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Sa, 25. März 2017, 10:04

Software::Distributionen::Fedora

Fedora kündigt Einbindung des AC-3-Codecs an

Wie die Verantwortlichen von Fedora bekannt gaben, wollen sie bereits in der kommenden Version der Distribution standardmäßig einen Dolby Digital-Dekoder (AC-3) zur Mehrkanal-Tonausgabe einbinden. Grund dafür ist unter anderem der Ende der letzten Woche abgelaufene Patentschutz des Codecs.

fedoraproject.org

Dolby Digital bzw. AC-3 ist ein 1992 vorgestelltes Mehrkanal-Tonsystem, das überwiegend in Filmen Verwendung findet. Während die Bezeichnung Dolby Digital eher ein Marketingname ist, ist AC-3 (»Adaptive Transform Coder 3«) das Bitstream-Format, das im Standard ATSC A/52 beschrieben wird. Das Format unterstützt bis zu sechs Kanäle und nutzt ein verlustbehaftetes Verfahren zur Datenkompression. Dabei unterstützt AC-3 Bitraten zwischen 32 und 640 kbit/s.

Unter Linux wird das Format bereits seit geraumer Zeit in gleich mehreren Bibliotheken unterstützt, wobei sich die Einbindung allerdings – ähnlich wie beim MP3-Format – problematisch gestaltete. So war das Format bereits bei der Vorstellung in den USA und weiteren Ländern mit gleich mehreren Patenten behaftet. Mittlerweile sind allerdings die wichtigsten Patente erloschen. Ende der vergangenen Woche verlor das letzte Patent mit der Nummer »US5890106A« seine Gültigkeit, was auch Dolby in einer Mitteilung an die eigenen Investoren bestätigte. Laut Aussage der Seite »ac3freedomday.org« dürfte AC-3 damit weitgehend patentfrei sein.

Diesen Umstand will nun Fedora zum Anlass nehmen und das Format bereits in die kommende Version der Distribution einbinden. Doch so einfach, wie sich das Vorhaben anhört, wird die Implementierung nicht sein.

Wie der bei Red Hat angestellte Entwickler Christian Schaller in seinem Blog schreibt, gilt es ab sofort nicht nur die passende Lösung zu finden, sondern potenzielle Probleme im Vorfeld der Einbindung zu eliminieren. Die Schwierigkeit dabei dürfte die isolierte Extraktion sein. So stellen beispielsweise sowohl FFmpeg wie auch libav geeignete Lösungen bereit, sie sind aber ein Teil eines größeren Konstrukts, dessen Komponenten nicht alle patentfrei sind. AC-3 aus der Masse der Codes zu extrahieren ist laut Schaller eine Herausforderung, die einen enormen Zeitaufwand bedeutet, den sich das Projekt nicht leisten kann.

Eine Möglichkeit wäre deshalb die Einbindung einer alternativen Bibliothek. Die Wahl fiel auf »Aften«. Doch auch hier stehen die Entwickler vor einem Problem, denn »Aften« wird seit mindestens sechs Jahren nicht mehr aktiv entwickelt und hinkt auch funktionell hinter ffmpeg und libav hinterher. Ferner ist auch bei »Aften« nicht gänzlich geklärt, ob die Implementierung nicht mit anderen Patenten behaftet ist.

So kann die Einbindung von AC-3 schlussendlich an den existierenden Lösungen scheitern. Wird es den Entwicklern nicht gelingen eine eigenständige Implementierung zu finden, wird es bei einem Wunsch bleiben und AC-3 bleibt weiterhin aus der offiziellen Fedora-Distribution – trotz abgelaufener Patente – verbannt.

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