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Di, 5. Juni 2018, 12:52

Software::Desktop::KDE

KWin-Hauptentwickler tritt zurück

Martin Flöser, jahrelang der Hauptentwickler des KDE-Window-Managers, zieht sich weitgehend aus dem Projekt zurück. In seiner Mitteilung teilt er kräftig an die »Visual Design Group« von KDE aus, aber auch an das Benutzbarkeits-Projekt.

KDE

Martin Flöser (geb. Gräßlin) kümmerte sich seit etlichen Jahren um die Belange KDE-Window-Managers KWin, bearbeitete zahllose Fehlerberichte und erledigte die jahrelange Anpassung von KWin an Wayland. Jetzt erklärte er in einer E-Mail seinen Rücktritt von KWin. Als Hauptgrund nennt er die fehlende Motivation, weiterzumachen. Dieser Verlust der Motivation hat hauptsächlich zwei Ursachen. Eine davon sind langwährende Reibereien mit der »Visual Design Group« von KDE. In seiner E-Mail rechnet er mit diesem Team ab.

Bei der Visual Design Group (VDG) sieht Flöser mehrere große Probleme: Es gebe eine Tendenz, Änderungen vorzunehmen und sie dann wieder zurückzunehmen. Augenscheinlich »einfache« Lösungen wie das Ändern von Standardeinstellungen werden vorgenommen, anstatt das große Ganze im Blick zu haben. Die VDG versuche, ihre Änderungen zu diktieren, und diese umfassen mehr als nur visuelle oder Design-Aspekte. Bei ihren Entscheidungen ziehe die VDG keine Experten zu Rate, präsentiere ihre Lösung als endgültig und lasse keine Diskussion zu. Flöser führt dann einige Beispiele an.

Ein weiteres großes Problem ist für Flöser das Benutzbarkeits-Projekt. Hier wird nach Flösers Ansicht alles für eine vermeintlich bessere Bedienung geopfert, ohne auf das große Ganze zu sehen. Statt die KDE-Produkte grundlegend zu verbessern, werden Kleinigkeiten hinzugefügt. Das Problem dabei sei, dass jede Option Wartungskosten mit sich bringe und den Code komplizierter mache. Jede hinzugefügte Option mag die Benutzbarkeit für jemanden erhöhen, verringert sie aber für alle anderen.

Flöser hat das Gefühl, dass die neueste Entwicklung ist, dass die Benutzer nur laut genug schreien müssen, damit ihre Wünsche erfüllt werden. Selbst Wünsche und Fehlermeldungen im KDE-Bugtracker, die er vor Jahren als »wird nicht behoben« geschlossen hatte, werden erneut geöffnet. In manchen Fällen werden gar Sicherheitsverbesserungen im Interesse der Benutzbarkeit wieder entfernt.

Flöser wünscht sich, dass das Benutzbarkeits-Projekt nicht mehr jeden Benutzerwunsch als notwendige Änderung betrachtet und vor Änderungen Experten konsultiert. Er will auch künftig kleine Änderungen einbringen und Patches begutachten. Doch die Verantwortung für KWin will er nicht mehr übernehmen.

Flösers Mail hat bis jetzt erst wenige Reaktionen hervorgerufen. Seine Ansichten werden jedenfalls nicht von allen geteilt. So schreibt Eike Hein, Schatzmeister des KDE e.V., dass die VDG seiner Ansicht nach gute Arbeit geleistet habe und gerade die drei letzten Versionen von Plasma deutlich verbessert habe. Zudem kritisiert er Flösers Vorgehen, die VDG in seiner Abschieds-Mail anzugreifen.

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