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Mo, 15. Mai 2017, 11:04

Software::Kernel

Erste Vorschau auf Linux-Kernel 4.12

Linux-Initiator Linus Torvalds hat die Kernel-Version 4.12-rc1 als erste Testversion für Linux 4.12 freigegeben. Die wichtigste Neuerung ist die Aufnahme des BFQ-I/O-Schedulers, der für bessere Interaktivität während Festplatten-Operationen sorgen soll. Die umfangreichsten Änderungen sind hingegen die Registerdefinition für AMD Vega10-Chips und der neue Intel Atom IPU-Treiber.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Zwei Wochen nach Linux 4.11 hat Linus Torvalds nun die erste Testversion von Linux 4.12 veröffentlicht. Die kommenden sieben Wochen (bei Bedarf auch mehr) dienen zum Testen der Änderungen und Korrigieren der gefundenen Probleme. Torvalds schloss die Integrationsphase einen Tag früher ab als gewöhnlich und begründete das in seiner Ankündigung damit, dass erstens bereits genug Änderungen eingeflossen seien, dass er zweitens sowieso eine Abneigung gegen Einreichungen in letzter Minute habe und er sich drittens den Muttertag weitgehend arbeitsfrei halten wollte.

Die Zahl der Änderungen gegenüber der Vorversion liegt in der Tat dieses Mal mit fast 13.000 an zweiter Stelle in der Historie von Linux. Trotz dieses Umfangs bezeichnete Torvalds die Integrationsphase als reibungslos. Das könnte auch mit der außergewöhnlichen Verteilung der Änderungen zusammenhängen. Einen sehr großen Anteil hatten nämlich die neu hinzugekommenen Header-Dateien für AMD Vega10-Chips, die deren gesamte Registerdefinition enthalten. Auch der neue Intel Atom IPU-Treiber hatte einen erheblichen Anteil. Vom Rest waren wiederum zwei Drittel Treiber-Updates und neue Treiber.

Eine Neuerung am Rande ist, dass die Tar-Archive und Patch-Dateien des Kernels nun von kernel.org automatisch generiert werden, zumindest für die Testversionen. Infolgedessen tragen diese Dateien nicht mehr die Signatur von Torvalds.

Wie bereits berichtet, enthält Linux 4.12 zwei neue I/O-Scheduler: Den BFQ-Scheduler, der gegenüber CFQ für kürzere Latenzzeiten bei Disk-Zugriffen sorgen soll, und den neuen Kyber-Scheduler, der eher einfach und für Server mit schnellen Flash-Speicher optimiert ist. Beide unterstützen auch Geräte mit mehreren parallelen Warteschlangen zur Erhöhung des Durchsatzes.

Der Systemaufruf prctl ermöglicht es jetzt auch, die CPUID-Instruktion abzufangen. Es gab verschiedene Verbesserungen im BPF-Subsystem, so sind Maps jetzt kaskadierbar, ein JIT-Compiler wurde für SPARC64 hinzugefügt und ein Test-Framework angelegt. Der Aufruf epoll kann nun für kurze Zeit auf ankommende Daten auf Netzwerk-Sockets warten, um die Latenz zu verringern. Dieser Kniff wird bereits an anderen Stellen im Kernel verwendet.

Das »hybride Konsistenzmodell« für das Patchen des Kernels zur Laufzeit wurde aufgenommen. Damit können Patches auch die Semantik von Funktionen oder Daten ändern. Der RAID-Treiber erhielt Unterstützung für ein partielles Paritäts-Log. Das soll bei RAID5 die Möglichkeit verringern, dass es zu einer Datenkorruption kommt, wenn das Array gerade nicht vollständig ist. Auch beim Device-Mapper gab es eine Erweiterung für mehr Datenintegrität, genannt dm-integrity. Es fügt jedem einzelnen Sektor auf einem Blockgerät Integritäts-Informationen hinzu.

USB-Verbinder vom Typ C werden ab Linux 4.12 unterstützt. Die virtuelle Speichergröße bei PowerPC wurde auf 512 TB angehoben. ARM64 erhielt die Möglichkeit, Kernel-Crash-Dumps zu schreiben, und KVM unterstützt nun die Hardware-Virtualisierung »VZ« von MIPS. Neu hinzu kam auch das TEE-Framework, das vertrauenswürdige Rechnerumgebungen wie ARM TrustZone unterstützt. Etliche Neuerungen gab es auch wie fast jedes Mal bei perf. Entfernt wurde dagegen die ungenutzte und nicht gewartete Möglichkeit, paralleles NFS (pNFS) auf Objektspeichern zu nutzen, und die alten OSS-Audiotreiber können nicht mehr ausgewählt werden und sollen bald entfernt werden.

Darüber hinaus kamen auch wieder Treiber für zahlreiche Chips aller Art hinzu und der uralte, längst nicht mehr benötigte Disk-Treiber hd (der wohl nur Festplatten der Vor-ATA-Ära unterstützt), wurde entfernt. Die zahlreichen weiteren Änderungen sind im Änderungslog von Git zu finden. Kernel und Patch-Dateien sind von zahlreichen Spiegelservern von kernel.org herunterzuladen.

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