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Mi, 3. Oktober 2018, 12:00

Haiku R1 Beta

Neuerungen und Funktionen der letzten Testversion

Über sechzehn Jahre ist es her, als Michael Phipps auf der Liste des damaligen OpenBeOS-Projektes die Strukturen des BeOS-inspirierten Betriebssystems Haiku skizzierte. Etliche Test- und Alphaversionen später ist das System nun in einer ersten Betaversion veröffentlicht worden. Pro-Linux schaute sich die Neuerungen genauer an.

Allgemein

Startbildschirm von Haiku

Mirko Lindner

Startbildschirm von Haiku

Das Betriebssystem Haiku ist ein Open-Source-Projekt, das sich der Entwicklung eines komplett neuen, von BeOS inspirierten Systems verschrieben hat. Das primäre Ziel des ursprünglich als OpenBeOS entwickelten Projektes liegt bereits seit der Gründung darin, die Funktionalität der letzten freigegebenen Version zu implementieren und das System vollständig zum Original binärkompatibel zu halten. Damit soll Anwendern die Möglichkeit gegeben werden, bereits vorhandene BeOS-Programme auch unter der freien Inkarnation zu starten. Doch auch neue Technologien, die es bei der damaligen Version noch nicht gab, sollen innerhalb von Haiku unterstützt werden.

Die Basis von Haiku setzt auf einen Fork des NewOS-Kernels auf. Das System selbst wurde modular aufgebaut und wird von einer Reihe freiwilliger Entwickler vorangetrieben. Durch die offenen APIs können sich verschiedene Entwickler verschiedenen Bereichen des Systems widmen - etwa dem Kernel, dem Be File System (BFS) oder der Applikationsebene.

Geschichte

Die Geschichte von Haiku ist mittlerweile recht lang. Nach der Gründung Ende August 2001 stellte das Team am 29. April 2002 eine erste Version des neuen Betriebssystems vor. Sie war erstmals imstande, Fenster darzustellen. Im Laufe der Entwicklung gab die Gemeinschaft noch weitere Meilensteine des Systems frei. Zu den wichtigsten gehörte dabei unter anderem der im April 2008 freigegebene Schnappschuss, der es ermöglichte, Haiku direkt aus einem laufenden System zu erstellen. Anfang 2009 wurde erstmals GCC 4 auf Haiku portiert, gefolgt im Juli 2009 von einer Portierung des FreeBSD-WLAN-Stacks, der es Haiku-Nutzern ermöglichen sollte, WLAN-Verbindungen herzustellen.

Mit der ersten Alphaversion erschien Ende 2009 eine Version des Systems, die dediziert an Tester und nicht mehr nur an Entwickler gerichtet war. Nur acht Monate später folgte die zweite Alphaversion, gefolgt von einer dritten und vierten. Zu den Highlights gehörte unter anderem eine Erweiterung der unterstützten Hardware, verbesserte Unterstützung für die Dateisysteme btrfs, exFAT, ext2, ext3, ext4, NTFS, UDF, Einbindung von Gutenprint und eine Überarbeitung des MDR (Mail Daemon Replacement), der teilweise noch einmal neu geschrieben wurde. Der Window-Manager erhielt neue Kontrollelemente. Unter anderem implementierte er StackAndTile.

Doch auch fast zwei Dekaden nach der Gründung ist Haiku immer noch nicht fertig. Mittlerweile ist das System knapp sechs Jahre nach der letzten Alphaversion immerhin in einer ersten Betaversion veröffentlicht worden – ein Grund für eine kurze Bestandsaufnahme der Neuerungen.

Die Neuerungen von Haiku R1 Beta

Installation des Systems direkt aus Haiku

Mirko Lindner

Installation des Systems direkt aus Haiku

»Aufgrund einer so langen Lücke zwischen den Releases gibt es in dieser Version wesentlich mehr Änderungen als in früheren Releases«, sagt das Team. Dementsprechend lang ist auch die Liste der Änderungen, die Haiku R1 Beta in sich vereint.

Bereits beim Download fällt eine der wichtigsten Neuerungen von Haiku R1 Beta auf. Neben den bereits vorhandenen 32-Bit-x86-Images stellt das Team auch native 64-Bit-Versionen des Systems bereit. Zu beachten ist hier allerdings, dass die Versionen nur neue Anwendungen starten können und nicht in der Lage sind, alte GCC2-Applikationen auszuführen. Darüber hinaus unterstützt das System auch EFI- und GPT-Systeme. »Dies war eine der komplexesten zu implementierenden Funktionen, aber die eigentliche Beschreibung ist ziemlich einfach: Das Booten von GPT-Partitionen und von EFI-Geräten wird jetzt unterstützt«, so die Entwickler.

Die mit Abstand größte funktionale Änderung in der aktuellen Version ist allerdings das neue Paketverwaltungssystem. Das Haiku-Paketverwaltungssystem, das 2013 dank Spenden fertiggestellt wurde, ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Anstatt eine Datenbank zu installieren, wird eine spezielle Art von komprimierten Dateisystem-Images installiert, die nach der Installation und beim Start des Systems von packagefs »gemountet« werden. Das führt dazu, dass beispielsweise /system/ schreibgeschützt ist, da es sich lediglich um eine Verschmelzung der derzeit installierten Pakete auf Systemebene handelt. Da Pakete zudem aktiviert und nicht installiert sind, können sie bereits im Bootloader ein- und angeschaltet und mühelos wieder aus dem System gelöscht werden. Die Verwaltung erfolgt dabei in HaikuDepot, wobei für die Installation ebenfalls pkgman genutzt werden kann, welches dem Nutzer auch eine fortgeschrittene Installation beispielsweise nach Dateinamen erlaubt.

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