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Do, 30. August 2018, 15:00

State of Mind

Nicki Eickmann

Grafik - ist das Kunst oder kann das weg?

Die Spielwelt sieht sehr schön aus und bedient sich vom Stil her auch bei Deus Ex. Düstere Umgebung, vermischt mit teilweise geschönten Naturfarben und Neonlicht-Elementen, das Ganze natürlich ein wenig futuristisch angehaucht. Also nichts Neues? Im Gegenteil!

Die Charaktere im Spiel sind nämlich allesamt in Low-Polygon-Grafik. Diese Polygon-Männchen sollen wohl das ständig vernetzte und digitalisierte Ich in einer modernen Gesellschaft darstellen. Da heutzutage fast alle Spiele auf maximalen Realismus setzen, kann man diese Designentscheidung seitens Daedalic wohl als gewagt bezeichnen.

Ich muss gestehen, ich war beim Anblick der ersten Screenshots und Trailer mehr als skeptisch, und fühlte mich anfänglich in die Zeit zurückversetzt, als ich zum ersten Mal das Musikvideo von »Money for nothing« der Band Dire Straits gesehen habe. (OK, das ist ein wenig übertrieben, das Video kam Mitte der achtziger Jahre, die Grafik wäre dann also schon über 30 Jahre alt!) Damals fand ich die Polygone noch irgendwie lustig, aber wirkt das heutzutage nicht furchtbar altbacken?

Erstaunlicherweise geht das Konzept aber komplett auf. Die Charaktere sind schön designt, geben dem Spiel einen ganz eigenen Stil und unterstützen insofern auch das Gesamtkonzept. Man ist zwar, auch durch die gute Story, komplett in die Welt eingetaucht, aber trotzdem schwingt ein ständiges leichtes Gefühl mit, dass man doch nicht ganz dazu gehört. Vielleicht ein wenig wie Neo, der auch sein ganzes Leben in der Matrix immer wusste, dass irgendwas nicht stimmt. Das passt alles in allem perfekt zu der Geschichte.

Nicki Eickmann

Story und Gameplay

Bei diesem Spiel sind Story und Gameplay ein und dasselbe: wir bewegen uns durch die Welt und müssen erst mal klar kommen, indem wir mit der Welt interagieren: Mit Personen reden, Gegenstände benutzen, oder einfach nur anschauen.

Die Geschichte wird häppchenweise erzählt, und das auch gleich verteilt auf mehrere Charaktere, was natürlich dann auch mehrere Geschichtsstränge mit sich bringt. An dieser Stelle wird nichts über die Geschichte verraten, da jeder kleinste Spoiler der hervorragenden Inszenierung, die Daedalic abgeliefert hat, unwürdig wäre.

In der Tat hat man irgendwann während dem Spiel nur ein einziges Problem: »Spiel ich noch weiter, oder gehe ich endlich schlafen?«. Die Tatsache, dass man die Geschichte in hauchdünnen Salamischeiben serviert bekommt, fesselt einen schon sehr an den Rechner. Gleichzeitig hat man schon fast Angst, dass man einige (wichtige) Details eventuell nicht mehr weiß, wenn man zwischendurch doch mal eine Nacht schläft, und somit die Story nicht mehr zusammen bekommt.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt allerdings: oft hat man den Eindruck, dass man sowohl die Dialoge schon mal gehört als auch die einzelnen Story-Elemente schon mal irgendwo gesehen hat. Das Rad wurde mit State of mind nicht neu erfunden, aber es wurde zumindest neu zusammengebaut. Unter dem Strich kommt dann aber ein gutes Stück feinster Unterhaltung heraus.

Oft genug hält man kurz inne und stellt seine eigene Vorstellung der Zukunft der im Spiel geschilderten gegenüber, denn das Dargestellte ist zwar düster und erschreckend, aber so ganz unglaubwürdig wie bei manch anderen Geschichten ist es halt auch wieder nicht. Dabei werden gesellschaftskritische und philosophische Fragen aufgeworfen.

Damit hat das Spiel in meinen Augen alles, was es braucht: Ähnlich wie bei einem guten Kinofilm beschäftigt man sich auch nach dem Spielen noch mit »State of Mind«. Es wird ein bleibender Eindruck erzeugt, der einen nachdenklich stimmt.

Fazit

Klare Kaufempfehlung für alle, die sich für eine gute Story in einem düsteren Setting interessieren! Mit einer tadellosen Linux-Version und einer gewagten, aber stimmigen grafischen Umsetzung weiß State of Mind zu überzeugen. Daedalic hat (schon wieder) Pluspunkte bei mir gesammelt.

Klar, die Dialoge sind nicht auf dem Niveau eines Quentin Tarantino-Films, und auch die Story-Elemente sind einzeln gesehen oft nichts Neues, aber alles in allem wurden die einzelnen Puzzlestücke sehr schön zu einem ordentlichen Gesamtkonzept zusammengefügt. Wer auf bedingungslose no-brain Action steht, ist bei dem Spiel falsch, alle anderen können und sollten zugreifen!

Hinweis

Dieser Artikel stammt von Holarse Linux Gaming und wurde mit freundlicher Genehmigung übernommen. Der Originalartikel befindet sich hier.

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