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Mo, 17. September 2018, 12:01

Software::Kernel

Linus Torvalds nimmt Auszeit vom Kernel

In einer überraschenden Mitteilung hat Linus Torvalds, Initiator von Linux, bekanntgegeben, sich für mehrere Wochen von der Kernel-Arbeit zurückzuziehen. In dieser Zeit will er an seinem Umgang mit anderen Entwicklern arbeiten - persönliche Angriffe und Flüche soll es in Zukunft nicht mehr geben.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Es schien eine eher kleine Änderung zu sein, als Theodore Ts'o am 6. September verkündete, dass der Kernel Maintainer Summit von Vancouver, wo er Mitte November parallel zur Linux Plumbers Conference stattfinden sollte, nach Edinburgh verlegt und auf den 22. Oktober vorverlegt werden sollte. Der Maintainer Summit ist nicht mit dem Kernel Summit zu verwechseln. Beides sind Konferenzen, an denen nur eingeladene Kernel-Entwickler teilnehmen dürfen (beim Kernel Summit sind inzwischen auch Gasthörer zugelassen). Zum Maintainer Summit werden nur etwa 30 Entwickler erwartet, die alle mit der Betreuung von Kernel-Subsystemen befasst sind. Das Treffen soll nun parallel zum Open Source Summit Europe stattfinden.

Der Grund für die Verschiebung rief allerdings Erstaunen hervor. Linus Torvalds hatte, versehentlich, wie er betonte, einen Familienurlaub genau in diese Zeit gelegt. Anscheinend kam eine Änderung des Urlaubsplans nicht in Frage, ein Maintainer Summit ohne Torvalds allerdings auch nicht. Wie sich nun zeigte, hatte die Verlegung ungeahnte Folgen. Die Diskussion um den Umgangston auf der Kernel-Mailingliste, die keineswegs neu ist und bei der auch Torvalds' Verhalten häufig kritisiert wurde, flammte erneut auf. Denn genau dieses Thema gehört zu denen, die auf dem Maintainer Summit besprochen werden sollten.

Wie Torvalds jetzt schreibt, war es ihm recht peinlich, den Termin des Maintainer Summit vergessen und seinen Urlaub falsch geplant zu haben. Nun gab er zu, dass er zwischendurch gehofft hatte, dass der Maintainer Summit ohne ihn stattfinden würde. Dies und die nachfolgenden Diskussionen brachten ihn jedoch dazu, über sein bisheriges Verhalten nachzudenken. Dabei wurde ihm klar, dass seine manchmal heftigen Ausbrüche, die sich meist gegen schlechten Code richteten, aber manchmal auch persönlich werden konnten, der Kernel-Gemeinschaft schadeten.

Torvalds entschuldigt sich bei allen, die durch sein Verhalten verletzt oder sogar ganz aus der Kernel-Entwicklung getrieben wurden, und gelobt Besserung. Er wisse schon lange, dass er nicht besonders gut die Emotionen anderer Personen berücksichtigen könne, und habe nun erkannt, dass er viele Leute jahrelang falsch verstanden habe. Dies müsse sich nun ändern, darum nehme er jetzt eine Auszeit, um mit professioneller Hilfe ein besseres Verständnis für die Emotionen anderer zu erlangen und in Zukunft besser damit umzugehen. Wie lange diese Auszeit dauern wird, gibt Torvalds nicht an, er will jedoch zum Maintainer Summit und zum Open Source Summit Europe zurück sein.

Es handelt sich ausdrücklich nicht um einen Burnout, betont Torvalds. Er habe genausoviel Lust wie eh und jeh, am Kernel zu arbeiten. Doch nun werde es einen Einschnitt geben, der in seiner Bedeutung mit der Auszeit von 2005 vergleichbar ist, als er wohl wirklich kurz vor einem Burnout stand und an deren Ende mit dem revolutionären Versionsverwaltungssystem Git zurückkam. Wie damals bei Git könnte er sich auch jetzt technische Hilfen für seine Änderung vorstellen - zum Beispiel einen Filter, der verhindert, dass E-Mails mit Flüchen oder Beleidigungen seinen Rechner verlassen.

Im Zusammenhang mit diesem Thema wurde der Verhaltenskodex des Kernels, bisher »Code of Conflict« genannt, überarbeitet. Die ursprüngliche Fassung war rund dreieinhalb Jahre in Kraft. Die Änderung stellt fest, dass der Code of Conflict sein Ziel verfehlt habe. Der neue »Code of Conduct« soll nun für alle Kernel-Bereiche gelten und den Kernel zu einer freundlicheren Umgebung machen. Der Text beruht auf der Vorlage von www.contributor-covenant.org.

Die Entwicklung von Linux 4.19, die bis jetzt in ruhigem Fahrwasser gelaufen ist, wird durch Torvald's Rückzug natürlich durcheinander gebracht. Torvalds hat Greg Kroah-Hartman gebeten, den Rest des Entwicklungszyklus zu übernehmen. Da noch drei wöchentliche Veröffentlichungskandidaten anstehen, kann mit der Freigabe von Linux 4.19 weiterhin in vier Wochen gerechnet werden, denn in dieser Zeit werden nur noch Fehlerkorrekturen integriert. Es ist durchaus möglich, aber noch nicht sicher, dass Torvalds dann wieder übernimmt und die Produktion von Linux 4.20 einläutet.

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Kommentare (Insgesamt: 46 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re: Das steckt dahinter (pointer, So, 23. September 2018)
Re[3]: Das steckt dahinter (pointer, Do, 20. September 2018)
Re[2]: Das steckt dahinter (Feuervogel, Do, 20. September 2018)
Re: Das steckt dahinter (pointer, Do, 20. September 2018)
Re[3]: Das steckt dahinter (Anonymous, Mi, 19. September 2018)
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