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Das Internet

 
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Kapitalistenschwein
Gast





BeitragVerfasst am: 06. Dez 2001 8:46   Titel: Das Internet

Das Internet hat ein Problem: das Netz der Netze ist der Welt, der wirklichen Wirklichkeit, erschreckend ähnlich. Allein dadurch, daß eine bedeutende Teilmenge aller Angehörigen meines Kulturkreises untereinander verinternetzt ist, wird das Netz zu einem Abbild ebenjener oft arg unsympathischen Kultur. Und gerade jene Leute die ich im unvirtuellen Leben vorzugsweise ignoriere, weitläufig umfahre oder gezielt umfahre, scheinen einen unwiderstehlichen Drang zu verspüren, ihre Spuren in den digitalen Sand zu schreiben und die Abfallprodukte ihres degenerierten Denkvermögens der übrigen Menschheit aufzudrängen.

Nun ist Surfen im Internet ein bißchen so wie die Obduktion des menschlichen Kollektivhirns, man lernt zwangsläufig einiges über die arg eingeschränkte Denkfähigkeit des homo sapiens. Komisches, seltsames Zeug bevölkert die Festplatten dieser Welt... sich mit everywhere's trash zu beschäftigen, bringt wahrscheinlich keine wirklich wertvollen Erkenntnisse, macht aber Spaß, ist also vergleichbar mit BigMac-Essen. Dieser leicht fettige Lustgewinn ist Sinn dieses Textes: ich bilde mir nicht ein, irgendetwas an den grundlegenden Tatsachen ändern zu können. Nehmen wir also unseren relativ hochgelegenen, warmen Liegesessel auf dem Oberdeck dieses sinkenden Luxus-Onliners ein, und schauen wir dem possierlichen Gewimmel auf den niedriger gelegenen Decks zu:




Hallo! Ich bin schreiend doof!
Dies ist die einzige Aussage vieler privater Homepages. Homepages tummeln sich in den Nischen der Datenmüllhalde und lassen sich mit dem Attribut "absolut überflüssig" meist treffend einordnen. Der bedauerliche Charakterzug "ich habe eigentlich nichts zu sagen" spiegelt sich zwangsläufig im vollständig fehlenden Inhalt hirntoter Homepages wider. Unangenehmerweise schlägt trotzdem das tiefsitzende Vorurteil durch, nachdem eine Existenz ohne eigene Homepage so schlimm ist wie ein Leben ohne Fernseher, also komplett sinnlos.

Eine vergleichsweise aussagestarke Homepage hat heutzutage eine relativ starr vorgeschriebene Grundform, die sich durch die Verbreitung Homepage-erzeugender Programme herausgebildet hat: für jeden Abschnitt werden Eingaben gefordert, die anschließend gut vermischt, programmintern verdaut und zumindest technisch halbwegs korrekt ausgeschieden werden. Die Bedienung solcher Programme erfordert keinerlei Vorwissen, und so sieht das Endergebnis dann auch aus. Und tragischerweise greift auch hier wie fast überall im Leben das BIBO-Prinzip: bullshit in - bullshit out. Terror im Internet - Das Nervensägenmassaker (die Kurzfassung):

der Name (muß zumindest blinken, da er ganz fürchterlich wichtig ist)
das Paßfoto (grobgerastert und verschwommen; weniger entscheidend ist, welches Foto Verwendung findet, man erkennt eh' fast nix, und meist ist das auch besser so)
der Schleim ("Hallo, nett, daß Du meine Homepage besucht hast. Ich hoffe, sie gefällt Dir und Du schaust mal wieder 'rein. Ich liebe Dich. Und im übrigen bis du der 75984. Besucher.")
das große Gähnen (Zeugs, das eigentlich niemanden interessiert, wie beispielsweise weitere biografische Daten, Sternzeichen, Körpergewicht, Lieblingsfarbe; hier dürfen gerne auch weitere unscharfe Fotos von Mama, Manta, Göttergattin oder Lieblingshund eingefügt werden)
der Inhalt (entfällt im allgemeinen ersatzlos)
die Links (auf Web-Seiten, die entweder schon jeder kennt oder die noch nie von einem Menschen besucht wurden; führen oft ins Leere wegen Schreibfehler, Serverausfall oder Massenselbstmord - siehe unten)
an beliebiger Stelle: viele, viele animated GIFs (tausendmal gesehen, inhaltlich unbegründet, aber Hauptsache, es bewegt sich was; wirkt irre belebend und total originell!)
Und warum in die Ferne schweifen: sieh, das Grauen liegt so nah! Auch auf diesem Server findet der abgebrühte Datenmasochist Stoff der härtesten Sorte. Aber sag' nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt!

Klick mich! und mich! und mich!
Die Fernsehnation am Anfang des neuen Jahrtausends: Werbung alle zehn Minuten, aber kein Mensch sieht noch hin. Währenddessen: der Anteil der zu Werbezwecken im Internet übertragenen Daten erreicht fast 95 % der Gesamtdatenmenge. Zufall? Oder Unfall? Abfall? Zerfall?

Von wegen "das Internet kostet nix!" Nur der Tod ist kostenlos, und für den ganzen Rest mußt du blechen bis an dein Lebensende. Ist dir eigentlich schon aufgefallen, daß ein Großteil deiner horrenden Telefonrechnung auf die Übertragung von Werbebildchen zurückzuführen ist? Die meisten der ach so kostenlosen Internetdienste (Suchmaschinen, electronic newspapers, Datenbanken, ...) finanziert sich über Reklame. Der Werbende baut darauf, daß du, der du eigentlich gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt bist, auf seinen Werbebanner klickst, seine aufwendig gestalteten Reklameseiten aufmerksam und wohlwollend studierst und sofort anschließend (per e-mail) seine für dich nun unverzichtbar gewordenen Produkte bestellst, von deren Existenz du noch Sekunden vorher keine Ahnung hattest. Gewichtige Bücher, schnelle Autos, extrakalte Kühlschränke, fehlerhafte Software, veraltete Hardware.

Nette Idee. Einziger Haken an der Sache: it does not work, baby. Das e-zine Wired hatte neulich die Frage gestellt: "Welche Links würden Sie nie anklicken?" und sie gleich beantwortet: Links mit der Bezeichnung "click here!", wohl wissen, daß man mit Sicherheit genau da landet, wo man gerade jetzt nicht hinwill (dies gilt zumindest für nicht völlig ahnungslose Datenjäger. Nun ist ein globaler Marktschreier zwar prinzipiell weltweit zu hören, aber nur, wenn jemand hinhört- und wie ist das: liest du allwöchentlich das schmierige Anzeigenblättle, das jeden Mittwoch deinen Briefkasten verstopft? Schaust du Spielfilme nur an, weil die Werbeblöcke so spannend sind? Forderst du immer "völlig unverbindlich unsere umfangreiche Informationsbroschüre" an, wenn man dich darum bittet? Dann funktionierst du so, wie es sich Mr. Buyme von der Click Here! Global Advertising, Inc. wünscht. Mein herzliches Beileid.

"Stupid aliens ate my Buick / sister / dick!"
Da die Wahrscheinlichkeit einer Internetpräsenz linear mit dem persönlichen Knallkopffaktor zunimmt, sind natürlich ausgerechnet die Leute garantiert in Netz vertreten, die die heftigste Klatsche haben. Bezeichnend, aber nicht überraschend, ist, daß die "Heaven's Gate"-Sekte ihr Geld mit der Gestaltung von Web-Sites verdiente, ebenjene Sekte aus San Diego, die sich Ende März dreidutzendfach entleibte ("wir verlassen lächelnd unsere Container"), um die letzte Raumfähre zum intergalaktischen Space Cruiser zu erwischen, der sich bekanntlich im Windschatten des Hail-Bopp-Kometen versteckt. Das ist schon wieder so komisch, daß es fast nicht mehr entsetzlich ist. Ich würde hier gerne einen Link auf die Original "Heaven's Gate"-Homepage hinsetzen, aber den Server gibt es nicht mehr. Der Web-Administrator ist ... äh ... verreist. Der Kram ist aber gespiegelt und so für die zurückgebliebene, bemitleidenswerte Nachwelt erhalten geblieben; in diesem Fall von der sonst so humorlosen Washington Post, ansonsten aber auch noch auf etwa zwei Dutzend anderen Servern im Netz. Komplett mit Zugangshinweisen zum Himmelstor und schon wegen dem gütig lächelnden Alien sehr besuchenswert.

Natürlich hatte Sektengründer "Do" Applewhite zuerst im Netz von jenem UFO erfahren. Diese (wahrscheinlich per Präsidentenerlaß unterdrückte) Nachricht ist eine von mehreren Dutzend Lieblingsverschwörungen, die amerikanische Paranoikerhirne verkleben. Und wahrlich: Amerika scheint mit seiner offenen Gesellschaft und seinem eher ungefügen Sozialgefüge besonders anfällig für derartige Phantastereien zu sein. In der guten, alten prä-digitalen Zeit mußte man noch tonnenweise Flugblätter kopieren, um die bedrohte Welt mit schrägen Angstphantasien belästigen zu können. Heute ist der Aufwand leider deutlich geringer. Plattenspeicher auf Web-Servern gibt's für Pfennigbeträge, und gutplazierte "Dokumente" gewinnen, einmal veröffentlicht, ein unkontrollierbares Eigenleben. Gleichgesinnte Mitstreiter sorgen immer für die Verkündung auch der allerabgefahrensten Gedankengänge. Bewohner anderer Kontinente müssen zum Eindruck gelangen, daß es am Himmel über den USA von UFOs, schwarzen UNO-Hubschraubern, geklauten fighter jets und schäbigerweise abgeschossenen Jumbos nur so wimmelt. Nach einer aktuellen Newsweek-Umfrage behaupten etwa 19 Mio. Amerikaner, sie hätten schon einmal ein UFO gesehen. Folglich sind die Einkaufspaläste mit lächelnden, kuhäugigen, aber fleischfressenden Aliens überfüllt, und oft stehen längst verstorbene, weil meuchlings ermordete Filmstars hinter dir an der Kasse. Im Zweifelsfall hat übrigens immer die Regierung Schuld.

Die Standardtheorie für den nächsten Flugzeugabsturz lautet nach vorläufigen Hochrechnungen: "Der Jumbo wurde vom CIA abgeschossen, weil Elvis zusammen mit Marylin und JFK im Frachtraum eingesperrt war. Die drei wurden von den Theta Tauris-Aliens als Gegenleistung für die Verschonung der Erde gefordert und sollten grausigen Sex-Experimenten unterzogen werden. Der Frachtcontainer wurde auf die Hail-Bopp-HyperBase gewarpt (oder welcher Komet dann gerade aktuell ist) und der Jumbo wurde zur Vertuschung der Spuren vernichtet. Dafür gibt es schlagende Beweise: [es folgen 547 Seiten Beweismaterial und 1473 Links]". Und bei unvoreingenommener Betrachtung spricht wirklich einiges für diese These.

Nun hat der ganze Wahnsinn glücklicherweise kaum Nebenwirkungen, weil er sich auf den Daten-Highway beschränkt. Zugegeben, manchmal muß irgendwo in Oklahoma ein Verwaltungshochhaus zur Hauptbetriebszeit gesprengt werden, um die im Obergeschoß verborgene Leitzentrale der schwarzen Hubschrauber auszuschalten, und die Selbstauflösung kompletter Sekten hat auch ihre unästhetischen Aspekte, und ab und zu stellt sich jemand mit seiner pump gun auf die main street, um zwei Dutzend täuschend menschenähnlicher Marsbewohner zu vermatschen - aber im Allgemeinen ist das alles völlig harmlos.

Nimm mich optisch!
Die neben den bereits erwähnten 95 % Online-Werbung verbleibenden Netzkapazitäten werden fast vollständig für die Übertragung optischer Informationen benötigt. Um konkret zu werden: für Porno-Bildchen. Durch aufopfernde, entbehrungsreiche und natürlich rein wissenschaftlich begründete Recherchen im Intersumpf habe ich zwar meine (sowieso nicht allzu umfangreiche) Restmoral verloren, dafür aber tiefgehende Einblicke in das Denken und Fühlen des männlichen Mannes gewonnen. Jener besagte Mann frißt grundsätzlich alles: von Blümchen-Sex über XXX-rated und megaschräg bis komplett illegal (obwohl mir, um das klar zu betonen, kein Bild der letztgenannten Kategorie untergekommen ist. Aber mit ausreichend perverser Motivation und Kontakten zu entsprechenden Kreisen sollte auch dies kein Problem sein.) Das ist natürlich kein Geheimnis, und folglich leben an den Ausfallstraßen des Daten-Highway ungezählte Anbietern von der Feilbietung entsprechenden Materials: oftmals aus längst vergessenen Schmuddelheftchen mit einem Billig-Scanner eingelesen, verrauscht, verfärbt, und so unscharf wie die Fahndungsplakate der Siebziger Jahre.

Jedes Mittelklasseauto hat heutzutage eine Kindersicherung, die allermeisten Porno-Sites dagegen nicht, und das kann mich gar nicht beunruhigen, da ich keine Kinder habe. Man muß lediglich durch Mausklick akzeptieren, daß man mindestens 21 Jahre alt ist und nackte Mädels keineswegs als empörend empfindet (sonst wird man umgehend zu Walt Disney gelinkt). Ich nehme an, daß ich auch schon vor 20 - 25 Jahren diesen Mechanismus durchschaut und sehr begrüßt hätte. Denn eine fundierte gynäkologische Grundausbildung kann im wirklichen Leben immer von Nutzen sein.

Zu den schrägsten Dingen, die im Netz zu finden sind, gehören zweifellos die "amateurs": Hardcore-Pics, auf denen Leute wie Edward und Mary-Anne aus dem Nachbarshaus bei Dingen zu sehen sind, die deine Eltern sich wahrscheinlich nicht einmal vorstellen konnten. Oft genug per Selbstauslöser aufgenommen und ein Quell überwältigender Ästhetik und knisternder Erotik. Nun interessiert es dich eventuell nur periphär, was Ed und Mary-Anne in ihrem Schlafzimmer so machen; aber Ed scheint doch einiges daran zu liegen, dich mit seinem hängenden, haarigen Hintern und seinem unsagbar dämlichen Gesichtsausdruck zu erfreuen, und Mary-Anne präsentiert gutausgebildeten Speckröllchen auf geblümter Überdecke und lächelt dich mit allen verfügbaren Lippen an. Ein drolliges Pärchen, zweifellos, aber während es bei Gattenmord, Fahrerflucht und Steuerhinterziehung meist leicht nachvollziehbare Gründe gibt, erhebt sich hier doch die Frage: warum tun die das? Kickt es wirklich, als virtueller Schwanz noch bis in den letzten Winkel des Globus gelangen zu können?

Ja, die bedrohliche Bedrohung unserer ohnehin bedrohten Gesellschaft durch Pornos im Internet ist schon erschreckend bedrohlich. Die BILD-Zeitung, philosophisch angehauchte Alternative zur digitalen Verdummung, hat es an einem freundlichen Mai-Tag mit der Titelzeile "Er mordete im Porno-Rausch" auf den Punkt gebracht, und wie wir spätestens seit Hans Esser wissen: BILD lügt fast nie. Marc Dutroux hatte übrigens keinen Internet-Account, das behauptet nichtmal BILD, aber das sollte uns hier nicht irritieren. Zu bedenken wäre auch, daß Cyber-Porno weder ansteckend noch ekelhaft schleimig noch unangenehm feucht ist, also selbst für einen durchschnittlichen Erzbischof noch leichter zu akzeptieren wäre als diverse konkretere Dinge, die lüsterne Menschen anstellen können, wenn die Hormone Macht über sie gewinnen. Andererseits geht es um puren Lustgewinn ohne weiteren Anspruch, und mit sowas hat der besagte Bischof schon immer Probleme gehabt.

Nun gut. Da du, lieber Leser, sicher furchtbar lernbegierig bist, hier noch einige Erkenntnisse, die ich bei meinen Selbstversuchen gewinnen konnte, und die für dein tristes Sexualleben von Bedeutung sein könnten:

alle Menschen sehen sich nackt enttäuschend ähnlich;
die Variationsmöglichkeiten der geschlechtlichen Vereinigung sind weniger vielfältig als zunächst angenommen (was mit der recht geringen Anzahl menschlicher Körperöffnungen zu tun haben mag), andererseits aber doch wesentlich abwechslungsreicher, als der bereits erwähnte Erzbischof sich dies vorstellt;
Gruppensex mit mehr als 25 Personen wird ziemlich unübersichtlich;
man kann Sex mit diversen, in jedem gut sortierten Haushalt vorhandenen Gegenständen haben, alternativ aber auch mit jedem Tier ab Dackelgröße;
meistens ist es Zuckerguß;
Sex macht doof, und:
man muß sich schon sehr anstrengen, wenn man noch irgendwas Neues machen will. But we try. Hard.
Es leuchtet ein, daß der Reiz digitaler Pornos eine recht kurze Halbwertzeit aufweist. Dies ist jedenfalls nichts, worüber man sich groß aufregen müßte, es sei denn, man ist Bundestagsabgeordneter der CSU und hat gerade nichts besseres zu tun.

"Mr. Einstein, ich hab' da mal 'ne Frage..."
Wenn ich hier schon ein Gemetzel veranstalten, dann sollte zumindest auch noch das Lieblingsargument aller "ernsthaften" Netzjünger geschlachtet werden: das Internet fördert Wissenschaft und Forschung, indem es den einzelnen, isolierten Wissenschaftler mit seinen weltweit verstreuten Kollegen verbindet. Nette Idee. Leider falsch. Das Internet ist eine eher kontraproduktive Veranstaltung.

Erik Brynjolfsson, Professor am MIT, stellte in der Zeitschrift Science die Behauptung auf, daß der Datenfluß im Netz die wissenschaftliche Arbeit erstickt, weil der akademische Diskurs im allgemeinen Grundrauschen des Trivialen untergeht. Das leuchtet ein: das meiste im Internet verfügbare Zeugs ist entweder zu speziell oder schlichter Unsinn. Newsgroups kollabieren unter der Masse der Beiträge, vor allem der qualitativ minderwertigen Beiträge. Die Informationsrecherche wird immer zeitaufwendiger, während die Qualität des Ergebnisses immer weiter abnimmt.

Die Folge: um ihre Diskussionen nicht durch Laienfragen stören zu lassen, findet der Meinungsaustausch unter Wissenschaftlern zunehmend in nicht-öffentlichen Foren statt. Der Austausch zwischen den Disziplinen geht verloren, das Netz fördert den Rückzug des Einzelnen in immer enger umgrenzte Wissensgebiete. Denn es ist immer noch besser, auf der kleinen, einsamen Insel mitten im Datenozean zu überleben, als in ihm zu ertrinken, jetzt, wo der anfangs erwähnte Dampfer wegen Überfüllung sinkt. Noch einmal Prof. Brynjolfsson: "Es reicht einfach nicht, Leute zu verbinden. Dann reden sie noch lange nicht miteinander."

Nur zur Erinnerung: als die amerikanischen Militärs den Internet-Vorgänger ARPAnet für Wissenschaft und Lehre freigaben, eröffneten sich schlagartig neue, revolutionäre Nutzungsformen für Forschung und Entwicklung. Dem heutigen Internet ist diese Vergangenheit nicht anzumerken.

Wer bis hier gelesen hat, ist eine Minderheit
Das Internet, unendliche Weiten. Aber flacher als Ostfriesland, Beavis & Butthead und hundert Blondinenwitze zusammen. Das nervt. Die Internet-Gemeinde versucht garnicht erst, die Bedeutungslosigkeit ihrer Lieblingsthemen zu verstecken. Stattdessen werden sie wiederholt wie auf einer hängengebliebene Schallplatte (Hey kids! Wißt ihr überhaupt, was das mal war: eine Schallplatte?). Jeder gibt seinen Senf dazu und trotzdem kommt nichts zusammen.

Der konsumierende Internet-Surfer gleicht weitgehend dem Zapper in der Fernsehlandschaft: immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, immer in Panik, etwas zu verpassen, nirgendwo lang genug, um mitzubekommen, um was es eigentlich geht. Nach einer Statistik wird der Rollbalken, dieses rechteckige Ding da rechts, nur bei 10 % der übertragenen Dokumente verwendet. Das hat Folgen: Texte mit dem Anspruch, gelesen zu werden, müssen zwangsläufig kurz gehalten werden, weil Lesen anstrengend ist und Denken noch viel anstrengender. Gleichzeitig müssen sie aber halbwegs auffällig gestaltet sein, um überhaupt ins Auge zu fallen. Ausgefallene, spannende Gedankengänge unterläßt man lieber, um den geneigten Leser nicht auf halber Strecke zu verlieren. Und im übrigen würden sie (der geneigte Leser wie auch der ausgefallene Gedankengang) sowieso in der Flut der angebotenen Seiten gnadenlos untergehen: nach Diamanten auf der Müllkippe zu suchen ist ein trauriges, hoffnungsloses Geschäft.

Das Internet als globale, jederzeit zugängliche Datenbank des gesamten Menschheitswissens? Das Internet als Triebsatz für die lebenslange Weiterbildung? Träum' weiter! Jede Stadtteilbibliothek läßt das Netz weit hinter sich, wenn es um die Verbreitung von Allgemeinwissen geht: geordneter angeboten, in der Themenvielfalt umfassender, inhaltlich tiefergehend, und das alles mit deutlich geringeren Zugriffszeiten.

Das Internet ist dagegen Tummelplatz für Paranoiker, Flachdenker, Dummschwätzer, digitale Fachidioten und verhinderte CB-Funker, kurz: für Leute, denen in der realen Realität niemand zuhört und die sich deshalb vorzugsweise gegenseitig zulabern - Diskussionsbeiträge mit dem Sinngehalt eines kleinen Steaks. Meinungsfreiheit schön und gut, aber was interessiert mich deren Meinung?

Hey, Leser, du glaubst, ich würde übertreiben? Dann schau' dir mal einige Minuten den Search-Voyeur der Magellan-Suchmaschine an! ( http://voyeur.mckinley.com/cgi-bin/voyeur.cgi) Aber Moment! Bevor du den Link anklickst, solltest du dir zehn Sekunden lang überlegen, für welche Dinge sich die Bewohner des globalen Dorfes deiner naiven Meinung nach wohl vorzugsweise interessieren. Und glaube bloß nicht, daß deine Landleute besser wären! Denen kannst du zuschauen, wie sie auf der deutschen FIREBALL-Suchmaschine 'rummachen (http://www.fireball.de/voyeur-fireball_s.fcg?action=voyeur-queries). Wenn du dann der Netzgemeinde lange genug beim Suchen zugeschaut hast, wirst du erkennen: ich hatte recht. Und noch untertrieben.

Da ist ein gutes Gefühl, mit den knapp 30 KB dieses Textes einen kleinen Beitrag zur Niveauanhebung des Netzes und zur Überlastung der Datenleitungen geleistet zu haben.

Das Internet. Ich hasse das.
 

sulu



Anmeldungsdatum: 29.10.2001
Beiträge: 64
Wohnort: Dornbirn

BeitragVerfasst am: 06. Dez 2001 16:42   Titel: Re: Das Internet

Hi Geldferkel.

Was für'n Text. Bravo !! Hab ihn komplett gelesen.
Nun.. Wir Menschen lieben halt das Oberflächliche und das billige Vergnügen. Kaum jemand weis doch warum er etwas tut oder nicht. Man rennt irgendwelchen Neigungen oder Bedürfnissen nach ohne viel nachzufragen. Tut man das dann und wann wird man als gefühlskalt oder intellektuell beschimpft. Irgendwelche Gefühle oder Glaube an Bachblüten sind auch Leistungen die man nicht durch hinterfragen schmälern sollte.

Mich dünkt dass dich ein gewisser Pessimissmus angefallen hat. Ich kann dir versichern. Der wird noch schlimmer werden. Im hohen Alter dann wird man glaub ich wieder gnädiger mit seinen Mitmenschen.

Trotzdem muss ich dir in einem Punkt wiedersprechen. Das Internet kann schon ein wertvolles Recherche-Tools sein wenn man mit der nötigen Geduld ausgestattet ist. Auch der Treiberdownload ist nicht ganz unnütz. Ich schau auch öfter mal nach spiegel.de. Dort kann man schon ganz gut schmökern. Allerdings ist mir das Gedruckte dann doch noch lieber.

Ansonsten belibt mir nur noch meine Bewunderung für deinen Text auszudrücken. Ist dir das alles selber eingefallen ??

Gruss Sulu
 
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mvo
Gast





BeitragVerfasst am: 06. Dez 2001 18:47   Titel: Re: Das Internet

Der Link haette auch genuegt:
http://www.fh-lippe.de/~bmeyer/hatenet.html
 

Mel
Gast





BeitragVerfasst am: 17. Okt 2006 23:45   Titel: Hi

Ich denke mal zu Deinem Text passt "leben und leben lassen"

Meiner Meinung nach scheinst Du sehr viel Energie u Gedankenkraft damit zu vertun Dich über all diese "dummen" und "oberflächlichen" Menschen aufzuregen. Ich glaube nicht, dass Du damit großartig dazu beiträgst die Welt zu einem wohligern Ort werden zu lassen.

Nicht jeder Mensch wird mit außergewöhnlicher Intelligenz gesegnet. Menschen haben da leider keinen allzu großen Einfluss drauf. Es gibt eine riesige Palette von Unterschiedlichkeiten. Hinzukommend ist jeder Mensch an anderen Dingen interessiert. Der eine mag die Natur, ein anderer interessiert sich für Autos, wieder ein anderer ist ein begnadeter Schreiner, ein anderer interessiert sich für den Realismus und ein anderer wiederum für den Wahnsinn. Bei einer solchen Vielfalt wird es stets ein sinnloses unterfangen sein all diese millionen unterschiedlichen Leidenschaften teilen oder gar verstehen zu können. Umso weiter diese Leidenschaften von den unseren entfernt sind, umso schwieriger wird es für uns diese zu verstehen. Ein Mensch der sich nicht für die tiefere Gedankenwelt interessiert, könnte sicherlich niemals ein Mensch sein mit dem ich tiefer in Beziehung gehen könnte – jedoch würde ich trotzdem immer versuchen seine, wenn auch andere, Gedankenwelt zu tolerieren. Einem hoch kreativen Menschen ist es ein leichtes eine unglaublich anspruchsvolle homepage zu erstellen, aber was wäre das Internet wenn es nur vollendete Kunstwerke gäbe. Was wäre mit all diesen Menschen, die nicht mit genügend intelligent gesegnet sind diese Vielfalt und diesen Anspruch zu verstehen. Hinzukommend gibt es sicherlich auch viele Menschen, die es nach all diesen Anstrengungen, die der Tag einem oft bietet, einfach Einfach mögen? Ist es nicht auch schön die Wahl zu haben, macht diese Vielfältigkeit die Welt nicht erst zu einem solch schönen und bunten Ort?

Natürlich werden wir niemals alles und jeden mögen, jedoch könnten wir stets versuchen die Menschen in ihrer Andersartigkeit zu respektieren. Menschen zu verurteilen ist einfach … wenn man sie jedoch verstehen will, wird es schon schwieriger, weil wir dafür Ruhe und vor allem Geduld brauchen.

Diese Menschen im www, sind natürlich genau die selben wie außerhalb des www … was hast Du denn erwartet *smile*? Hast Du erwartet dort nur Menschen anzutreffen die besonders clever sind oder Dir besonders passen? Menschen sind Menschen … Menschen werden niemals perfekt sein und werden sicherlich auch niemals damit aufhören Fehler zu machen – weil erst das fehlbare Verhalten, das Lernen, Entwickeln u Verinnerlichen zur Folge haben kann. Ein jeder von uns hat die Entscheidung wie er damit umgeht. Wir können unser Augenmerk auf die negativen Seiten (die ein jeder hat) der Menschen fixieren oder auf dieses individuelle und einzigartige Flämmchen was ebenfalls in jedem von uns innewohnt. Wir sollten uns bewusst sein, dass unsere innere Haltung auf unser u das Leben andere stets eine Wirkung ausübt … wir können sowohl das Negative wie auch das Positive im Menschen (oder in uns) wachsen und gedeihen lassen. So wie wir unsere innere Haltung prägen, so wirken wir auch nach außen.

Lieben Gruß
Mel
 

Horst Unwichtig
Gast





BeitragVerfasst am: 08. Dez 2007 23:05   Titel:

Mel hat Recht!

Und deshalb kann man nur sagen: "Alta, komma klar!"

Die Welt ist nicht so, weil einige wenige sie so wollen, sondern weil in etwa die Mehrheit sie so haben möchte. Wenn Du nicht damit klar kommst, dann spring doch von der nächsten Brücke!

Vor allem kann man sich ja im Internet aussuchen, was man sich ansieht und was nicht. Und darüber hinaus kann man eigene ("bessere"?) Inhalte ins Netz stellen.

Nieder mit der überzogenen politischen Korrektheit!


Grüßle
 

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