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So, 30. September 2007, 00:00

Linux kommt bei normalen Anwendern an

Überrascht mag man sein, dass dem Autor grundlegende Konzepte wie »Pakete« oder »als Root anmelden« nicht bekannt sind. Man kann nun sicher stundenlang darüber wettern, dass Benutzer heutzutage etwas Komplexes wie einen Computer in Betrieb nehmen wollen, ohne vorher ein FAQ oder ein »Erste Schritte«-Handbuch zu lesen. Im Fall von Ubuntu, das meist als auf CD gebranntes ISO-Image installiert wird, ist das noch weniger nützlich als bei anderen Systemen, denen tatsächlich (noch) ein Handbuch beiliegt. Die Konzepte müssen einfach besser dokumentiert werden. Im Fall von Ubuntu wird beim Start des Webbrowsers eine Infoseite angezeigt. Doch das reicht nicht. Gleich nach dem Login sollten grundlegende Hinweise in einem Fenster erscheinen, zusammen mit einer Option, das Fenster nicht mehr anzuzeigen, aber auch einem klaren Hinweis, wie man es wiederfindet. So könnte ich mir das zumindest vorstellen, solange mir keine geschicktere Vorgehensweise einfällt.

Während einem einfachen Anwender heutzutage zugemutet wird, sein Linux selbst zu installieren - und es, wie der Artikel zeigt, trotz einiger Schwierigkeiten sogar schafft - wäre er komplett damit überfordert, Windows auf die gleiche Weise zu installieren. Der Trick von Windows ist eine Restore-CD oder DVD, die man nur einlegen muss, um die Systemdateien wieder herzustellen. Dies funktioniert deshalb, weil diese CDs oder DVDs von den Rechner-Anbietern erstellt und mitgeliefert werden. Sie sind auf die Hardware abgestimmt und bringen daher bereits die Treiber mit, die das System im Auslieferungszustand benötigte. Für mich ist das ein Grund mehr, von den Herstellern nachdrücklich ein vorinstalliertes Linux zu fordern, eine Restore-DVD eingeschlossen (Dell hat anscheinend eine solche erstellt). Da Linux viel mehr Hardware als Windows ohne zusätzliche Treiber-Installation nutzen kann, hätte Linux dann einen massiven Vorteil - kein Wunder, dass Microsoft Linux mit allen Mitteln zu behindern versucht.

Viele Benutzer haben Windows als erstes Betriebssystem kennengelernt. So ist auch immer wieder als Bemerkung oder gar Beschwerde zu hören, dass Linux so anders ist. Natürlich ist Linux anders, gerade deswegen finde ich es ja gut. Bei der grafischen Oberfläche dagegen befinden die Autoren, so auch der Spiegel-Online-Autor, dass Linux Windows ziemlich ähnlich sei. Dabei gibt es bis auf die Tatsache, dass ein Mauszeiger zu sehen ist, wenig bis gar keine Ähnlichkeiten. Und auch das ist gut so, denn Windows kann nur denen als Maßstab dienen, die nie etwas anderes gesehen haben. Meiner Meinung nach muss man dafür sorgen, dass Computer-Anfänger erst gar nicht mit Windows in Berührung kommen, sondern erst einmal Linux kennen lernen. Linux sollte in Kindergärten, Schulen, Behörden und Bildungseinrichtungen Pflicht, Windows dagegen verbannt werden. Gegen diese Forderung wurden und werden zahlreiche Einwände erhoben, einen fundierten habe ich jedoch darunter noch nicht entdeckt. Wer gegen Linux ist, hat in vielen Fällen entweder Vorurteile oder eben wirtschaftliche Interessen an suboptimalen Systemen. In anderen Ländern von Spanien über Brasilien, Indien und China bis zu Entwicklungsländern wurden diese Dünkel längst überwunden. In Deutschland hat wenigstens München mal Mut bewiesen, und bei ungelösten Fragen bezüglich Software für Linux wäre es sinnvoll, sich über die in München gemachten Erfahrungen zu informieren.

Um es nochmals auf den Punkt zu bringen: Der Mythos, dass Windows für die normalen Anwender besser sei als Linux, sitzt tief, doch er bröckelt. Wir, die langjährigen Anwender von Linux, sollten uns nun energisch für vorinstallierte Linux-Systeme und für Linux in Behörden und Bildungsstätten einsetzen. Natürlich sollte das System für die Anwender noch etwas mehr poliert werden, was aber meiner Ansicht nach nur noch ein recht kleiner Schritt ist.

Gleichzeitig distanziere ich mich von allen Forderungen, kompromissbereiter gegenüber proprietären Treibern zu werden. Unfreie Treiber wie die von Nvidia oder AVM sind nicht nur für die Entwickler ein Ärgernis, sondern auch für die Anwender und die Distributoren eine zusätzliche Komplikation. Sie sind daher ohne Wenn und Aber abzulehnen. Ich beziehe mich hier ausdrücklich nur auf Treiber. Manchen wird diese Forderung zu weit, anderen wieder nicht weit genug gehen, aber ich bin der Ansicht, dass zumindest bei den Treibern jedes Zugeständnis zum Schaden der Anwender wäre.

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