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Mo, 4. Juni 2018, 14:30

Software::Multimedia

Entwicklungsstand von Ardour 6

Die Musikproduktions-Suite Ardour hat schon lange keine Veröffentlichung mehr erlebt, und Verlautbarungen des Projekts waren in dieser Zeit nur noch sporadisch. Grund für die Stille war die intensive Arbeit an der kommenden Version 6, die viele alte Schwächen im Design beseitigen soll.

Ardour 5.0 kommt mit neuen Themes

Ardour-Projekt

Ardour 5.0 kommt mit neuen Themes

Ardour ist eine professionelle mehrspurige Digital Audio Workstation (DAW) für Linux, die unter der GPLv2 steht. Aktualisierungen des Programms erscheinen normalerweise im Abstand von ein bis zwei Monaten. Doch seit Version 5.12 vom September 2017 war dieser regelmäßige Zyklus unterbrochen.

Ende des letzten Jahres hatte Paul Davis, Gründer und Hauptautor von Ardour, im Blog Beiträge zur Geschichte von Ardour, dem finanziellen Status und der künftigen Entwicklung des Projekts gegeben. Ardour ist eines der wenigen freien Projekte, bei denen zumindest der Hauptentwickler von Spenden leben kann. Bei Ardour, das wie alle anderen freien Projekte einmal als Hobby begann, kommen die meisten Spenden in Form von Abonnements zusammen. Abonnenten, die 1, 4, 10 oder 50 US-Dollar monatlich zahlen, erhalten als Anreiz aktuelle Binärpakete von Ardour. Dadurch erzielt das Projekt stabile Einnahmen zwischen 9.000 und 10.000 US-Dollar monatlich mit leicht steigender Tendenz. Seit Januar 2018 zahlt sich Davis monatlich 8.100 US-Dollar davon als Gehalt, zuvor waren es 6.200. Von diesem Gehalt, das immer noch deutlich unter dem eines durchschnittlichen Software-Entwicklers in den USA liegt (um 10.000 USD), muss er auch seine - lange Zeit nicht vorhandene - Krankenversicherung und Rentenversicherung zahlen. Auf eine staatliche Rente kann er, da er kaum jemals als Angestellter arbeitete, nicht zählen.

Mit dem Rest des Geldes werden andere, zeitweilig an Ardour arbeitende Personen bezahlt, so dass die weitere Entwicklung nicht auf Davis allein ruht. Wie Davis jetzt schreibt, ist die momentane Entwicklung von starken Änderungen in der internen Struktur von Ardour geprägt. Diese entstanden aus dem Wunsch, neue Funktionen zu integrieren, die mit der bisherigen Architektur nicht mehr machbar waren. Die Arbeit an der neuen Version wurde so intensiv, dass sowohl die Information der Benutzer als auch die Bearbeitung von Fehlermeldungen zurückgefahren wurden. Auch eine neue Version von Ardour ist noch nicht in Sicht.

Die hauptsächlichen Ziele für die kommende Version 6 sind die Verbesserung der Arbeitsabläufe für alle häufigen Aufgaben und viele der weniger häufigen, nahtlose Integration von MIDI und Audio, einfachere Einrichtung von Sitzungen, flexiblere Zeitangaben, Korrekturen, eine Reduzierung der Komplexität und intuitiveres Arbeiten.

Implementiert wurden bereits viele Neuerungen. So kann man nun gleichzeitig das Eingabesignal abhören und es weiter verarbeiten, was besonders bei der Verwendung von MIDI wichtig ist. Während es früher bei Aufnahmen nur möglich war, das reine Eingabesignal aufzunehmen (»trockene« Aufnahme), kann man jetzt auch das Signal nach der Verarbeitung durch Plugins aufnehmen (»nasse« Aufnahme).

Das Abspielen von Sound in unterschiedlicher Geschwindigkeit wurde in eine eigene Ebene verlagert, die ganz unabhängig von Aufnahme und Abspielen ist. Das Ändern der Geschwindigkeit kann auf jedes Ein- und Ausgabesignal angewandt werden. Nebenbei wurde auch die Qualität des dabei nötigen Resamplings erhöht. Dieses wechselte von einer einfachen kubischen Interpolation zu Zita-Resample.

Ardour hatte schon fast von Anfang an eine Kompensation von Latenzen eingebaut, die von Plugins verursacht wurden. Jetzt ist diese Latenz-Kompensation in sämtlichen Datenpfaden vorhanden. Die Behandlung der Zeit in Musik und besonders in MIDI wurde grundlegend überarbeitet und die Behandlung von Tempo und zeitlichen Schwankungen wurde stark verbessert. Da letztlich fast jede Funktionalität von Ardour mit Zeit zusammenhängt, war das laut Davis eine Mammutaufgabe.

An der Oberfläche ist die bisher wesentlichste Änderung, dass Gitter und das Einrasten von Fenstern voneinander getrennt wurden, was die Bedienung komfortabler und konsistenter machen soll. Wer die Neuerungen testen möchte, ohne auf die nächste Testversion zu warten, findet den Quellcode von Ardour auf Github.

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