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Fr, 24. August 2018, 11:02

Gesellschaft::Politik/Recht

Proprietärer Zusatz zu freien Lizenzen erhitzt die Gemüter

Mit der neuen »Commons Clause« können Projekte die kommerzielle Verwertung ihres Codes einschränken. Ihr Ziel ist, dass große kommerzielle Nutzer einen mit den Entwicklern zu vereinbarenden Preis zahlen. Sie soll eine weniger restriktive Alternative zu gänzlich proprietären Lizenzen sein.

Mirko Lindner

Die »Commons Clause« ist ein kurzer Text, den Projekte zu ihrer Lizenz hinzufügen können, um die kommerzielle Verwertung ihres Codes zu unterbinden. Die Idee dahinter ist, dass kommerzielle Nutzer des Codes eine separate Lizenz von den Rechteinhabern erwerben. Einer der ersten und der bisher bekannteste Nutzer ist die Datenbank Redis. Neo4j Enterprise fügte die Klausel zur AGPLv3 hinzu und Dgraph wechselte von der AGPLv3 zu Apache v2.0 mit der Commons Clause.

Redis wurde unter Einsatz von vielen Millionen US-Dollar Kapital entwickelt und die Geldgeber erwarten, dass sich dies langfristig auszahlt. Zur Rückzahlung der Investitionen und zur Deckung der laufenden Kosten muss das Unternehmen also Geld verdienen, wozu die Unternehmensversion Redis Enterprise geschaffen wurde. Redis wird in massivem Umfang in öffentlichen Clouds eingesetzt. Die Cloud-Betreiber wie Google, Amazon oder Microsoft machen Milliardengewinne, unter anderem auch durch die Verwendung von Redis, setzen allerdings nicht Redis Enterprise ein, sondern die freie Version, die unter einer BSD-Lizenz steht. Wenn große Nutzer aber keinen Cent Einnahmen bringen, dann läuft aus Sicht von Redis etwas falsch. Als Konsequenz hat das Unternehmen jetzt einzelne Module unter die »Commons Clause« gestellt. Die Datenbank selbst sowie alle von der Gemeinschaft entwickelten Module sind davon nicht betroffen.

Die Commons Clause funktioniert so, dass dem ursprünglichen Lizenztest drei kurze Absätze hinzugefügt werden. In diesen wird der Verkauf der Software durch den Nutzer ausgeschlossen und eine Definition gegeben, was unter Verkauf zu verstehen ist. Wie im FAQ der Commons Clause angemerkt wird, ist die Commons Clause eine Art Versuch, die kommerziellen Nutzer der Software zu Verhandlungen zu zwingen. Sie soll keine anderen Auswirkungen in der Praxis haben.

Entwickelt wurden die Klauseln von einer nicht näher bezeichneten Gruppe von Entwicklern einiger der populärsten Open-Source-Projekte, darunter sicher aus Redis, die aus ihrer Sicht zu wenig Einnahmen aus der Software erzielen können, da immer mehr Nutzer in die Cloud ziehen. Formuliert wurden die Klauseln von Heather Meeker. Ein Beiträger war FOSSA, ein Unternehmen, das eine Software zur Verwaltung von Lizenzen und Sicherheitsupdates von freier Software anbietet.

Die Anwendung der Commons Clause macht eine Software unfrei, wie im FAQ auch klar erkannt wird. Die Autoren halten aber Alternativen wie die AGPL und Creative Commons Non-Commercial für wenig geeignet - erstere sei unwirksam, letztere nicht für Software gedacht und auch keine freie Lizenz. Die einzige andere Möglichkeit sei, die Software oder Teile davon komplett proprietär zu machen. Daher sei die Commons Clause die bessere Alternative.

Doch Klauseln zur nichtkommerziellen Nutzung freier Software waren schon immer verpönt, unter anderem weil es viele Grenzfälle gibt, wo nicht klar ist, ob eine Nutzung kommerziell ist oder nicht. Die unmittelbare Konsequenz der Nutzung der Commons Clause ist, dass Fedora und Debian vermutlich die betroffenen Module aus der Distribution entfernen werden.

Es ist klar, dass die massive Verwendung ohne Bezahlung für viele freie Projekte ein Problem darstellt. Neu ist dies natürlich nicht, aber möglicherweise wurde es durch das Aufkommen der Clouds noch verschärft. Doch letztlich haben die Projekte durch die Wahl einer freien Lizenz genau diese Möglichkeit geschaffen, und es erscheint merkwürdig, dass sie zwar in den Genuss der Vorteile von freier Software kommen wollten, aber nun nicht mehr die Nachteile tragen wollen. In der Gemeinschaft überwiegt die Skepsis an der Commons Clause. Eine bessere Finanzierung freier Projekte wäre gut, aber ob die Commons Clause das erreichen kann, ist fraglich. Große Nutzer werden eher dazu geneigt sein, Software mit unfreien Lizenzen ganz fallen zu lassen, wenn sie sie nicht dringend benötigen. Insofern kann der Schuss auch nach hinten losgehen.

Bradley M. Kuhn von der Software Freedom Conservancy bezeichnet in einem Blog-Beitrag die Commons Clause als absichtliche Verschleierungs- und Verwirrungsmaßnahme. Er mahnt Projekte, realistisch bezüglich ihrer finanziellen Erwartungen zu sein. Die AGPL sei langfristig wirksamer als die Commons Clause.

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Kommentare (Insgesamt: 19 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[3]: Open Source != Freie Software (#!, Mo, 27. August 2018)
Re: Redis Enterprise (Lohnt das wenigstens?, Mo, 27. August 2018)
Re[9]: Open Source != Freie Software (Pittiplatsch, Mo, 27. August 2018)
Re[8]: Open Source != Freie Software (Klaus Müller, Mo, 27. August 2018)
Redis Enterprise (schmidicom, Mo, 27. August 2018)
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