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Do, 8. November 2018, 15:00

Streifzug durch Ubuntu 18.10

Youtube-Video in Ubuntu

Hans-Joachim Baader

Youtube-Video in Ubuntu

Multimedia im Browser und auf dem Desktop

Nicht viel Neues gibt es im Multimedia-Bereich. OpenH264 ist in Firefox als Plugin vorinstalliert und aktiviert, um WebRTC zu ermöglichen. Der eigentliche Plugin-Code wird erst beim ersten Start von Firefox heruntergeladen. Diese Vorgehensweise hat ihre Ursache darin, dass Cisco, von dem der Code stammt, nur für das binäre Plugin die angefallenen Patentlizenzen bezahlt hat. Der Quellcode des Moduls ist unter der BSD-Lizenz verfügbar, allerdings von der Patentlizenz nicht abgedeckt. Da Mozilla das proprietäre Modul nicht in den freien Browser stecken will, resultierte die Download-Lösung. Weitere Erweiterungen oder Plugins sind nicht vorinstalliert.

Wie immer muss man zum Abspielen der meisten Video-Formate zuerst das passende Plugin installieren. Viele Anwendungen sind in der Lage, die Installation selbst anzustoßen. Sie zeigen es in einer Dialogbox an, wenn ein zusätzliches Plugin benötigt wird. Diese sucht nach passenden GStreamer-Plugins, schlägt sie zur Installation vor und kann sie anschließend installieren. Wie schon in Ubuntu 18.04 wird eine Suche in Gnome Software angestoßen, die erfolglos bleibt. Also muss man die Plugins von Hand über die Paketverwaltung installieren. Benötigt werden die Pakete gstreamer1.0-plugins-ugly, gstreamer1.0-plugins-bad und gstreamer1.0-libav. GStreamer liegt in Version 1.14.4 vor, mit Korrekturen gegenüber Ubuntu 18.04, aber keinen neuen Funktionen.

Youtube-Video in Kubuntu

Hans-Joachim Baader

Youtube-Video in Kubuntu

Rhythmbox, das Gnome-Programm für die Wiedergabe von Musikdateien, zeigte stellenweise dasselbe seltsame Verhalten wie in Ubuntu 18.04 LTS. Ein Doppelklick auf eine Musikdatei startet Rhythmbox und die Musik wird korrekt abgespielt. Leider nur beim ersten Mal. Ein Klick auf eine andere oder auch dieselbe Datei führt zum sofortigen Absturz. Auch wenn man Rhythmbox direkt aufruft und die Musikdateien importiert, ist es nicht viel anders. Ist die Musik gestartet, kann man mit einem Rechtsklick auf das Programm-Icon in der Seitenleiste »Anhalten und beenden« auswählen. Nur tut sich daraufhin leider nichts. Dumm auch, dass man diese Option wählen kann, wenn Rhythmbox gar nicht läuft. Manchmal lässt sich Rhythmbox auch nicht mehr beenden, wenn man z.B. auf den Schließen-Button des Fensterrahmens klickt. Einen Menüpunkt zum Beenden gibt es sowieso nicht, weil die Entwickler der irrigen Ansicht sind, dass man keinen braucht. Wohl deshalb haben sie dafür gesorgt, dass Rhythmbox sich durch besagten Absturz selbst beendet.

Das Thema Flash kann man mittlerweile ganz entspannt sehen. Die meisten Web-Videos sind in anderen Formaten kodiert und lassen sich problemlos ansehen. Neuentwicklungen mit Flash sind verpönt, und die Zahl der Webseiten, die Flash einsetzen, sinkt. Das heißt aber natürlich nicht, dass alle Flash-Videos jetzt einfach so verschwinden. Es wird sicher noch viele Jahre lang Flash-Videos im Web geben. Während die proprietären Webbrowser meist einen eingebauten Flash-Player mitbringen, liefert Ubuntu die freien Webbrowser ohne Flash-Plugin aus. Da aber zum Beispiel Firefox über GStreamer alles abspielen kann, wofür Plugins installiert sind, also auch Flash, ist es auch meist nicht nötig. Wenn eine Webseite explizit das Adobe-Flash-Plugin benötigt, kann man es mit dem Paket flashplugin-installer installieren. Dieses installiert eine von Adobe speziell bereitgestellte Version 31.0, die zur Zeit vom 9. Oktober datiert.

Beim Abspielen von Videos ist unter KDE die Geschwindigkeit weiterhin auch ohne 3D-Hardware akzeptabel. Dank VLC ist es nicht nötig, GStreamer-Plugins nachzuinstallieren, die Medien laufen auch so. Standardmäßig wird VLC auch aufgerufen, wenn man eine Audio-Datei doppelklickt, trotz des installierten Cantata. Aber Cantata ist ja eben kein Musik-Player, sondern lediglich ein Frontend für MPD. Die Einrichtung von Cantata ist einfach, und es ist ein durchaus nettes Programm. Das einzige Problem ist, dass man die Musikdateien in den Musikordner von mpd legen muss. Leider bietet Cantata keine Hilfen dafür, so dass die Benutzer hier ganz auf sich selbst gestellt sind und sich mit mpd und dem möglichen Umorganisieren ihrer Musiksammlung befassen müssen - Verschieben oder Verlinken ihrer Dateien in den mpd-Musikordner zum Beispiel.

Fazit

Eigentlich ist Ubuntu 18.10 »nur« eine aktualisierte Version von 18.04 LTS. Natürlich gab es viele Änderungen, oft auch Erweiterungen, daher stimmt die Aussage nicht so ganz. Von der allgemeinen Handhabung her sind die Unterschiede aber nicht sehr groß. Sogar die Fehler sind die gleichen geblieben. Wer also gerne aktuelle Software einsetzen möchte und kein Problem damit hat, in einem halben Jahr wieder zu aktualisieren, kann Ubuntu 18.10 genauso gut wie 18.04 einsetzen. Alles, was mit Snap, Flatpak und Wayland zu tun hat, würde ich zwar weiterhin als Baustelle bezeichnen, aber man muss es ja nicht nutzen.

Die schon in 18.04 bemängelten Schwächen im Multimedia-Bereich sind geblieben: Die schlechte Handhabung von Plugins und die Nutzung eines offensichtlich schlecht gepflegten Audio-Players bei Ubuntu sowie die Nutzung eines Audio-Players, der mehr Handarbeit erfordert, bei Kubuntu. Was den Rest angeht, gibt Ubuntu 18.10 jedoch wenig Anlass zu Beschwerden.

Kritisieren könnte man wie schon so oft in den letzten Jahren die eine oder andere vorgegebene Einstellung, die Daten an Anbieter (Canonical selbst, Mozilla oder andere) sendet. Die Optionen, dies abzustellen und seine Privatsphäre zu stärken, sind aber da, sie müssen nur genutzt werden.

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