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Do, 31. Mai 2001, 00:00

Übersicht über Kylix

Von LH

Gesamteindruck

Eines ist klar: Kylix wird Linux nicht grundlegend verändern. Zumindest noch nicht. Der Grund ist einfach: Es ist viel zu sehr Windows, und viel zu wenig Linux. An vielen Stellen versucht es, Windows-Programme zu Linux zu bringen, aber nicht, die Ideallösung für Linux zu finden.

Außerdem ist vieles noch eine Baustelle. Alleine die IDE, die per Wine emuliert wird und der man beim Zeichnen zusehen kann, kann einem zur Verzweiflung treiben. Auch das beschissene (sorry für das harte Wort) Hilfesystem ist eine Zumutung. Allerdings ist das nicht Borlands Schuld, sondern auf eine Firma namens Bristol zurückzuführen. Und die Spezialisierung auf Qt ist, denke ich, auch keine gute Wahl, vor allem wenn man betrachtet, daß sie dennoch GTK als Style gewählt haben. Eine Unterstützung für beides wäre die Idealsituation. Daß dennoch Qt als erstes unterstützt wird, ist aber logisch (falls es denn einmal eine GTK Version geben wird). Qt und die VCL/CLX haben von der Grundidee (Objektorientierung) und der Umsetzung (die Struktur von Qt erinnert stark an die VCL) soviel gemeinsam, daß sich Qt einfach aufgedrängt hat.

Kylix-Anwendungen bleiben aber auf jeden Fall immer Sonderlinge. Sie gehören weder zu KDE noch zu GNOME und können auch keine von deren Besonderheiten nutzen. Dennoch ist es ein ideales Tool für alle Delphi-Programmierer wie mich, die ihr Lieblings-Programm auch unter Linux haben wollen. Für mich ist es auf jeden Fall nicht perfekt, aber doch gut genug, um den Kauf zu rechtfertigen.

Hier noch einmal die Vor- und Nachteile gesammelt:

  • + Einfach zu bedienende und mächtige IDE
  • + Sehr sauberes System ohne Altlasten und mit einer starken Nutzung der objektorientierten Möglichkeiten
  • + Einfache Portierbarkeit von und zu Windows
  • + Pascal als einfache aber umfangreiche Programmiersprache
  • + Kylix hat einen Compiler und keinen Interpreter, was eigenständig lauffähige Anwendungen ermöglicht (die zudem sehr fix sind)
  • + Sehr kurze Kompilierzeiten (kleine Projekte fast in Echtzeit)
  • - IDE sehr Langsam
  • - Nur Linux (eventuell FreeBSD mit Linux Emulation, aber das habe ich nicht getestet)
  • - Nur x86 Prozessoren
  • - Sehr schlechtes Hilfesystem (der Inhalt ist OK, aber die Anzeigesoftware grausam)
  • - Ausschließlich Qt-Unterstützung. GTK-Support fehlt. Auch unter KDE verhalten sich Kylix-Anwendungen nicht anders als z.B. GNOME-Anwendungen.
  • - Wenige vorgefertigte Units für den Umgang mit Linux.

Die Entscheidung, ob der Kauf lohnt, muß jeder für sich treffen. Ich hoffe jedoch, zumindest bei ein paar Lesern das Interesse geweckt zu haben und bei allen anderen zumindest alle Fragen beantwortet zu haben, die es gibt :)

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