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Do, 16. November 2017, 12:16

Hardware

Faire Maus als Open Hardware

Seit nunmehr fünf Jahren bietet Nager IT eine Computermaus an, die unter möglichst fairen Bedingungen hergestellt wird. Das Projekt, das sogar noch etwas älter ist als das Fairphone, zieht nun eine Zwischenbilanz.

Varianten der »fairen Maus« von Nager IT

Nager IT

Varianten der »fairen Maus« von Nager IT

Am 17.11.12, also ziemlich genau vor fünf Jahren, wurde nach knapp vier Jahren Vorbereitung, an einem ziemlich improvisierten Stand am Heldenmarkt in Berlin die erste teil-faire Computermaus verkauft. Es mag für Außenstehende unscheinbar gewirkt haben, doch aus Sicht der Initiatoren des Projekts war es der Startschuss für eine neue Branche, die der »Fairen Elektronik«, in deren Zug bald darauf auch die Entwicklung des Fairphones begann. Damals waren die sozialen Probleme, die mit der Elektronikproduktion verbunden sind, noch weitgehend unbekannt. So werden zur Produktion vielerlei Rohstoffe wie Metalle und Mineralien benötigt, von denen einige recht selten und damit wertvoll sind. Einige der Minen, aus denen die Rohstoffe stammen, werden von lokalen Clanführern (Warlords) kontrolliert, die mit den Erlösen illegale Söldnerheere und Bürgerkriege finanzieren. Doch auch die Arbeitsbedingungen in den Minen und bei den Halbleiterherstellern sind oft unzureichend.

Seither fanden die Informationen über die miserablen Arbeitsbedingungen bei Foxconn und in den Zinnminen weltweit ihren Weg immer weiter ins öffentliche Bewusstsein. Nicht nur das Fairphone, sondern auch weitere Produkte anderer Initiativen wie Fairlötet (Lötzinn), kamen seither zahlreich auf den Markt und zeigen, dass Elektronik-Produktion auch sozialverträglich vonstatten gehen kann. Von den fairen Mäusen wurden nach Angaben von Nager IT bereits rund 20.000 verkauft, was im Vergleich zum gesamten Markt allerdings ein kaum merklicher Anteil ist.

Dem Projekt ist bewusst, dass sich das Ziel, unter fairen Bedingungen zu produzieren, zunächst nicht zu 100% erreichen lässt, doch wird, wo immer es möglich ist, mit zertifizierten und nachhaltigen Herstellern zusammengearbeitet. Im Lauf der Jahre wurde die Zahl der Komponenten, die unter fairen Bedingungen produziert werden, immer weiter erhöht. Die aktuelle Lieferkette ist in einer PDF-Datei dokumentiert.

Die so produzierte Maus ist reparatur- und Recycling-freundlich und die Hardware ist Open Source. Die Mausräder sind aus Holz, das Kunststoffgehäuse verwendet nachwachsende Rohstoffe statt Erdöl als Ausgangsstoffe. Jeder kann sich die Konstruktionspläne, Reparaturanleitungen und Zugehöriges frei herunterladen und so seine eigene Maus bauen.

Die Faire Maus kann online zu einem Preis ab 29,99 Euro bestellt werden. Mittlerweile stehen verschiedene Farben zur Verfügung, andere Farben können im Rahmen von größeren Aufträgen gegen Aufpreis realisiert werden. Eine dritte Taste (das Scrollrad fungiert standardmäßig nicht als Taste) kostet drei Euro zusätzlich. Auch in einigen Läden ist die Faire Maus erhältlich und ausprobierbar.

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