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Mi, 3. Januar 2018, 08:13

Software::Mobilgeräte

Eelo: Mandrake-Gründer will freie Android-Alternative schaffen

Bei Android hängt alles von proprietären Diensten von Google und anderen Anbietern ab. Das Android-kompatible und gemeinnützig agierende Eelo soll dies gründlich ändern.

Erster Eelo-Prototyp

Gaël Duval

Erster Eelo-Prototyp

Eelo ist ein neues Projekt von Gaël Duval, das sich zum Ziel gesetzt hat, Datenkraken wie Google, Apple und anderen nachhaltig zu entkommen. Dazu läuft eine Kickstarter-Kampagne, die ihr angepeiltes Ziel von 25.000 Euro bereits jetzt weit übertroffen hat.

Gaël Duval ist in der Open-Source-Welt bekannt für sein Streben nach Innovationen und Verbesserungen. Er gründete im Jahr 1998 Mandrake Linux, das sich später wegen Problemen mit den Namensrechten in Mandriva umbenennen musste. Nachdem er 2006 von seiner eigenen Firma entlassen worden war, startete er noch im selben Jahr die Linux-Distribution Ulteo, die neuartige Konzepte enthielt. Sie richtete sich an auf Stabilität bedachte Nutzer in Organisationen und Unternehmen und sah einen Online-Desktop mit zahlreichen Synchronisationsmöglichkeiten vor. Duval verkaufte Ulteo 2014 an AZNetwork SAS, seither gab es keine Nachricht mehr von dem System.

Wie Duval im November 2017 in seinem Blog schrieb, hatte er seit 2007 durchgehend Apple-iPhones genutzt. Um iOS-Anwendungen besser schreiben zu können, gab er zwischenzeitlich seinen Linux-Desktop weitgehend auf und nutzte Mac OS X. Doch machte ihn diese Situation allmählich sehr unzufrieden. Er war abhängig von der proprietären Software von Apple, während seiner Ansicht nach Apple immer mehr durchdreht, da die Preise steigen, aber nichts Aufregendes mehr dabei herauskommt. Außerdem nutzte Duval sehr stark Google-Dienste wie die Suche und Google Mail, Google Drive, Google Docs und Google Maps. All dies war bequem, seine Privatsphäre war damit aber zum Teufel. Wie Millionen andere Benutzer war er nach seinem Gefühl nur noch ein Google-Produkt.

Gaël Duval klagt Apple, Google, Facebook und Konsorten an, mit ihren Geschäftsmodellen der wirtschaftlichen und sozialen Umgebung der Nutzer zu schaden, und will eine Alternative schaffen, die Datenschutz und Privatsphäre wieder herstellt. Diese Alternative soll Eelo heißen und auf LineageOS aufbauen. Das Schaffen eines neuen Systems von Grund auf dürfte Duval zu Recht als unrealistisch ansehen. Mit LineageOS steht bereits ein Android-kompatibles System zur Verfügung, das ohne Google-Abhängigkeiten auskommt. Es kann zwar nicht die notwendigen proprietären Treiber in Android-Smartphones ersetzen, ist aber ansonsten vollständig frei. Für benutzbar hält Duval das System allerdings nicht. Ihm gefällt weder das Design noch die Bedienung, die im Vergleich zu Android oder iOS in vielen Details umständlich ist oder es an Funktionalität missen lässt.

Wie Duval in weiteren Blog-Einträgen schreibt, will er das Design-Problem mit Hilfe eines Designers lösen, der auch bereits an Mandrake und Ulteo beteiligt war (Rhandros Dembicky). Ein in Android versierter Entwickler (Hathibelagal Ashraff) wird sich um die Software kümmern. Als erstes soll ein neuer Launcher entstehen, da Duval der Launcher von LineageOS nicht gefällt und viele der Alternativen nicht frei sind. Dazu sollen ein neues Benachrichtigungssystem und ein verbessertes Konfigurationsprogramm kommen.

In Eelo sollen auch freie Alternativen zum Google-Play-Store wie F-Droid und APKPure sowie der Google Play-Proxy Yalp integriert werden, ferner MicroG als Ersatz für die Google-Dienste, DuckDuckGo und Qwant anstelle der Google-Suchmaschine und freie Alternativen zu Cloud-Diensten. Eelo kann und wird Benutzer nicht davon abhalten, abzulehnende Dienste wie Facebook und Twitter zu installieren, wird diese aber sicher nicht vorinstallieren. Ein Online-Speicher, der die Privatsphäre achtet, ist ein ferneres Ziel, ebenso wie ein Smartphone mit vorinstalliertem Eelo.

Die Kickstarter-Kampagne läuft noch bis 20. Januar und hat bereits jetzt ihr anfängliches Ziel von 25.000 Euro übertroffen. Doch je mehr Geld zusammenkommt, desto mehr kann Eelo erreichen. Langfristiges Ziel des Projektes ist, eine Firma ohne Gewinnerzielungsabsicht zu werden, die dem Gemeinwohl dient.

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