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Sa, 21. Juli 2018, 14:04

Software::Distributionen

Fuchsia soll offenbar Android und ChromeOS ablösen

Seit über zwei Jahren arbeitet Google an dem neuen Betriebssystem Fuchsia, ohne bisher zu erklären, welchem Zweck es dienen soll. Ein Bloomberg-Artikel, der auf Aussagen von Google-Mitarbeitern beruhen soll, sieht Fuchsia als Nachfolger von Android und ChromeOS in etwa fünf Jahren.

Armadillo, die grafische Oberfläche von Fuchsia

Ars Technica

Armadillo, die grafische Oberfläche von Fuchsia

Google hatte den Quellcode seines neuen Betriebssystems namens Fuchsia im August 2016 veröffentlicht. Aber Informationen, was Google mit Fuchsia vorhat und wie die Entwicklung weitergeht, gab es bislang kaum. Erst im April 2018 stellte Google dann das Grundgerüst eines Buches vor, das einige technische Details dokumentiert. Aber vieles blieb bisher weiterhin offen. Klar war aber bereits vorher, dass Fuchsia keine Berührungspunkte mit Linux hat.

Ein Bloomberg-Artikel nennt Fuchsia jetzt den Nachfolger von Android. Demnach werde Fuchsia entwickelt, um die Limitierungen von Android zu überwinden. Fuchsia soll demnach besser auf persönliche Geräte eingestellt sein, die mit Sprachsteuerung arbeiten. Aber auch unabhängig von der Sprachsteuerung soll Fuchsia für alle Geräte mit Netzanbindung von Sensoren bis zu Laptops genutzt werden. Laut dem Bloomberg-Artikel soll Fuchsia damit sowohl Android als auch ChromeOS ablösen. In drei Jahren soll das neue System in Sensoren und anderen kleinen Geräten zum Einsatz kommen, in fünf Jahren auf Smartphones und Laptops.

Offiziell sieht Google bisher Fuchsia nicht als Ablösung für ChromeOS. Laut Bloomberg scheint es auch Google-intern durchaus noch unterschiedliche Meinungen zur Zukunft und zur Funktionalität von Fuchsia zu geben, ebenso zur Frage, wie es mit der Privatsphäre der Benutzer steht. Denn Fuchsia erschwerte ursprünglich das Verfolgen der Benutzer, was Googles Haupteinnahmequelle, die Werbung, beeinträchtigen könnte. Daher wurde die Privatsphäre angeblich bereits aufgeweicht.

Aber auch externe Gründe könnten Google davon abhalten, Android zu ersetzen, denn Android ist tief bei den App-Entwicklern verwurzelt und nach Ansicht einiger Beobachter nicht ersetzbar. Dazu kommt noch, dass die EU und andere Staatengemeinschaften oder Staaten bei Fuchsia einen erneuten Versuch der Monopolisierung wittern könnten - was sie gerade vor drei Tagen wegen Android mit einer Rekordstrafe von 4,3 Mrd. Euro geahndet haben.

Der Artikel führt einige weitere Vor- und Nachteile von Fuchsia auf. Als neues System, das nicht Linux, sondern Zircon als Kernel nutzt, wäre es nicht mit allen Geräten kompatibel. Andererseits kann es Altlasten hinter sich lassen, die Leistung gezielt optimieren und Sprach-Interaktion tief ins System integrieren. Die Sicherheit sollte sich massiv verbessern, da System-Updates automatisch eingespielt werden sollen. Android selbst ist zwar auch ein sicheres System, das Problem ist dort jedoch, dass die Updates bei 90% der Benutzer nicht ankommen, da sie von den jeweiligen Herstellern bereitgestellt werden müssten, was die meisten aber sträflich vernachlässigen.

Von Android abzugehen würde ferner die Distanz zu Oracle vergrößern, das Google wegen der Verwendung von Java verklagt hatte. Außerdem kann Google einige altgediente Entwickler in das Projekt stecken, was für diese vielleicht eine neue Motivation darstellt. Spötter würden Fuchsia daher als Vorruhestandsprojekt für ältere Entwickler beschreiben.

In der vorhandenen Dokumentation wird Fuchsia als modulares, auf Capabilitys beruhendes Betriebssystem beschrieben. Es enthält eine C-Laufzeitbibliothek (libc), die aber ebenso wenig POSIX-konform ist wie der Rest des Systems. Sie implementiert den C11-Standard, verzichtet aber auf Dateien und Sockets, Teile von pthreads, Signale sowie fork und exec. Für die Ein- und Ausgabe mit Dateien und Sockets muss man stattdessen die Bibliothek fdio verwenden.

Die Grafik soll auf Vulkan beruhen und einen Kompositor und das GUI-Toolkit Flutter umfassen. Der Kernel von Fuchsia wurde von Travis Geiselbrecht entwickelt und heißt Zircon. Es handelt sich um einen Mikrokernel, der Dienste wie Dateisysteme und Treiber als Prozesse außerhalb des Kernels ausführt. bis zu weiteren Verlautbarungen von Google bleibt aber die Zukunft von Fuchsia reine Spekulation.

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