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Do, 2. August 2018, 15:00

Browsh - Textbasiertes Browsen im Terminal

Browsh ist eine neue Lösung für das Surfen auf der Konsole, deren Darstellung mit üblichen Desktop-Browsern vergleichbar ist und die zu deren Funktionalitäten aufschließen kann. Hintergründe und Einsatzmöglichkeiten werden hier beschrieben.

Einleitung

Tobias Gläßer

Kommandozeilenbenutzer schätzen lynx, links und w3m als die Browser der Wahl, wenn eine grafische Oberfläche nicht zur Verfügung steht oder das Web aus sonstigen Gründen auf die Konsole geholt werden soll. Diese Programme haben gemeinsam den verbreiteten grafischen Browser-Engines, wie Blink, Webkit, Gecko oder Quantum, was die Umsetzung von Standards und Funktionen angeht, hinterherzuhinken. In Anbetracht des Umfangs von HTML, JS und CSS und der begrenzten Arbeitskräfte, die zur Entwicklung von im Vergleich zu herkömmlichen Browsern seltener verwendeten Konsolenwerkzeugen zur Verfügung stehen dürften, ist dies nicht verwunderlich. Dennoch sind diese Programme Helfer im Alltag und sie haben großen Nutzen als minimalistische Webdarsteller mit geringsten Prozessor- und Speicheranforderungen.

Mit Browsh gibt es nun eine neue Lösung für das Surfen auf der Konsole, deren Darstellung mit üblichen Desktop-Browsern vergleichbar ist und die zu deren Funktionalitäten aufschließen kann. Browsh ist ein textbasierter Browser, der auf gereiften Engines wie Gecko aufsetzt, anstatt das Rad neu zu erfinden. Der Nachteil dieser Herangehensweise ist der höhere Resourcenhunger im Vergleich zu lynx, links und w3m. In Zeiten mehrerer Prozessorkerne und üppigen Speichers ist dies je nach Einsatzzweck ein lohnendes Übel. Browsh läuft auf einem OpenVZ-basierten Debian Jessie-Server mit lediglich 1 GB Arbeitsspeicher bereits in brauchbarer Geschwindigkeit, und das aufstrebende Projekt besitzt immenses Steigerungsvermögen.

Das Projekt Browsh beabsichtigt über lynx, links und w3m hinauszugehen, insofern als dass es für Konsolenfreunde, die auf grafische Benutzerprogramme möglichst verzichten wollen, einen Weg zu ebnen sucht, um ohne nennenswerte Einschränkungen in einem Terminal das Netz zu genießen. Wer für IRC irssi verwendet, wer Reddit mittels rtv liest, für wen aria2c für Downloads die erste Wahl ist, für wen cmus ein großartiger Musikabspieler ist, kurzum wem die Konsole ans Herz gewachsen ist, dem dürfte Browsh zusagen.

Mein Lob für das Projekt, an dem ich als Betatester und Ratgeber beteiligt war und bin, muss ich an dieser Stelle ein wenig einschränken. Das Projekt steckt entgegen dem, was die Versionsnummer 1.3.3 vermuten ließe, in den Kinderschuhen, enthält ersichtliche Fehler, wurde nicht auf allen erdenklichen Systemen getestet, und viele sinnvolle Funktionen befinden sich im Planungsstadium. Nachdem das Projekt von Tom Buckley-Houston aus der Taufe gehoben wurde und er die Entwicklungsarbeit alleine bewältigt hat, wird das junge Projekt nach meiner Ansicht von jetzt an Fahrt aufnehmen. Für die weitere Entwicklung setzt Tom auf die Mithilfe der Gemeinschaft.

Nichtsdestotrotz kann man schon an der aktuellen Version bestaunen, wie ein vollumfänglicher Browser auf der Kommandozeile Gestalt annimmt, und eine Vorstellung davon entwickeln, dass Browsh auf vielen Unix- und Linux-Installationen der Zukunft zur Standardausstattung gehören könnte.

Bessere Darstellung und mehr Funktionen als lynx und Konsorten waren dabei nicht der maßgebende Beweggrund hinter der Entwicklung. Tom Buckley-Houston hatte zuvor das recht erfolgreiche Programm texttop entwickelt, dessen Nachfolger Browsh ist. Damit lässt sich ein X-Desktop in einem Terminal betrachten, und selbst bei geringen Bandbreiten lassen sich über SSH oder Mosh Benutzeroberflächen in der Ferne bedienen. Einen Browser über eine Fernverbindung durch einen Schmalbandanschluss hinweg zu benutzen, war der Haupteinsatzzweck von texttop, als Tom in Indien mit äußerst magerem Internet auskommen musste. Dadurch ließ sich das Web in annehmbarer Geschwindigkeit nutzen, da der ferne Server, auf dem texttop lief, eine gute Anbindung ans Netz vorwies.

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