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Do, 14. Juni 2018, 12:35

Software::Distributionen

Sculpt OS in neuer Version als Disk-Image

Mit Sculpt OS soll das freie Betriebssystem-Framework Genode erstmals in das Rampenlicht einer größeren Öffentlichkeit rücken. Sculpt OS beruht auf dem Mikro-Hypervisor NOVA und diversen Linux-Treibern und ist unter anderem in der Lage, mit Hilfe von VirtualBox virtuelle Maschinen auszuführen. Das neu erschienene Disk-Image ermöglicht jetzt ein einfaches Ausprobieren des Systems.

Architektur von Sculpt OS

genode.org

Architektur von Sculpt OS

Genode beschreibt kein ganzes Betriebssystem, sondern eine Architektur, wie Prozesse aufbauend auf einem Mikrokernel strukturiert sein können, um in sicherer Art und Weise zusammenzuarbeiten. Die Entwickler haben dazu ein hierarchisches Modell entwickelt und sorgen dafür, dass die einzelnen Komponenten nur innerhalb der Hierarchie in einem vorgegebenen Bereich, »trusted computing base« genannt, kommunizieren können. Genode kann als Kernel unter anderem Linux, verschiedene Varianten des Mikrokernels L4 oder auch eine Weiterentwicklung des Mikro-Hypervisors NOVA nutzen.

Seit zehn Jahren wird Genode bereits entwickelt, wobei der Schwerpunkt stets darauf lag, das Mikrokernel-Konzept noch weiter zu auszureizen und nicht nur alle Betriebssystemkomponenten, sondern auch die Prozesse stark voneinander abzuschotten. Benutzbar war es aufgrund seines hoch experimentellen Charakters bisher kaum. Im Februar wurde jedoch die Version 18.02 veröffentlicht, die ein funktionsfähiges Betriebssystem, Sculpt OS, mitbrachte und die Bekanntheit von Genode erhöhen sollte. Die damalige Version richtete sich ausschließlich an erfahrene, experimentierfreudige Benutzer.

Jetzt liegt, wie versprochen, die zweite Ausgabe von Sculpt OS, Sculpt for The Curious, vor. Sie beruht auf Genode 18.05. Da diese Version als fertiges, direkt benutzbares Disk-Image bereitgestellt wird, sollte es nun einer größeren Zahl von interessierten Nutzern möglich sein, das System in Augenschein zu nehmen.

Sculpt for The Curious (TC) enthält eine Administrationsoberfläche (»Leitzentrale«), die komfortable Möglichkeiten bereitstellt, Speicher und Netzwerkverbindungen zu verwalten. Im Hauptfenster der Leitzentrale kann man verschiedene Aspekte des Systems durch das Editieren eines Textdatei mit dem Editor Vim ändern. Diese Änderungen werden nach dem Speichern unmittelbar wirksam. Außerdem ist die Leitzentrale auch als Overlay verfügbar, das über eine Kurztaste aktiviert werden kann.

Fotostrecke: 4 Bilder

Architektur von Sculpt OS
Leitzentrale von Sculpt OS TC
Virtuelle Maschine mit TinyCore Linux in Sculpt OS TC
Leitzentrale-Overlay in Sculpt OS TC
Der Download von Sculpt TC ist in Form eines lediglich 20 MB großen Disk-Images oder als Image für virtuelle Maschinen möglich. Das Image lässt sich auf einen USB-Stick kopieren und zum Beispiel auf einem Laptop installieren, wobei es auch ein älteres Modell tut. Was die Benutzer damit erhalten, ist ein Betriebssystem auf Basis des Mikro-Hypervisors NOVA mit zugehörigen Werkzeugen und einer kleinen Sammlung von Paketen. Dank der verfügbaren virtuellen Maschine VirtualBox lassen sich komplette Betriebssysteme unter Sculpt OS installieren und betreiben. Da NOVA nicht mehr entwickelt wird, wird Sculpt OS im Laufe der Zeit auf den Mikrokernel seL4 umschwenken. Aber auf bestimmter Hardware, z.B. ARM, soll es durch eine eigene Hardware-Schicht auch direkt laufen.

Es sollen nun immer mehr native Anwendungen zur Verfügung gestellt werden, so dass die Notwendigkeit von virtuellen Maschinen reduziert wird. Bis zum Ende des Jahres soll beispielsweise das komplette Java-Ökosystem unter Sculpt OS laufen.

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