brian Behlendorf (Mitgründer der Apache Group), Michael Tiemann (Mitgründer von Cygnus Solutions, zeitweise Präsident der OSI), Todd Anderson, Mark S. Miller und Ka-Ping Yee anwesend waren. Bei diesem Treffen war weiter von freier Software oder, besonders seitens Behlendorf, von »mit Quellcode erhältlicher« Software die Rede. Peterson bemühte sich in den folgenden Tagen, die Idee eines neuen Namens einzubringen, was grundsätzlich die Zustimmung der anderen Teilnehmer fand. Den konkreten Begriff »Open Source« fand sie offenbar am 3. oder 4. Februar. Doch wollte sie diesen Namen nicht direkt vorschlagen, da sie als einzige Nicht-Programmiererin befürchtete, von den Entwicklern nicht ernst genommen zu werden. An ihrer Stelle übernahm Todd Anderson die Aufgabe, »Open Source« wie zufällig einmal zu nennen. Dies hatte zunächst keine offensichtlichen Auswirkungen, aber der Begriff war den Teilnehmern jetzt bekannt.

In einem weiteren Treffen am 5. Februar bei VA Research, bei der auch Larry Augustin (Gründer von VA Research), Sam Ockman (Silicon Valley Linux Users Group) und- per Telefon - Jon »maddog« Hall (Direktor von Linux International) zugegen waren, ließ Todd Anderson, der sich für den Namen begeisterte, »Open Source« vorsichtig von der Leine. Als am Schluss eine alternative Bezeichnung zu freier Software auf der Tagesordnung stand, einigten sich die Beteiligten schließlich informell auf »Open Source«. Den Beteiligten war bewusst, dass der Begriff bereits bei den Geheimdiensten in Benutzung war (Nachrichtensammlung aus öffentlich zugänglichen Quellen), doch wurde das nicht als schädlich erachtet und daher in Kauf genommen.

OSI

Christine Peterson schreibt in ihren Erinnerungen, dass sie selbst die Bezeichnung nicht unbedingt optimal fand, aber es wurde keine bessere gefunden. Alternative Benennungen wie »Freeware«, »Sourceware« oder »Freed Software« wurden genauso wenig als optimal angesehen, teilweise auch unklar oder plump. Heutzutage sprechen GNU/FSF teilweise von »Libre Software«, weil »libre« ebenfalls »frei« bedeutet, aber ohne die Bedeutung von Kostenfreiheit. Im Deutschen wurde später der Begriff »Software-Freiheit« gefunden, doch »Open Source« hat sich weithin durchgesetzt.

Eric Raymond machte sich sogleich an die Propagation des Begriffs. Der damalige Debian-Projektleiter Bruce Perens, der gerade den Debian-Gesellschaftsvertrag und die Debian Free Software Guidelines verfasst hatte, sprang auf, registrierte die Domain opensource.org und die Marke »Open Source« und gründete mit Raymond und anderen die Open Source Initiative (OSI). Die Open Source Definition der OSI beruht auf den Debian Free Software Guidelines, beide sind deckungsgleich mit der Definition freier Software von GNU und der FSF.

Der größte Kritiker des Namens »Open Source« war Richard Stallman, Gründer und Präsident von GNU/FSF und damit Gründer und Leitfigur der freien Software-Bewegung. Der hauptsächliche Kritikpunkt war - und ist immer noch -, dass in »Open Source« lediglich die Verfügbarkeit des Quellcodes anklingt, während die freie Änderbarkeit und freie Verbreitung, die durchaus auch eine politische Dimension haben können, verschwiegen werden. Nach der Meinung Stallmans, die er auch heute noch vertritt, geht Open Source am Kern der Sache vorbei: »Open Source ist eine Entwicklungsmethodik; Freie Software ist eine soziale Bewegung«.

Im weiteren Verlauf nahm neben Netscape auch der Verleger Tim O'Reilly den Begriff an und nannte die für 7. April geplante erste Konferenz zu freier Software in Open Source Summit um. Auf dieser Konferenz waren führende Mitglieder der Open-Source-Gemeinschaft anwesend, darunter Linus Torvalds, der »Open Source« ebenfalls guthieß, Tom Paquin und Jamie Zawinski von Mozilla, Larry Wall (Initiator von Perl), Brian Behlendorf, Sameer Parekh (Präsident von C2Net Software und Mitglied der Apache Group), Eric Allman (Autor von Sendmail), Greg Olson (CEO von Sendmail, Inc), Paul Vixie (Entwickler von BIND), John Ousterhout (Initiator von Tcl), Guido van Rossum (Initiator von Python), Phil Zimmermann (Entwickler von PGP), John Gilmore (Mitgründer von Cygnus Solutions, Unterstützer von GCC) und Eric Raymond. Spätestens mit dieser Konferenz begann sich »Open Source« endgültig zu etablieren. Nicht anwesend war, nicht weiter verwunderlich, Richard Stallman.

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