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Mo, 1. Oktober 2018, 12:23

Software::Distributionen

MS-DOS 1.25 und 2.0 werden Open Source

Microsoft hat den Quellcode der Uralt-Versionen 1.25 und 2.0 von MS-DOS unter die freie MIT-Lizenz gestellt. Trotz der zahllosen Fehler dieser Systeme will der Hersteller allerdings keine Korrekturen annehmen.

Mirko Lindner

Die Älteren erinnern sich noch an den Horror von DOS und insbesondere MS-DOS. Es standen nur rund 500 KB RAM zur Verfügung, Multitasking gab es nicht und jeder Fehler in einem Programm konnte zu Hängern oder spontanen Reboots führen. Mehrere Reboots am Tag waren die Regel und Netzwerkfähigkeiten waren nicht vorhanden. Das Einbinden von externen Netzwerkstacks war eine Pein und reduzierte den freien Speicher weiter. Für TCP/IP gab es im Prinzip nur die Stacks von Microsoft und Novell, beide mit ihren eigenen Problemen.

Schon vor vier Jahren hatte Microsoft den Quellcode der Uralt-Versionen 1.25 und 2.0 von MS-DOS veröffentlicht. Der Code wurde über das Computer History Museum, das passenderweise noch nicht über HTTPS erreichbar ist, veröffentlicht. Dies geschah allerdings unter der Microsoft Research License, die nur die nichtkommerzielle Nutzung erlaubte.

Jetzt hat Microsoft den Quellcode neu lizenziert und für bessere Zugänglichkeit auf Github veröffentlicht. Die neue Lizenz ist die MIT-Lizenz, die jegliche Verwendung gestattet. Dass das passiert, ist jedoch unwahrscheinlich, da der Code allenfalls noch von historischem Interesse ist. Eine Freigabe von MS-DOS 6.22, der letzten Version, die nicht mit Windows geliefert wurde, wäre interessanter gewesen. MS-DOS 1.x und 2.0 sind komplett in 8086-Assembler geschrieben. Ihre Historie begann am 29. Dezember 1980 mit 86-DOS. Um den 9. Mai 1983 erschien MS-DOS 1.25, das aus genau sieben Quellcodedateien bestand, darunter mit command.asm der Original-Code des Kommandozeilen-Interpreters command.com. Schon um den 3. August 1983 gab es MS-DOS 2.0, das durch ein stark vergrößertes Team auf rund 100 Assembler-Dateien erweitert worden war. Laut Microsoft sind die mitgelieferten Textdateien, die das System dokumentieren, sowie viele Kommentare im Quellcode lesenswert.

Änderungen und Pull Requests will Microsoft nach eigenen Angaben nicht entgegennehmen; wer den Code ändern will, sollte einen Klon des Repositoriums anlegen und damit arbeiten. Wie die Fehlerberichte zeigen, haben bereits einige Hacker den Code angeschaut und unter anderem angefragt, wie er assembliert wird. Auch der Wunsch nach der Freigabe der anderen MS-DOS-Versionen wurde bereits geäußert. Für Version 6.22 und neuer ist dies aber wohl nur möglich, wenn die von Microsoft lizenzierte DoubleSpace-Technologie von Vertisoft freigegeben würde, denn eine Entfernung des betreffenden Codes wird Microsoft wohl nicht in Angriff nehmen.

Eine moderne Alternative zu MS-DOS mit weniger Einschränkungen ist das immer noch aktiv gepflegte FreeDOS, das vollständig unabhängig entwickelt wurde und auch vollständig unter freien Lizenzen steht.

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