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Mo, 11. Juni 2018, 14:25

Software::Mobilgeräte

Ein Jahr PostmarketOS

Das Projekt PostmarketOS will ein echtes Linux-System für Android-kompatible Smartphones bereitstellen, das Android ersetzen kann. Ein Jahr nach Beginn des Projekts liegt jetzt ein ausführlicher Statusbericht vor.

PostmarketOS auf verschiedenen Geräten

postmarketos.org

PostmarketOS auf verschiedenen Geräten

Die Support-Situation von Android-Smartphones mag sich dank verschiedener Initiativen von Google, darunter die stabile Hardware-Abstraktionsschicht Treble, etwas verbessert haben, ein Desaster ist sie aber nach wie vor. Einige wenige Hersteller bieten nun zeitnahe Updates an, teils aber nur für Android-Versionen, die mindestens eine Version hinter der neuesten zurückliegen. Viele Geräte haben noch nie ein Update erhalten, und sobald ein Gerät ein oder zwei Jahre ist, ist es aus Sicht vieler Hersteller schon reif für den Müll und benötigt keine Updates mehr. Nachhaltig ist das nicht, sondern vielmehr hochgradig die Umwelt schädigend.

Das vor einem Jahr begonnene PostmarketOS (pmOS) will die Situation grundlegend verbessern. Das Ziel ist es, Mobilgeräte für sehr lange Zeit zu unterstützen und damit aktuell und sicher zu halten. Im Idealfall soll die Unterstützung für ein Gerät andauern, bis es keine Benutzer mehr hat. Anders als einige andere Initiativen ist es kein Android-Derivat, sondern eine Linux-Distribution auf Basis des weniger bekannten Alpine Linux, das sicher, klein und einfach ist. Da es auf einem aktuellen Kernel, uclibc und Busybox beruht, kann es leicht komplett aus dem Quellcode erstellt und ebenso leicht angepasst werden - in dieser Hinsicht ist es verwandt mit OpenWrt und OpenEmbedded.

PostmarketOS ist auch nach einem Jahr noch nicht reif für den praktischen Einsatz. Dennoch konnten einige Fortschritte erzielt werden, wie einem aktuellen Bericht zu entnehmen ist. Eines der Ziele von pmOS ist, einen Standard-Linux-Kernel einzusetzen. Das bedeutet, dass zunächst etliche Funktionen nicht nutzbar sind, weil die Hardware-Hersteller entweder proprietäre oder für eine ältere Kernel-Version geschriebene Treiber einsetzen. Am weitesten dürfte das Nexus 5 von Google sein, auf dem man nun mit rein freier Software ein funktionierendes Display mit Touch-Screen und 3D-Hardware-Beschleunigung, funktionierendes WLAN und Anfänge der Telefonie (SMS) nutzen kann. Auch die Audio-Funktion soll bald soweit sein. Auf dem Samsung Galaxy Tab 10.1 funktionieren bereits Audio und Bluetooth. Auch Raspberry Pi und Nokia N9 machten Fortschritte.

Mit Hilfe der Bibliothek libhybris lassen sich viele weitere Gerätefunktionen nutzen, was allerdings das Einbinden proprietärer Treiber bedeutet. Da für viele insbesondere ältere Geräte eine Portierung der Treiber nicht realistisch ist, andererseits aber proprietäre Treiber von vielen abgelehnt werden, wird libhybris optional eingebunden.

Das Laden des Akkus dürfte auf den meisten Geräten funktionieren. Verschiedene grafische Oberflächen stehen bereits zur Verfügung, darunter Hildon, LuneOS UI, Mate, Plasma Mobile, Weston und Xfce. Auch die Window-Manager i3wm und Matchbox sind jetzt vorhanden. 84 Geräte verschiedener Hersteller, 40 mehr als vor einem Jahr, laufen zumindest mit rudimentärer Funktionalität. Eine Liste findet man im Wiki.

Die Entwicklung von pmOS geht unvermindert weiter und wird, wenn alles gut geht, weiter an Fahrt aufnehmen. Interessenten gibt es viele, und wer sich dazu in der Lage sieht, ist aufgerufen, mitzuhelfen. Viele weitere Details sind dem ziemlich langen Bericht zu entnehmen.

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