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So, 25. Mai 2008, 00:00

Fedora 9

Die neunte Generation von Fedora im Test

Paketverwaltung und Updates

Paketauswahl in PackageKit

Hans-Joachim Baader (hjb)

Paketauswahl in PackageKit

Im offiziellen Repositorium von Fedora befinden sich etwa 10.000 Binärpakete. Tausende, wenn nicht zehntausende weitere gibt es in inoffiziellen Repositorien, von denen die wichtigsten in den Referenzen genannt werden.

Als Paketmanager feiert PackageKit sein Debut. Dieses neue Programm ist ein vereinheitlichtes Frontend für eine Vielzahl von Paketsystemen, darunter apt, smart, yum, yum2 und zypp. Es hindert einen aber nicht daran, weiter mit anderen Frontends zu arbeiten, denn im Hintergrund verwendet PackageKit weiterhin das zugrundeliegende System, in Fedora yum.

PakageKit macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Es macht sich in Form von Icons auch im Panel bemerkbar, wie hier rechts zu sehen ist. Das rechte Icon gehört zum NetworkManager, der nun in Version 0.7 vorliegt. Das linke zeigt an, dass PackageKit gerade aktiv ist. Das mittlere zeigt verfügbare Updates an. In diesem Fall liegen Updates vor, jedoch kein sicherheitsrelevantes Update.

Während PackageKit für die einfache Installation und Deinstallation von Paketen gut funktioniert, hat es ein gravierendes Problem, wenn man neue Repositorien hinzufügt. Zum einen ist das auf grafischen Weg gar nicht möglich. Derzeit muss man es »zu Fuß« in /etc/yum erledigen. Eine Alternative ist die Installation eines RPM-Pakets, das Repositorien hinzufügt. Solche Pakete werden von manchen externen Paketarchiven angeboten, und man muss sie lediglich herunterladen und von der Paketverwaltung installieren lassen.

Hat man das absolviert, zeigt sich ein zweites Problem: PackageKit erkennt den Schlüssel des Archivs nicht und fragt den Benutzer nach Erlaubnis, diesen zu installieren. Dabei bleibt das Programm hängen, es wartet offenbar auf eine Aktion, die nie endet oder bereits beendet ist. Man muss das Programm »packagekitd« abknallen, das im Hintergrund läuft. Den neuen Schlüssel kann man nur installieren, indem man von Hand mit yum ein Paket aus dem neuen Repositorium installiert.

Ein weiterer Mangel von PackageKit ist, dass es derzeit keine Mehrfachauswahl erlaubt, d.h. neue Pakete müssen jeweils einzeln installiert werden. Das ist nicht so problematisch, wie es sich anhört, denn Abhängigkeiten werden automatisch mitinstalliert. Insgesamt ist die Oberfläche aber recht ineffizient, so dass muss man derzeit wohl von PackageKit abraten muss, bis ein Update vorhanden ist. Auch die Empfehlung, yumex anstelle von yum zu verwenden, ist gelegentlich zu vernehmen.

Darreichungsformen

Fedora 9 ist als DVD oder CD-Satz für eine Installation als Desktop, Entwicklungsrechner oder Server sowie in zwei Varianten der Live-CD (KDE, GNOME) erhältlich. Die Live-CDs ermöglichen auch eine Installation. Die DVD bzw. der CD-Satz ist für die drei Architekturen x86, x86_64 und PPC verfügbar. Zusätzlich gibt es auch den Quellcode als DVD-Image. Auch ein kleineres Image, die Netzwerk-Installations-CD, die aus der Rettungs-CD und anderen Varianten hervorgegangen ist und den Großteil der Distribution aus dem Netz installiert, ist vorhanden.

Images von virtuellen Maschinen werden immer beliebter. Man muss sie nur herunterladen und sie sind sofort in der gewählten VM lauffähig. Wie bei einer Live-CD entfällt die Installation, anders als bei einem Live-System kann man aber auch dauerhafte Änderungen machen. Für VMWare findet man im Virtual Appliance Marketplace in der Kategorie Betriebssysteme Images von Fedora 9. Diese sollten von Qemu und VirtualBox ebenfalls verwendbar sein.

Für alle, die Fedora nicht herunterladen können, gibt es Medien, aber in der Regel keine klassischen Boxen, bei einigen Händlern online oder in Läden zu kaufen. Diese sollten nicht mehr als ein paar Euro kosten. In Analogie zu Ubuntu gibt es nun auch ein Fedora Free Media Program, das allerdings die geringe Menge von 100 oder 200 DVDs im Monat anbieten kann und oft bereits am ersten Tag des Monats ausgeschöpft ist. Eine Alternative ist das Sponsored Media Program, bei dem Käufer von Medien den Händlern mehr zahlen, damit andere die Medien kostenlos bekommen können.

Fazit

Fedora 9 ist eine absolut solide Distribution mit einigen Kinderkrankheiten. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass diese in Kürze behoben werden. Ohnehin ist Fedora nicht für Stabilitätsfreaks gedacht, da anders als in Debian auch dann und wann neue Versionen von Softwarepaketen hinzugenommen werden. Damit werden Korrekturen und neue Features integriert, es besteht aber auch die Möglichkeit, dass ein solches Update andere Programme ins Straucheln bringt. Um ganz sicherzugehen, kann oder sollte man solche nicht kritischen Updates zurückhalten.

Eine Stärke ist immer noch die Verfügbarkeit von Unternehmenssoftware wie dem Fedora Directory Server, FreeIPA und dem kompletten Java-Stack. Aber auch eine Integration in Unternehmensumgebungen, die mitunter eine Netzwerkanmeldung erfordert, bekommt man mit Fedora standardmäßig. Ein weiteres Plus, auf das ich nicht näher eingehen konnte, ist die automatisierte Masseninstallation mit Kickstart. Doch auch die zahlreichen Entwickler-Werkzeuge sollte man nicht vergessen. Auch der konsequente Einsatz von SELinux verdient Beachtung.

Der direkte Vergleich mit Ubuntu drängt sich geradezu auf, schließlich haben beide Distributionen im Kern die gleiche Software und eine ähnliche Strategie. Ubuntu macht es Linux-Einsteigern ein klein wenig einfacher, da es an einigen Stellen etwas besser poliert ist. Ein Beispiel ist die leichte Nachinstallation von Codecs. Mit Fedora hat man etwas mehr Arbeit bei der anfänglichen Konfiguration. Gerade Einsteiger sind durch die ungewohnte Linux-Umgebung bereits genug gefordert und daher froh, wenn die Distribution nicht noch zusätzliche (wenn auch lösbare) Probleme aufwirft.

Ist die Einrichtung aber erst einmal weitgehend abgeschlossen, werden die Unterschiede geringer. Insgesamt kann man Fedora durchaus auch Einsteigern empfehlen. Darüber hinaus ist Fedora für alle interessant, die eine Distribution mit Ähnlichkeiten zu Red Hat Enterprise Linux vorziehen, aber nicht Monate oder Jahre auf neue Features warten wollen.

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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